Datenreport 2006
Deutsche verlieren Vertrauen in Demokratie

Das Vertrauen in die Demokratie in Deutschland hat in den vergangenen Jahren erschreckend deutlich abgenommen. Immer mehr Menschen hierzulande bezweifeln, dass diese Staatsform zukunftstauglich ist. Besonders aufhorchen lassen die Zahlen aus dem Osten der Republik.

HB BERLIN. Die Deutschen sehen pessimistischer in die Zukunft als alle anderen Europäer. Nach neuesten Erhebungen schätzen sie ihre derzeitigen Lebensbedingungen vielfach schlechter ein, als sie tatsächlich sind. Die Akzeptanz der Demokratie ist weiter gesunken, vor allem in Ostdeutschland und unter jungen Menschen. Dies ergibt sich aus dem Datenreport 2006.

Der Datenreport wird alle zwei Jahre vom Statistischen Bundesamt, dem Wissenschaftszentrum Berlin (WZB), der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA) erstellt. Er verbindet die Erkenntnisse der amtlichen Statistik mit den Ergebnissen der Sozialforschung.

WZB-Präsident Jürgen Kocka führte die Diskrepanz zwischen der empfundenen und der tatsächlichen Lage auch darauf zurück, dass die Deutschen die Messlatte höher legten. Bei der Arbeitslosigkeit liege Deutschland allerdings eindeutig hinten.

Bei der Einschätzung der Lebensqualität geben die Deutschen ihrem Land eindeutig schlechtere Noten als andere Europäer. Lediglich 29 Prozent geben an, mit ihrem Einkommen bequem leben zu können. In Dänemark sind es 64 Prozent, in Schweden 54 Prozent, in Irland 50 Prozent.

Die Arbeitsmarktsituation beurteilen nur 3 Prozent der Deutschen als gut oder sehr gut, aber 82 Prozent der Iren, 68 Prozent der Dänen und 65 Prozent der Briten. Bei der Bewertung des Wohlfahrtsstaates liegt Deutschland im EU-Vergleich auf Platz 12, bei der Bewertung des Rentensystems nur auf Platz 21.

Das subjektive Wohlbefinden der Deutschen hat seit 2003 nochmals leicht abgenommen, wobei es einen klaren West-Ost-Unterschied gibt. Die Ostdeutschen sind in den meisten Bereichen weiterhin weniger zufrieden als die Westdeutschen.

Von der Demokratie sind immer mehr enttäuscht, extrem ausgeprägt im Osten. 2005 hielten dort nur noch 38 Prozent die Demokratie in Deutschland für die beste Staatsform. 2000 waren es noch 49 Prozent. Im Westdeutschland war die Zustimmung zwar deutlich höher, aber sie ging von 80 auf 71 Prozent zurück. Wie in den Vorjahren halten drei Viertel der Ostdeutschen den Sozialismus im Grund für eine gute Idee, die nur schlecht ausgeführt wurde. Selbst 64 Prozent der Jüngeren (18 bis 34 Jahre) glauben dies. Im Westen teilen 46 Prozent diese Sicht.

Lebenssituation junger Menschen deutlich verändert

Deutliche Veränderungen zeigt der Datenreport auch bei der Lebenssituation junger Menschen. Immer weniger Jugendliche wachsen bei verheirateten Paaren auf, sondern bei Alleinerziehenden oder Lebensgemeinschaften. 2005 lebten 880 000 der 3,8 Millionen Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren in alternativen Lebensformen.

Andererseits schätzen viele älteren Söhne immer noch das „Hotel Mama“. 14 Prozent der 30-Jährigen wohnten bei den Eltern, von den 40- Jährigen immer noch 5 Prozent. Zugenommen haben die nichtehelichen Lebensgemeinschaften von 1,8 Millionen 1996 auf 2,4 Millionen 2004.

Das „Eva-Prinzip“ findet immer weniger Anhänger. Der Aussage, der Mann solle arbeiten, die Frau den Haushalt versorgen, stimmten 2004 noch 40 Prozent der Westdeutschen und nur 17 Prozent der Ostdeutschen zu. 1991 waren es im Osten noch 33 Prozent und im Westen 50 Prozent. 1982 teilten in der alten Bundesrepublik sogar noch 70 Prozent diese Meinung. Die Untersuchung zeigte auch, je höher der Bildungsabschluss desto weniger halten die Menschen von dieser alten Rollenverteilung.

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