Datenhandel
Grüne fordern Rücktritt des Debeka-Vorstands

Nach Handelsblatt-Recherchen ist der Skandal um Datenhandel bei der Debeka-Versicherung größer als bisher bekannt. In der Politik ist die Empörung groß. Der Grünen-Finanzexperte Schick fordert harte Konsequenzen.
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BerlinMit der Forderung nach drastischen Konsequenzen hat der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick auf neue Enthüllungen im Skandal um Datenhandel bei der Debeka-Versicherung reagiert. „Sollten die Informationen des Handelsblatts von heute Morgen stimmen, so sprengt der Skandal jegliche Vorstellungskraft. Die Dimension von über 100 Millionen Euro Bestechungsgeldern an über 10.000 Beamte, die über viele Jahre regelmäßig Zahlungen erhielten, zeigt, dass es sich hier nicht um die Tat einzelner krimineller Mitarbeiter handelt, sondern dass das gesamte Unternehmen systematisch involviert war“, sagte Schick Handelsblatt Online. Noch unglaublicher aber sei der interne Sprachgebrauch, der Glaube, über dem Gesetz zu stehen. „Welche bodenlose Frechheit, die korrupten Beamten auch noch mit VM, also Vertrauensmitarbeiter zu titulieren.“

Aus Schicks Sicht ist der Skandal die vorläufige Spitze von Erkenntnissen über die Zustände in Deutschlands Versicherungsbranche. Daraus müssten unbedingt Konsequenzen gezogen werden. „Dieser Skandal muss ähnlich radikal und professionell mit externer Unterstützung und neuen Köpfen aufgearbeitet werden, wie dies Siemens vor einigen Jahren gemacht hat“, sagte er. Konkret forderte Schick, den gesamten Debeka-Vorstand „sofort“ abzulösen, sobald sich bestätige, dass die Vorwürfe stimmen. „Wenn der Vorstand nicht freiwillig zurücktritt, muss ihn die BaFin abberufen, da er nicht die aufsichtsrechtlichen Kriterien der Zuverlässigkeit erfüllt.“

Außerdem, so Schick weiter, sei der Debeka-Vorstandschef Uwe Laue als Mitglied des Verbraucherbeirats der BaFin nicht mehr tragbar. Der Debeka-Vorstand, alle involvierten Debeka-Mitarbeiter sowie alle bestechlichen Beamten müssten zudem strafrechtlich verfolgt werden. Schick sieht außerdem Klärungsbedarf hinsichtlich der Kontrollfunktion der Versicherungsaufsicht. „Es muss geklärt werden, wie die BaFin systematische Bestechung über so viele Jahre und in dieser Dimension nicht sehen konnte, obwohl diese ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells war“, sagte er. „Diese mangelhafte Aufsicht muss parlamentarisch ohne Scheuklappen aufgearbeitet werden und die notwendigen Konsequenzen müssen gezogen werden.“ Darüber hinaus müsse der Gesetzgeber den Versicherungsvertrieb neu regeln.

Die Grünen-Fraktionsvize Kerstin Andreae sprach von einem handfesten Skandal, der mit dem Beamtenstatus und dem Dienstrecht in keiner Weise vereinbar sei. "Der Bundesinnenminister (Hans-Peter Friedrich, CSU) ist in der Verantwortung dafür zu sorgen, dass jetzt umfassend aufgeklärt und auch Konsequenzen gezogen werden", sagte Andreae Handelsblatt Online. Die Debeka habe sich durch "quasi Schmiergeldzahlungen" unfaire Wettbewerbsvorteile verschafft. "Das sollte sich das Kartellamt genauer anschauen", betonte die Grünen-Politikerin. Auch Zweckentfremdung von Versichertengeldern sei für die Debeka nichts neues, fügte sie hinzu. "Schon im Wahlkampf hatte das Unternehmen bei ihren Mitgliedern aktiv Wahlwerbung gegen die Bürgerversicherung gemacht." Dieses Verhalten widerspreche eklatant den Prinzipien einer ethischen Unternehmensführung, so Andreae.

Nach Recherchen des Handelsblatts unterhält die Koblenzer Debeka-Versicherung bundesweit ein Netz von mehr als zehntausend Beamten, die gegen Bezahlung bei der Vermittlung von Krankenversicherungen, Lebensversicherungen und anderen Debeka-Produkten helfen. Über die Jahre sollen auf diese Weise weit mehr als 100 Millionen Euro von der Versicherung an Beamte geflossen sein. Diese Beamte würden intern „Vertrauensmitarbeiter“ (VM) genannt und Namen und Kontaktdaten vor allem solcher Kollegen vermitteln, die gerade ihren Dienst angetreten haben.

