Debatte über Griechen-Pleite

Top-Ökonomen weisen Rösler zurecht

Ob FDP-Chef Rösler wohl ahnte, was er mit seinen Griechenland-Äußerungen alles auslösen würde? Nicht nur in der Koalition herrscht helle Aufregung, auch Ökonomen reagierten verärgert auf den Vorstoß des Vizekanzlers.
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Philipp Rösler. Quelle: Reuters

Philipp Rösler.

(Foto: Reuters)

BerlinPhilipp Rösler (FDP) hat sich in der Euro-Debatte offensichtlich vergaloppiert. Mit seinem Versuch, eine populäre, harte Haltung gegen Griechenland einzunehmen, hat er nicht nur die Bundesregierung in einen echten Stresstest versetzt, er hat auch sich selbst größten Schaden zugefügt. Dass Oppositionspolitiker an Röslers Eignung als Wirtschaftsminister zweifeln, ist nicht überraschend. Doch dass nun auch aus der CDU auf ihn verbal gefeuert wird, entbehrt nicht einer gewissen Brisanz. Immerhin ist Rösler auch Vizekanzler und steht als solcher in großer Verantwortung. Wenn das in Frage steht, dann trifft das irgendwann auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Dass die Lage brenzlig ist, darauf deuten auch Reaktionen aus der Wissenschaftswelt hin.

Führende Ökonomen in Deutschland halten es für völlig unverantwortlich, dass Rösler (FDP) Gedankenspiele über einen möglichen Staatsbankrott Griechenlands anstellt. „In der gegenwärtigen Situation kann Politik nicht öffentlich über alles philosophieren, was einem so einfällt“, sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, Handelsblatt Online. Vorschläge, die nicht zu Ende gedacht seien und deren Wirkungen nicht bedacht und ohne überzeugende Begründung als der rettende Ausweg bewertet würden, seien kein sinnvoller Beitrag zur Debatte. „Sie sind unverantwortlich.“

Hüther hält auch Stammtischbeschimpfungen gegen Griechenland, die alles Erreichte einfach ignorierten, für inakzeptabel. „Es ist Regierungsmitgliedern nicht angemessen, solchermaßen Stimmung zu bedienen oder gar zu machen“, warnte der IW-Chef. Denn nirgends sei zu erfahren, welche Probleme durch eine Insolvenz gelöst würden, und es werde verschwiegen, welche Probleme so entstehen könnten. „Die Bundeskanzlerin ist gut beraten, wenn sie dem Einhalt gebietet und die Führung übernimmt“, verlangte Hüther. „Der Euro ist ein zentrales Thema unserer Zukunft.“

Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, hält die Debatte zwar prinzipiell für notwendig, um auch der Bevölkerung aufzuzeigen  um was es gehe. „Entscheidend ist aber, wer sie führt und wie sie geführt wird“, sagte Horn Handelsblatt Online. „Wenn verantwortliche Regierungsmitglieder die bisherige Strategie der Bundesregierung in Frage stellen, dann rufen sie verstärkte Unsicherheit in einem ohnehin verunsicherten Umfeld hervor“, warnte der IMK-Chef. „Das ist der Stoff, aus dem Finanzmarktkrisen entstehen.“  Dies gelte umso mehr, wenn Vorschläge gemacht würden, die offensichtlich noch nicht zu Ende gedacht sind. Dazu zähle die Forderung nach  einer   geordneten Insolvenz Griechenlands, ohne dass es bisher auch nur Ansätze einer gültigen Insolvenzordnung gebe. „Dieses Verhalten ist  unverantwortlich“, sagte Horn.

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66 Kommentare zu "Debatte über Griechen-Pleite: Top-Ökonomen weisen Rösler zurecht"

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  • "„Wenn verantwortliche Regierungsmitglieder die bisherige Strategie der Bundesregierung in Frage stellen, dann rufen sie verstärkte Unsicherheit in einem ohnehin verunsicherten Umfeld hervor“, warnte der IMK-Chef. „Das ist der Stoff, aus dem Finanzmarktkrisen entstehen.“"

    Vielleicht werden Finanzmarkkrisen durch solche Äußerungen ausgelöst, die Ungleichgewichte, die sich in solchen Krisen lawinenartig lösen, können aber erst entstehen, wenn es so unfähige Ökonomen gibt, die das eine vom anderen nicht unterscheiden können und durch jahrelange Ignoranz am Aufhäufen derselben mitgewirkt haben und jetzt mit einem "haltet den Dieb" davon ablenken wollen.

