Daschner selbst hatte Aktenvermerk über sein Vorgehen angelegt
Nachspiel für Polizei-Vize Daschner

Der Frankfurter Vize-Polizeichef Wolfgang Daschner muss sich wegen wegen der Folterdrohungen gegen den Entführer von Jakob von Metzler vor Gericht verantworten. Daschners Anweisungen an einen ebenfalls angeklagten Vernehmungsbeamten seien als Anleitung zur schweren Nötigung anzusehen, erklärte die Staatsanwaltschaft am Freitag in Frankfurt. Daschner wurde nach Bekanntwerden der Anklageerhebung vom Dienst in Frankfurt entbunden. Der Fall hatte eine bundesweite Diskussion über die Zulässigkeit von Foltermethoden zur Rettung von Menschenleben ausgelöst.

HB FRANKFURT. Das verständliche Motiv mache die Androhung von Folter nicht zu einem rechtlich zulässigen Mittel, erklärte die Frankfurter Staatsanwaltschaft am Freitag. Die Behörde sprach von einem einmaligen Fall. Daschner werde daher wegen Verleitung zur Nötigung und wegen Verleitung zum Missbrauch der Amtsbefugnisse angeklagt. Sollte er verurteilt werden, muss er mit einer Haftstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren rechnen. Der Kriminalbeamte, der die Gewaltdrohung auf Anweisung Daschners ausgesprochen haben soll, wurde wegen Nötigung und Missbrauchs seiner Amtsbefugnisse angeklagt. Die Staatsanwaltschaft war zuletzt selbst wegen des Vorwurfs unter Druck geraten, sie verschleppe die Ermittlungen.

Daschner hatte eingeräumt, dass auf seine Anweisung hin dem Entführer Magnus Gäfgen nach der Festnahme schwere Schmerzen angedroht worden waren, um das Versteck des elfjährigen Jakob herauszufinden. Die Polizei sei davon ausgegangen, dass der entführte Junge noch lebe und in Lebensgefahr schwebe, hatte Daschner sein Vorgehen begründet. Ehe es zur Anwendung von Gewalt gekommen sei, habe Gäfgen das Versteck der Leiche des Jungen preisgegeben. Daschner legte über sein Vorgehen einen Aktenvermerk an, der nach Angaben der Staatsanwaltschaft das Datum vom 1. Oktober 2002 trägt, jedoch erst im Januar 2003 an die Staatsanwaltschaft übergeben wurde.

Daschners Anwalt Eckart Hild will bei Gericht eine Nichtzulassung der Anklage erreichen. „Im vorliegenden Verfahren geht es um die Frage, ob die Polizei tatenlos zuwarten darf und muss, wie ein entführtes Kind qualvoll stirbt“, erklärte er. Daschner habe zwischen dem Recht des Kindes auf Leben sowie Gäfgens Recht auf körperliche Unversehrtheit abwägen müssen. Die Menschenrechtskonvention lasse jedoch die Anwendung von Gewalt ausdrücklich zu, um die „Verteidigung eines Menschen gegenüber rechtswidriger Gewaltanwendung sicher zu stellen“.

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