Kommentare zu " Datenhandel: Grüne fordern Rücktritt des Debeka-Vorstands"

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  • @Recht (13.11.2013, 17:40 Uhr)

    "Es ist schon eine bodenlose Frechheit,was für eine Macht die Medien haben."

    Wieso soll die 4. Gewalt im Staat eine Frechheit sein?
    Sie ist absolut notwendig mein Freund nur leider zu schwach und glänzt regelmäßig mit Quantität statt Qualität!


    "Man sollte wissen,dass ein ehemaliger Mitarbeiter der Debeka lange Zeit krank war und aus Frust und Unzufriedenheit der Debeka jetzt Schaden zufügen will."

    Nette vorgeschobene unbewiesene Behauptung zur Verdummung der Leserschaft!


    "Die einzigen die sich zu Wort melden,sind Grün und Rot.Ein Schelm,wer dabei an die Bürgerversicherung denkt."

    Den Blödsinn reflektiere ich gar nicht!


    "Die nächsten sind HUK und Signal."

    Dann fangen Sie an und labern nicht!


    "Hallo Mr.Verfasser:schlechte Nachrichten lassen sich besser verkaufen als gute!!"

    blabla


    "Denken Sie,dass Sie die Auflage des Handelsblatt dadurch erhöhen!Oder bekommen Sie jetzt mehr Provision?"

    Sie sind doch der Provisionsempfänger als Vertreter!

    "Schönen Tag noch!!!Ach noch was:"

    Was jetzt Verabschiedung ohne Abgang? Alzheimer?


    "die Debeka hat die Bafin,die Staatsanwaltschaft und die KPMG selbst informiert,um alles überprüfen zu lassen!!!!!!"

    Den Blödsinn lassen Sie sich besser nochmals durch den Kopf gehen, auch was Sie mit dieser Feststellung erreichen möchten ausser Peinlichkeiten...

    PS: Der Mörder hat seine Tat gestanden und ist jetzt ein ehrenwerter Edelmann?

    cui bono?


    ps: Ich dachte mir schon lange, dass bei der DEBEKA die Mehrzahl der Mitarbeiter Ihr Kaliber haben... peinsam für eine ganze Branche... Soviel Unwissen subsummiert in einem Individum....

  • Das Verdrehen der Tatsachen und das Herauslesen nicht geschriebener Behauptungen scheint Ihr Lebenselexier zu sein... Leider dennoch unzutreffend, lesen Sie genau und fabulieren Sie nicht wild um sich wie es in ihre Phantasie und Wunschvorstellung passt...

    DIE FORDERUNG NACH DER SÄGE IM DEBEKA-VORSTAND BLEIBT, DIE "UNTERNEHMENSKULTUR", HAT SICH ZUM SUMPF ENTWICKELT UND IST IN EINEM RECHTSSTAAT NICHT HALTBAR!


    WEG MIT IHM UND SEINESGLEICHEN WEG!

  • @angela-wendehals

    Ihre Einleitung ist definitiv falsch im Bezug auf den DEBEKA-Vorgang. Damit auch Sie Ihren begangenen Fehler erkennen können (so Sie dass denn überhaupt wollen und hier nicht gedenken die Leserschaft zu täuschen), stellen Sie sich folgende Fragen, um einer treffenden rechtlichen Einschätzung näher zu kommen, so Sie hierzu grundsätzlich in der Lage sind:

    a) Es geht nicht um den Kauf "irgendwelcher" Informationen
    b) Beamte im Dienst mit pekuniären Angeboten zum Verrat an Kollegen anzuködern ist ein strafbares Delikt!
    c) Der Kauf und der Versuch verstoßen gegen gültige Gesetze u.a. (BDSG, BBG, UWG, StGB)
    d) Wenn Sie es bis hierhin immer noch nicht kapiert haben sollten: Stellen Sie sich die Frage, warum Sie ihr nächstes Auto bei keinem Händler mehr günstiger bekommen wie in der Vergangenheit.... Könnte es sein, dass IHr pers. Autohändler Ihre Daten ins Netz gestellt hat und dafür Geld oder andere Vorteile erhalten hat? Es stört Sie dass andere Ihre pers. Kaufneigung und ein paar pers. Daten neben Geb.-Datum, Geburtsname, Name, Vorname, Vergütungsstufe und anderer Daten erhalten haben? Warum? Es ist doch normal dass Wirtschaftsunternehmen Daten kaufen...

    Sie sehen, Sie haben sich mit Ihrem Beitrag ins eigene Bein geschossen... Aber: Sie haben hierzu auch Talent!

    Freundlichst
    Ihr
    Vollstrecker

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