Datenportal
Regierung legt Behörden-Daten offen

Bei Behörden und Kommunen in Deutschland liegen Berge an digitalen Daten. Über eine neue Plattform sollen sie jetzt offen zugänglich gemacht werden. Doch Software-Entwickler kritisieren den Vorstoß als halbherzig.
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BerlinDie Bundesregierung will den Zugang zu digitalen öffentlichen Daten stark erleichtern. Sie hofft auf eine Flut neuer Dienste, die den Alltag einfacher machen. In einem neuen Portal mit dem Namen „Daten-Deutschland.de“ werden ab Dienstag Statistiken und andere Informationen von Behörden gebündelt. Auch Sicht von Software-Entwicklern, an die sich das Angebot richtet, gehen die Pläne allerdings nicht weit genug. Sie bemängeln unter anderem, dass die Bedingungen zur Datennutzung unklar seien.

Das Bundesinnenministerium kann sich auf Basis der Daten zum Beispiel Dienste vorstellen, mit denen man den nächsten Spielplatz oder kostenlosen WLAN-Hotspot findet. Die Daten könnten auch detaillierte Wahlergebnisse, die Auflistung des Stadthaushalts oder eine Übersicht über Fahrradwege sein. „Wir versprechen uns hier wirklich einen Sogeffekt“, sagte die zuständige Abteilungsleiterin Beate Lohmann. Besonders ortsgebundene Daten, sogenannten Geodaten, interessierten viele Menschen. Zunächst stehen gut 1000 Datensätze zur Verfügung.

Das Bundesinnenministerium erhofft sich von dem Daten-Angebot auch wirtschaftliche Impulse. Zudem sollen weitere Behörden, Kommunen und Unternehmen angeregt werden, ihre Datenbestände Bürgern zugänglich zu machen. Personenbezogene Daten sollen grundsätzlich nur anonymisiert zur Verfügung gestellt werden.


Kritik kommt allerdings genau von denjenigen, die das Ministerium mit der neuen Plattform anlocken will. Die Bedingungen, zu denen die Daten weitergegeben werden, seien zu vage formuliert, kritisierten die Software-Entwickler in einem offenen Brief im Internet. So sei für nicht ersichtlich, was sie mit den Datensätzen machen dürfen. Die IT-Spezialisten fordern, dass Behördendaten grundsätzlich den Bürgern zur Verfügung stehen.

Die Entwickler lassen vor allem an der neu eingeführten „Datenlizenz Deutschland“ kein gutes Haar. Sie sei schlecht gestaltet und hinke im internationalen Vergleich hinterher, sagte Daniel Dietrich von der Open Knowledge Foundation, die sich für freien Zugang zu digitalem Wissen einsetzt. Dabei setze die Bundesregierung mit ihrem Datenportal einen Standard für andere Verwaltungen. Städte oder Kommunen, die ihre eigenen Datensammlungen ins Internet stellen, würden die kritisierte Datenlizenz übernehmen.

Außerdem seien zu wenige interessante Datensätze unter den bisherigen Veröffentlichungen. Einblicke in Stadthaushalte, Fahrplandaten von Verkehrsunternehmen oder Informationen zu öffentlichen Ausschreibungen interessieren viele Menschen, glaubt Dietrich. Dann könnten Entwickler Programme erstellen, die anzeigen, ob der nächste Bus verspätet ist oder wo in der Nachbarschaft gebaut werden soll. Er wünscht sich ein deutlicheres Signal für offene Daten und dass die Bundesregierung sich an internationalen Standards orientiert. „Deutschland macht sich aktiv zum Schlusslicht“, kritisiert er.

Das Innenministerium betont, das Projekt stehe erst am Anfang. Es sei nicht einfach, die Nutzungsbedingungen der vielen Kommunen, Ländern und Bundesländern abzustimmen. Bisher seien nur Datensätze aufgenommen worden, bei denen es klare Nutzungsvorschriften gebe, hieß es. Für die Weiterentwicklung hofft das Ministerium auch auf die Bürger. Wenn erst mal deutlich wird, welche Datensätze auf den Computern der Behörden schlummern, würden mehr Bürger nach den Informationen verlangen.

 

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Datenportal: Regierung legt Behörden-Daten offen"

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  • O-Ton Software-Entwickler
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    Die IT-Spezialisten fordern, dass Behördendaten grundsätzlich den Bürgern zur Verfügung stehen.
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    Genau darum geht es.

    Wir brauchen keinen gläsernen Bürger, sondern einen gläsernen Staat.

    Dazu gehört auch die Offenlegung von Verträgen mit Hoflieferanten.

    Hinter dem Rauchvorhang der "commercial confidentiality" findet nämlich so manche Mauschelei und Patzerei zum Nachteil des Steuerzahlers statt.

  • Na, das ist doch endlich mal etwas, was den Bürgern wirklich hilft und die Transparenz in diesem Staat erhöht, auch wenn mal wieder die deutsche Bürokratie und Gründlichkeit für einen wackeligen, schiefen Einstieg sorgt. Wenn nun die Kritiker in das Projekt eingebunden würden und eigene Vorschläge zur Perfektionierung machen müssten, statt immer nur zu meckern, und die Politik dies Vorschläge dann auch ernsthaft auf Umsetzbarkeit prüft und sich dabei von den kompetenten Kritikern helfen lässt, hätten wir ein feines Lern- und Lehrmodell, wie Demokratie funktionieren könnte.

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