Debatte in Berlin
Eon-Chef warnt vor schnellem Atomausstieg

Eon-Chef Johannes Teyssen hat bei einer öffentlichen Sitzung der Ethikkommission vor steigenden Strompreisen bei einem schnellen Atomausstieg gewarnt. Umweltverbände wiesen die Bedenken zurück.
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BerlinEon-Chef Johannes Teyssen hat die Bundesregierung vor einem Scheitern der Klimaschutzziele und steigenden Strompreisen bei einem vorschnellen Atomausstieg gewarnt. „Eine zu kurze Brücke ist eine sinnlose Brücke“, sagte Teyssen am Donnerstag in einer öffentlichen Sitzung der Ethikkommission der Regierung in Berlin.

Insgesamt waren rund 30 Experten zu der rund elfstündigen Anhörung des „Rates der Weisen“ eingeladen. Vertreter der Ökostrom-Anbieter und von Umweltverbänden wiesen die Attacken gegen einen Atomausstieg als Folge der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima zurück. Energie aus Wind, Sonne, Wasserkraft und Biomasse könne schon in einem Zeitraum von 2017 bis 2020 die Atom-Lücke komplett schließen. Der Mieterbund rief die Regierung auf, die Bürger mit den Kosten der Energiewende nicht allein zu lassen.

Der Kommissionsvorsitzende und frühere Umweltminister Klaus Töpfer betonte, die deutsche Atomausstiegsdebatte werde im Ausland mit großem Interesse verfolgt. „Die Signalwirkungen sind enorm groß“, sagte Töpfer. Die von Phoenix übertragene Marathonsitzung wurde auch bei kleineren Public-Viewing-Veranstaltungen am möglichen Atommüll-Endlager Gorleben und am AKW-Standort Neckarwestheim verfolgt. Vorbild für das Experiment ist die Schlichtung bei Stuttgart 2l.

Teyssen sagte, ohne die Kernenergie als Brücke in das Zeitalter der erneuerbaren Energien müsse Deutschland mehr Kohle- und Atomstrom importieren, Strompreise für energieintensive Betriebe könnten um zehn Prozent steigen und man brauche mehr Gas- und Kohlekraftwerke, was die deutschen Verpflichtungen beim Klimaschutz gefährde. Mit der Kernenergie könne Deutschland bis 2020 den CO2-Ausstoß womöglich um bis zu 30 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. „Diese Vorteile muss man im Auge behalten, bevor man sie leichtfertig beiseite schiebt“, sagte der Chef von Deutschlands größtem Stromkonzern.

Bis zum 28. Mai will die 17-köpfige Ethikkommission einen Bericht vorlegen. Dieser soll der Bundesregierung bei ihrer für Mitte Juni geplanten Entscheidung darüber helfen, wie viele Atomkraftwerke in Deutschland dauerhaft vom Netz gehen sollen und bis wann der letzte der 17 Meiler abgeschaltet wird. Der Co-Kommissionsvorsitzende und Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Matthias Kleiner, betonte, die kontroverse Debatte um die Atomkraft habe Jahrzehnte das gesellschaftliche Klima vergiftet. „Damit muss Schluss sein.“

Der Präsident des Bundesverbands Erneuerbare Energien, Dietmar Schütz, sagte, bis 2020 würden vor allem Windkraft und Solaranlagen massiv ausgebaut und Ökostrom könne den Atomstrom ersetzen. Laut Schätzungen können die Erneuerbaren bis dahin einen Anteil von 47 Prozent an der Stromerzeugung haben. Heute sind es 17 Prozent.

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  • Nur nicht erschrecken lassen! Wenn ein Atombetonkopf wie
    der EON Chef vor schnellem Ausstieg warnt und dabei die mittlerweile etablierten Ausgleichsmechanismen ignoriert (wie Umweltzertifikathandel zum Ausgleich der CO2 Emmissionen) oder immer noch von Brückentechnologie anstatt von Kernernergie redet (und da Orwell'sche Sprachverwirrung gebraucht, da ja die Brücke nachgewiesener Massen die Erneuerbaren blockieren würde)
    ist das natürlich mit einem Schulterzucken zu bewerten. Interessengeleitet ignoriert er und andere das der gesellschaftspolitische Konsens von Merkel und Röttgen aufgelöst wurde und nun diese Fehler korrigiert werden müssen. Schwarz-Gelb wird aber dazu nicht in der Lage sein: Um ein wasserdichtes Atomgesetz zu verabschieden, müssten sie doch auf den alten Rot-Grün Kurs umschwenken. Die Ethikommission bestätigt nur das was seit Jahrzehnten bekannt ist und so lässt der Zeitgewinn den Merkel im Sinn hat nur vermuten das weiter um Machterhalt gepokert wird statt energiepolitische Richtlinien für die nächsten Jahrzehnte zu geben.

  • unsere Freunde die immer wieder versuchen eine erfolgreiche Wirtschaft auf Pipe-Dreams aufzubauen. Die schmutzige Industrie der Hersteller lassen wir auf der anderen Seite des Globus und wir setzen uns an Rechner und produzieren neue Dateien!
    .
    Wenn die Wirtschaft mit den Gruenen Traeumereien im Boden versunken ist, muessen sich diese Umweltexrtemisten eine neue Identitaet besorgen und das Land verlassen.

  • Verzeihung, aber das glauben Sie doch wohl selbst nicht.
    Die Energieversorger verdienen Ihr Geld mit der Energieerzeugung, nicht zwingend mit dem Betrieb von AKWs.
    Gleichzeitig soll diese Energie günstig und überall ausreichend vorhanden sein und Klimaschutzziele sollen auch noch eingehalten werden. Da wird das Äußern von Bedenken ja wohl noch erlaubt sein wenn das "Konzept" nicht schlüssig scheint.
    Auch ist Deutschland bei den von Ihnen angeführten Technologien weder besonders führend noch sind diese besonders gewinnträchtig. Atomstrom-Weltmeister dürfte übrigens die französische Areva sein. Energieintensiv ist hierzulande z.B. die Stahlerzeugung, mit Aluminium macht man es aus den von Ihnen genannten Gründen genau so wie Sie es vorschlagen. Um als Industriestandort gut dazustehen braucht man unter anderem für die Produktion auch bezahlbare Energie.
    Ich bin auch kein Freund von Atomstrom, Gründe sind u.a. die bekannten Risiken, die ungelöste Endlagerung und die Kosten derselben (die dann auch noch von der Allgemeinheit getragen werden müssen).
    Nichtsdestotrotz sollte man erstmal die alternative Energieerzeugung planen, bauen und dann die AKWs abschalten.
    Sonst sitzt man auf einmal im Dunkeln und das will ja auch keiner.

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