_

Das System Kurt Beck: Drei-Säulen-Strategie

Mit dem Pfälzer Kurt Beck hat die alte sozialdemokratische Überzeugung „Politik ist Organisation“ ihren modernen Protagonisten. Als Vorsitzender hat Beck der SPD zwar noch nicht zu demoskopischen Höhenflügen verhelfen können, wohl aber zu Gesicht und Gewicht in der großen Koalition. Wie das System Beck funktioniert.

von Michael Inacker (Wirtschaftwoche)
Kurt Beck im Dezember 2006. Foto: dpa Quelle: dpa
Kurt Beck im Dezember 2006. Foto: dpa Quelle: dpa

BERLIN. Kurt Beck macht Politik im Keller. Zu wichtigen Besprechungen lädt der SPD-Vorsitzende gerne in die "Pfälzer Stube" seiner Berliner Landesvertretung. Dort gibt es nicht nur kulinarisch Gutes, dort besteht auch kein Handy-Empfang. Dies ermöglicht ungestörtes Diskutieren und verhindert das in Berlin beliebte Durchsickernlassen von Informationen per SMS. So können politische Initiativen nicht dadurch torpediert werden, dass Journalisten in "Echtzeit" und noch vor den eigenen Parteigängern davon erfahren. Die Treffen in der "Pfälzer Stube" sind legendär. Auch die Ministerpräsidenten der A-Länder - also das kleine Häuflein der SPD-regierten Länder - versammelt Beck dort in den Bundesrats-Wochen Donnerstagsabends, um das Vorgehen zwischen SPD-Ministern in der Bundesregierung und Landespolitikern abzustimmen.

Anzeige

Mit Beck hat die alte sozialdemokratische Überzeugung "Politik ist Organisation" ihren modernen Protagonisten. Binnen eines Jahres hat der Mainzer Ministerpräsident seiner Partei zwar noch nicht zu einem demoskopischen Stimmungshoch verholfen, wohl aber zu Gesicht und Gewicht in der großen Koalition. Vor allem aber konnte er den Führungsverfall seiner Vorgänger stoppen, die entweder ungeliebt (Gerhard Schröder), nicht-respektiert (Matthias Platzeck) oder nur kurz im Amt waren (Franz Müntefering).

Becks Strategie ruht auf drei Säulen: neues Personal, Organisation, das heißt klare Führungsstrukturen und Abstimmung zwischen Partei und Bundesregierung, sowie Erdrücken von Freund und Feind durch Umarmung.

Der Pfälzer ist klug vorgegangen: In der SPD-Zentrale hat er nicht - wie sonst üblich - große Säuberungsaktionen gestartet, sondern gute Leute weiterarbeiten lassen und nur wenige Vertraute installiert. Drei Männer spielen dabei im Gelenk zwischen Mainz, Parteiapparat und Bundesregierung eine entscheidende Rolle: Martin Stadelmaier, der Leiter seiner Staatskanzlei, SPD-Generalsekretär Hubertus Heil und der Staatssekretär im Arbeits- und Sozialministerium, Karl-Josef Wasserhövel, der als Schatten-Kanzleramtsminister fungiert.

Zumeist schon am Sonntagabend fliegt Beck in Berlin ein. Dann geht es entweder in die "Pfälzer Stube" oder zu seinem Lieblings-Chinesen: Dort trifft er sich mit seinen Parteistellvertretern oder den SPD-Ministern im Kabinett, um die Woche vorzubereiten.

  • Die aktuellen Top-Themen
Die Linke: Ulrich Maurer greift Parteispitze an

Ulrich Maurer greift Parteispitze an

In der Linken mehrt sich der Protest gegen die Parteispitze und den Zustand der Partei. Fraktionsvize Ulrich Mauer fordert eine radikale Verjüngungskur - und mehr Frauen. Denn in diesem Punkt hapert es gewaltig.

Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.