Deutschland
Das Tribunal von Augsburg

Die Junge Union hat zu ihrem Deutschland-Tag geladen und erzwingt eine Diskussion über das Wahldesaster.

AUGSBURG. Es ist ein schöner, ein emotionaler Moment, der Edmund Stoiber da gelingt in der Augsburger Kongresshalle. Er spricht von seiner Tochter Constanze, die „bekommt hoffentlich an diesem Wochenende ihr drittes Kind“. Die Anwältin bekomme stets nur Bedauern zu hören, was sie sich da aufbürde, und ihr Beruf, und ach und je – niemand freue sich mit. „Eine Gesellschaft, die einer werdenden Mutter mehr Ängste vermittelt als Freude, ist schwierig, ich sag’s mal vorsichtig.“ Applaus brandet auf, das freut den CSU-Chef: „Ein tolles Signal aus Augsburg“ meint er zu vernehmen.

Und just in diesem Moment taucht auf der Videoleinwand über ihm ein Bild auf, überlebensgroß. Ein Delegierter aus Mecklenburg-Vorpommern hält einen Zettel hoch. „–10 %“ hat er draufgeschrieben – so viel hat die CSU in Bayern bei der Bundestagswahl verloren. Die Kameras der Konferenzregie halten munter drauf, damit es auch jeder sieht im Saal.

Die Junge Union (JU) hält ihren Deutschland-Tag ab in Augsburg, und den meisten Delegierten steht der Sinn nicht nach Familienanekdoten. Die Jungen haben die gesammelte Unionsprominenz eingeladen: neben Stoiber auch noch Friedrich Merz und Angela Merkel. Sie wollen eine schonungslose Aufarbeitung des Wahlergebnisses oder „warum wir es zum dritten Mal in Folge nicht geschafft haben, über 40 Prozent zu kommen“, wie es JU-Chef Philipp Missfelder schon vor dem Treffen formuliert hatte – also eine Art Tribunal von Augsburg.

Doch genau diese Aufarbeitung des Wahlergebnisses – das wollen die Unionsparteigranden indes nicht öffentlich diskutieren, jedenfalls nicht, solange die Koalitionsverhandlungen noch laufen. Das Delegiertentreffen der JU findet aber jetzt schon statt. Und die Parteijugend kocht vor Zorn. Sie haben sich krumm gelegt im Wahlkampf, haben für Angela Merkels Reformkurs gekämpft, und jetzt sehen sie mitnichten ein, warum sie sich auf die Zunge beißen sollten.

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