  • Es ist doch schon etwas makaber, wenn man hier im Handelsblatt einen Kommentar liest, der von seinem Inhalt her ebenso wenig mit der Realwelt und den real-existierenden Politmachenschaften zu tun hat, wie ein Leserbeitrag, der im Jahre 1983 im September im Neuen Deutschland erschienen war.

    Dass für die inzwischen existenzgefährdenden Turbulenzen und psychotischen Exzesse, die an den Börsen ablaufen, speziell diejenigen Kaderfunktionäre aus CDU, SPD, FDP und CSU verantwortlich zeichnen, die wir getrost als die parlamentarische Soldateska jener Klientel- und Lobbygruppen der heutigen Finanzspekulations- und -anlagenbetrugwirtschaft bezeichnen sollten.

    Dass die Gruppe Kohl, Genscher, Lambsdorf, Waigel, R. Scholz und Rasch als Werber und Propagandisten für die Göttinger Gruppe die Urheberrechte für diese Politkader beanspruchen können, kann jeder der wissen will in den Annalen der Wirtschaftskriminalität nachschlagen.

    Dass die Briganten der SPD und des Metzgerflügels (Metzger, Scheel & Co.) dem Vorbild der CDU/CSU-FDP-Finanzspekulationsherolde faktisch als die Prätorianer dieser Finanzspekulation nachfolgten, können wir allein schon daran ablesen, was mit der Unternehmenssteuerreform 2000 und dem MoRaKG (Gesetz zur Modernisierung des Investitionsstandortes Deutschland) ablesen.

    Das der heutige Finanzkapitalterrorismus, für den ja nicht nur Lehman-Bank-Mafioso oder der Finanzbetrugszauberer Madoff zeichnen, faktisch eine systemische Einkommensquelle jener Besitzstandskriminellen ist, die sich dem System der Finanzspekulation- und der Analgenbetrugswirtschaft verschrieben haben, können wir bis heute als erklärte Politikabsicht der sogen. "bürgerlichen Parteien" erkennen. Allein die seit dem letzten Börsencrash praktizierte Inaktivitäten dieser "Parteien" weist ganz unübersehbar auf deren Handlangerschaft mit den Spekulationskriminellen des Hochfrequenzhandels, der Hedgefonds, der Leerverkaufs- und des gesamten Termin- und Optionshandels hin.

  • Rösler verdient meinen Respekt.

    Er sticht jetzt heraus aus der Meute der anderen heuchlerischen Politiker, die ihr Volk für dumm verkaufen. Wir wollen einen Schuldenabbau, schießen aber durch x-Rettungspakete neue Schuld-Mrd. hinterher. Oder zahlen wir das aus der Portokasse. Es wird Zeit für Deutschland auch mal "NEIN" zu sagen. Andere Politiker wissen auch, daß der Euro auf der "Intensivstation nur noch künstlich beatmet wird" und er keine Chance hat, sich wieder zu stabilisieren. Dafür sind alle Länder, die ihn besitzen zu verschieden.

  • das das Institut der dt Wirtschaft eine Insolvenz Griechenlands und anderer Pleitestaaten, skeptisch sieht, ihn gar ablehnt, dürfte nicht verwundern. Einzig die Wirtschaft profitiert vom Euro. Diesen Profit zahlen die Steuerzahler aber letztlich über die Rettungsschirme für die Pleiteländer und die Banken. Was an diesem Verfahren sinnvoll ist, kann wohl niemand, außer den Profiteuren, nachvollziehen. Eine geordnete Insolvenz ist der richtige Weg. Hier sollte Rösler dafür sorgen, daß durch entsprechende Instrúmente auf europäischer Ebene Insolvenzverfahren geregelt werden, um den Vorwurf zu entkräften, seine Thesen seien nicht zu Ende gedacht.

  • Lassen Sie mal Ihre ewigen Expertenmeinungen dort , wo diese hingehören, nämlich in der Tonne. Bisher gab es zu dem Thema auf deren Seite nämlich bei 10 Befragten 12 Meinungen und diese durchaus konträr. Einige davon hörten sich durchaus so an wie die Äußerungen unseres Wirtschaftsministers und wurden auch in diesem Blatt veröffentlicht. Ob er recht hat oder nicht wird lediglich die Zeit zeigen.

