Datenschutz
Aigner fordert Verzicht auf Facebooks „Gefällt mir“

Der „Gefällt mir“-Button des Social-Media-Giganten verstößt laut Datenschützern gegen deutsches und europäisches Recht. Bundesverbraucherschutzministerin Aigner fordert nun von ihren Kabinettskollegen Enthaltsamkeit.
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PassauBundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) fordert von ihren Kabinettskollegen den Verzicht auf umstrittene Elemente der Internetplattform Facebook. „Der 'Gefällt mir'-Button und auch die Verwendung der Facebook-'Fanpages' verstoßen nach Einschätzung der Datenschutzbehörden gegen deutsches und europäisches Recht“, sagte Aigner der Passauer Neuen Presse.

“Behörden und Unternehmen sollten diesen Button deshalb bis auf weiteres besser nicht auf Internetseiten einbinden und 'Fanpages' abschalten."

Schleswig-Holsteins Datenschützer Thilo Weichert kritisiert, dass beim Anklicken der Schaltflächen Daten in die USA gelangten und dort rechtswidrige Nutzerprofile erstellt würden - auch von Nicht-Mitgliedern. Facebook weist die Vorwürfe zurück. Weichert kündigte letzte Woche an, bei seinem Vorgehen gegen den „Gefällt mir“-Button vor allem öffentliche Stellen und große private Firmen ins Visier zu nehmen. Die Webseitenbetreiber seien dafür verantwortlich, dass Daten nicht in die USA gelangten.

Wer den „Gefällt-mir“-Knopf anklickt oder eine Facebook-Fanseite aufruft, gibt nach Darstellung Weicherts automatisch seine Verkehrsdaten dorthin weiter. Das Unternehmen verwende die gesammelten Daten wahrscheinlich für Werbezwecke, sagte Weichert. Die Website-Betreiber wiederum erhielten von Facebook eine Analyse zur Nutzung ihres Angebots.

Das soziale Netztwer dagegen betont, die technischen Daten würden nach 90 Tagen gelöscht. Facebook ist das weltgrößte soziale Netzwerk und hat rund 750 Millionen Mitglieder, darunter 20 Millionen in Deutschland. Bei Datenschützern sorgte das Unternehmen immer wieder für Kritik, zuletzt wegen einer Funktion zur Gesichtserkennung in hochgeladenen Bildern.

Agentur
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DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Datenschutz: Aigner fordert Verzicht auf Facebooks „Gefällt mir“"

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  • Die Fanseite selbst kann doch direkt gar nicht problematisch sein, da sie von Facebook und nicht dem Unternehmen betrieben wird (zumindest in technischer Hinsicht). Man könnte einzig argumentieren, dass dem Nutzer suggeriert wird, dass die Seite vom jeweiligen Unternehmen betrieben wird, was allerdings sehr an den Haaren herbeigezogen wäre, bedenkt man die Bekanntheit von Facebook als Fanseitenanbieter.
    Bleibt zu fragen, ob die Verlinkung der Fanseite auf der Unternehmensseite kritisch ist. Theoretisch ja, sofern sie nicht als externer Link gekennzeichnet ist - theoretisch wäre dies aber bereits damit erledigt, dass sie als Facebook-Fanseite (nicht nur "Fanseite") gekennzeichnet ist und im Impressum/AGB/Disclaimer ein entsprechender Hinweis gesetzt ist.

    Alternative Diskussion:
    "Verbraucherschützer fordern im Ausland keine Waren zu kaufen, da dort Recht gelten könnte, welches mit dem deutschen und europäischen nicht vereinbar ist. Deutsche Unternehmen werden aufgefordert ausländische Niederlassungen zu schließen."

    Erinnert auch ein wenig an Protektionismus und Embargos...

  • Schön dass es Menschen gibt die sich um so etwas kümmern....

  • Ich finde den "Gefällt mir" oder auch "Like it" button und deren Funktion und Sinn dahinter sowieso total unnütz. Meinetwegen kann diese Funktion abgeschalten werden und ich muss dazu sagen das ich auch Facebookmitglied bin. Warum, ganz einfach. Wenn es einen "Gefällt mir" Funktion gibt muss es doch eigentlich auch eine "Gefällt mir nicht" Funktion geben. Tut es aber nicht. Klar kann man nun sagen das eben nur positives Feedback gegeben werden darf und sonst eben nicht, was ja von der einen Seite aus ok ist aber dann wird eben das negative feedback per Comment gegeben. Also ist sowieso egal ob es die Funktion gibt oder nicht. Daher kann man diese auch abschalten. Aber das ist meine persönliche Meinung, dhaer sinnvoller weise wäre es dann besser wenn die User selber entscheiden könnten per Abstimmung ob sie diese Funktion generell benötigen oder nicht bzw. einfach die Funktion mit einer Sperre belegen und vorab der weiteren Nutzung ein Hinweis kommt, das für diese Funktion auch Personenbezogene Daten versendet werden. Dann kann jeder der diesen Button nutzt selber entscheiden ob er das will oder nicht.
    Damit sollte Frau Aigner als oberste Datenschützerin in die Diskussion intern sowies EU weit gehen und nicht einfach selbst entscheiden was gut oder schlecht für den User ist da sie persönlich die Funktion nicht haben möchte bzw. als kritisch ansieht.

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