Debatte über Euro-Austritt
Vizekanzler Rösler bringt Griechen-Premier in Rage

„Für mich hat ein Euro-Austritt Griechenlands längst seinen Schrecken verloren“: Die Worte von Vizekanzler Rösler sorgen für viel Wirbel. In Berlin gerät er unter Druck. Und auch international ist die Empörung groß.
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Berlin/DüsseldorfDie Äußerungen von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) zum Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone ziehen weite Kreise und drohen inzwischen auch zu einer schweren Belastung für die deutsch-griechischen Beziehungen zu werden. Ohne Rösler namentlich zu nennen, kritisierte der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras die die Debatte um einen möglichen Euro-Austritt seines Landes scharf. Auch einige Ökonomen, darunter der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman, gingen mit dem Vizekanzler hart ins Gericht. Die SPD forderte gar die Entlassung Röslers. Nur aus der FDP und einigen deutschen Wirtschaftsverbänden erhielt er Rückendeckung.

Samaras sprach nannte die Politiker, die über einen Euro-Austritt  spekulierten, „Untergraber unserer nationalen Bemühungen“. Bei seiner Rede vor einem Parlamentsausschuss fügte er hinzu: „Wir tun, was wir können, damit das Land wieder auf eigenen Beinen stehen kann, und sie tun alles, was in ihrer Macht steht, damit wir scheitern.“

Samaras sagte weiter, er wisse nicht, ob sie es „bewusst oder aus Dummheit“ tun. „Ich weiß nur, dass sie unverantwortlich sind“, erklärte der Regierungschef. „Sie werden es nicht schaffen.“ Samaras Rede wurde im griechischen Fernsehen übertragen. Der griechische Premier betonte erneut, dass Griechenland dringend Investitionen und Wachstum brauche. Bundeswirtschaftsminister und FDP-Chef Philipp Rösler hatte am Sonntag im ARD-Sommerinterview gesagt: „Für mich hat ein Austritt Griechenlands längst seinen Schrecken verloren.“

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Krugman reagierte mit Entsetzen auf Röslers Aussagen. Es sei „verstörend“, wenn Rösler behaupte, ein Euro-Austritt der Griechen hätte seinen Schrecken verloren, schreibt der US-Ökonom in seinem Blog bei der „New York Times“. Die Deutschen sollten vielmehr „sehr viel Angst“ vor eine solchen Entwicklung haben.

Rösler hatte mit Blick auf die Umsetzung der Auflagen für Griechenland, die Voraussetzung für weitere Milliardenzahlungen sind, gesagt: „Ich bin mehr als skeptisch.“ Man müsse zwar zunächst den Bericht der sogenannten Troika von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) abwarten. Wahrscheinlich werde Griechenland seine Zusagen aber nicht einhalten können. 

Kommentare zu " Debatte über Euro-Austritt: Vizekanzler Rösler bringt Griechen-Premier in Rage"

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  • @ hanwufu

    ...Bilderberger, da streift jemand das das Verschwörungsland ...

    Definition des Begriffs Verschwörung: "Eine Verschwörung (Lehnübersetzung von lat. coniuratio; auch: Konspiration) ist eine heimliche Verbündung mit dem Zweck, einen Plan auszuführen, der ein selbstsüchtiges, verwerfliches Ziel verfolgt und dessen Umsetzung zum Schaden anderer geschieht oder der die Beseitigung tatsächlicher oder vermeintlicher Missstände anstrebt. Eine Verschwörung beruht also nicht immer auf niederen Motiven, sie basiert jedoch stets auf Täuschung."

    Bilderberg tagt seit Jahnzehnten im geheimen ,will Misstände beseitigen (was da auch immer genau heißen mag)und täuscht über die wahren Absichten (gibt sich als "Kaffeekränzchen" aus - somit sind die Bilderberger definitiv eine verschwörerische Gruppierung.

    Und mit "Aussitzen" hat das gar nichts zu tun. Was die Politik macht, ist strigent, sie verfolgt die Ziele der internationalen Elite, wobei wir dann wieder bei Bilderberg wären.

    ..und: Es heißt "ausgesessen", bitte..

  • Der Kerl da unten in Athen soll endlich zusehen, dass er seinen Laden in Ordnung bekommt. Was hat der denn bisher geleistet? Nichts und nochmals nicht?

    Das was ich begrüße ist, dass endlich mal einer aus der Bundesregierung so halbwegs klar sagt was das da unten für ein.....Volk ist, dass auf die kein Verlass ist, dass die raus müssen aus dem Euro. Wie lange wollen wir es uns noch gefallen lassen, dass uns solche Typen auf der Nase herum tanzen.

    Griechenland und Simbabwe z.B. passen sehr, sehr gut zusammen.

  • @ Pandora

    du bist einer von den wenigen die hier kritisch aber auch mit etwas Hintergrundwissen and die Sache herangehst. (nicht dass ich hier besser bin).

    Leider sind die meisten hier von den verschiedenen Medien geleitet und spiegeln wieder was sie am Tag zuvor gelesen haben ohne zu wissen, dass es auch andere Aspekte gibt. Diese andere Aspekte muss man halt im Internet suchen aber man begnuegt sich mit dem leichten "Futter".

    Ich gebe Dir recht was den Euro Betrifft und dass Rot-Gruen das beschlossen hat. Griechenland war damals nicht bereit fuer den Euro Eintritt so wie auch Irland, Portugal, Spanien und eventuell Italien.
    Man ist der Sache zu schnell angegangen.

    Deutschland hat aber all diese Jahre mit den exporten an diese Laender EXTREM profitiert . Ausserdem ist Deutschland teilweise auch an der Krise in Europa beteiligt indem sie ihre Politik in erster Stelle auf Gewinnmaximierung getrimmt hat (was auch Legitim ist)ohne jedoch auf die Konsequenzen und die Folgen dieser Politik zu achten.
    Des weiterm hat Angie (Merkel) mit Schaueble, Westerwelle, zu spaet auf die Krise reagiert und auch nicht auf die Bemuehungen und Ratschlaege von Junker (Luxenbourg)Acht gegeben.

    Du wirst sehen das 2014 die Krise langsam auch nach Deutschland rueber kommen wird und die ersten Anzeichen kamen gestern von Moody's.
    60% der Exporte von Deutschland gehen in den Euroraum und Eurolaendern.
    Leider kommt Angela als Physikerin vom ehemaligen Osten ohne Politischen und Europaeischen Hintergrund bzw. Wissen.
    Leider gibt es in Europa im Moment keinen fuehrenden und visionaeren Politiker mit grossem Gewicht. Der einstige der nocht evetuell noch uebrig geblieben ist, ist eventuell Junker.

    Mal sehen wo alles hinfuehrt.

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