  • Die Wissenschaftler verlangen also, daß sich die Politiker der Öffentlichkeit als ahnungsloser Naivlinge präsentie-ren, nur damit nicht ausgesprochen wird, was jeder weiß? Wie wäre es, von der Diagnose (GR ist pleite) auszugehen und nach den besten Lösungen zu suchen, anstatt sämtliche Energie für Nebelkerzen wie "TINA" zu nutzen? Ich finde es wichtig, dass sich die FDP als einzige (!) Partei im Parla-ment dafür stark macht, das Problem von allen Seiten zu beleuchten und nicht in Rettungshysterie zu verfallen. Und die Presse finde ich komplett bescheuert, wenn bei einem so komplexen Problem mit derartigen Langfristauswirkungen auf das ganze Land Friede&Freude&Eierkuchen verlangt wird anstatt einer heftigen Diskussion, die in der Öffent-lichkeit auszutragen ist. Was für ein Bild entwirft die Presse von einer lebendigen Demokratie? Ist für sie ein "Bürger" einer der ständig bürgt aber ansonsten die Klappe hält?

  • Mich würde stark interessieren, was in Ihren Augen ein "Top-Ökonom" ist. Vielleicht könnten Sie das mal definieren. Beide, G. Horn und M. Hüther stehen auf der Payroll von Interessensverbänden und sind somit keine unabhängigen Wissenschaftler. Insofern stellt sich die Frage, wessen Interessen die zitierten "Topökonomen" vertreten. Das Handelsblatt veröffentlichte gerade ein Ranking von Topökonomen. Darin tauchen weder Herr Horn noch Herr Hüther auf. Im Gegenzug taucht keiner der dort identifizierten wirklichen Topökonomen in einer Stellungnahme zu Griechenland auf.

  • Glaubt wirklich jemand dass der Mann denkt was er sagt?
    Es geht nur um Wählerstimmen, dass der Geldadel (deutscher) endlich verstanden hat dass man den Kuchen nicht essen und auch behalten kann, hat er anscheiinend noch nicht mitgekriegt.
    Jeder Deutscher ist statistisch gesehen, so reich wie noch nie.
    Und das liegt daran dass die Eurozone z.Z. eine Art Reservat für deutsche Produkte ist.
    Il ne faut pas tuer la poule aux oeufs d'or! sagt der Franzose.
    Man kann das mit "den Ast absaegen, auf dem man sitzt" übersetzen, denke ich.

  • ---@Eifelturm,

    sorry, aber so klappt das nicht.

    Wir sind gerade kurz davor, dass die EU-Falle endlich zuschnappt. Frau Merkel wurde von dem großen Vordenker, der EU-Diktatur inthronisiert, um auch Dt. in die 100% EU-Diktatur zu überführen.

    Die Wegbereiter sind hierbei die Notenbanker
    Sie entscheiden über Gedeih und Verderben des Volkes.
    Sie entscheiden, was die Politiker sagen und zu entscheiden haben.

    Aber, wer sagt den Notenbankern, was sie machen sollten
    Wer steht hinter den Notenbanken.



  • Was sind Top-Ökonomen eigentlich?
    Sie stehen irgendwo an der Spitze. Sonst bedeutet dies eigentlich nix.
    Was ein Ökonom kann, zeigt sich in seinen Leistungen.
    Freude, habt doch Mitleid mit unseren Politikern. Sie können es einfach nicht.
    Die Welt ist in den vergangenen Jahren dümmer geworden. Das kommt daher, dass den Kindern immer wieder gesagt wird: „Der Klügere gibt nach!“. Ja und damit siegt die Dummheit. Hipp hipp hurra!
    Wir Deutschen sind ja die Profiteure vom Euro und deshalb müssen wir bluten und zwar solange, bis kein Blut mehr da ist. Und spätestens dann kommt wieder so ein Österreicher und zeigt den armen Deutschen wo es lang geht. Hallo Politiker, versteht ihr so den Auftrag des Grundgesetzes? Dort heißt es „Schaden vom Deutschen Volke abzuhalten!“
    Liebe Politiker, schafft das Grundgesetzt ab, denn ihr haltet euch doch nicht mehr dran. Das wäre dann wenigstens ehrlich. Ihr beklagt euch über mangelnde Wahlbeteiligungen. Jemand hat mal gesagt ein Wahlvotum (Stimmabgabe) wäre ein Vertrauensvorschuss für die nächsten Jahre. Seit wann verdienen unsere Politiker unser Vertrauen. „Wer einmal lügt dem glaubt man nicht, auch wenn er die Wahrheit spricht.“ Muss man aber dem glauben, der fortwährend lügt? Sind wir schon wieder da angelangt.
    Europa braucht keinen Euro. Die europäische Idee wurde lange und erfolgreich ohne Euro gelebt. Jetzt wird diese eigentlich gute Idee kaputt gemacht. Ein Europa aus Asozialen und Schmarotzern darf es auch nicht geben. Das wird Zeus schon richten. Und der liebe Gott ist in Andromeda auf Urlaub und lässt die kleinen Menschlein die Erde kaputtmachen.

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