Debatte über Lafontaines Lebensstil Die Linke streitet über den „Luxus-Linken“

Kurz vor dem Berliner Bundesparteitag am Wochenende wird in der Linkspartei eifrig über den Lebensstil von Oskar Lafontaine diskutiert. Der Saarländer, WASG-Mitglied, tritt als Spitzenkandidat der Linkspartei bei der Bundestagswahl an, und schwingt sich dabei gern zum Anwalt der kleinen Leute auf.
Feudal: Lafontaines Anwesen in Oberlimberg im Kreis Saarlouis. Foto: dpa

Feudal: Lafontaines Anwesen in Oberlimberg im Kreis Saarlouis. Foto: dpa

HB BERLIN. Auslöser der Diskussion war ein Vorgang aus der vergangenen Woche: Lafontaine, der im Moment Urlaub auf einer vornehmen Finca auf Mallorca macht, sollte an einem Leserforum der "Bild am Sonntag" teilnehmen. Für den Flug nach Deutschland und zurück verlangte der frühere Bundesfinanzminister einen Privatjet. Weil der Medienkonzern Axel Springer dafür keine 17 500 Euro aufwenden wollte, verpflichtete er stattdessen den Linkspartei-Spitzenkandidaten Gregor Gysi für das Leserforum.

Verweis aufs eigene Wahlprogramm

Helmut Holter, Linkspartei-Arbeitsminister in Mecklenburg-Vorpommern, kommentierte Lafontaine Lebensstil ironisch: Wenn die Linkspartei ihr Programm umgesetzt habe, könne Lafontaine sich wahrscheinlich keinen Luxusurlaub auf Mallorca mehr leisten. Holter spielte damit auf die Forderung im Wahlprogramm an, ab einem Jahreseinkommen von 60 000 Euro eine 50-prozentige Einkommensteuer einzuführen. "Bescheidenheit steht jedem Politiker gut zu Gesicht, auch Lafontaine", sagte Holter.

"Das ist unsereinem fremd"

Der Europaabgeordnete und ehemalige PDS-Wahlkampfmanager Andre Brie sagte, er stimme jenen zu, die Lafontaine als "Luxus-Linken" bezeichneten. "Die Glaubwürdigkeit des Einsatzes für die sozial Benachteiligten leidet darunter." Brie charakterisierte Lafontaine als jemanden, der es immer verstanden habe, gut zu leben. "Das ist unsereinem fremd. Ich finde das auch fragwürdig". Er warnte die Spitzenpolitiker seiner Partei davor, sich in "Privilegien zu verirren".

"Man wird den Oskar nicht läutern können"

Die sächsische Landesvorsitzende der Linkspartei, Cornelia Ernst, gab zu verstehen, dass sich die Partei mit Lafontaines Lebensstil wohl oder übel abfinden müsse: "Die Luxus-Debatte schadet der Partei, aber man wird den Oskar nicht läutern können", sagte Ernst der Zeitung "Die Welt". Sie forderte die Kritiker auf, Lafontaine persönlich anzusprechen, anstatt über die Medien mit ihm zu kommunizieren. "Wer sich an seinem Lebensstil stört, der sollte ihm das auf dem Parteitag am Samstag mitteilen."

"Alles geheuchelt"

Die Linkspartei-Bundestagsabgeordnete Petra Pau verteidigte den Saarländer. Die ganze Aufregung sei geheuchelt, sagte Pau. "Lafontaine dürfte in der gleichen Gehaltsklasse spielen wie rot-grüne Bundesminister. Aber eines unterscheidet ihn von denen: Er will eine Vermögensteuer, die ihn natürlich auch treffen würde." Auch Spitzenkandidat Gregor Gysi meinte, er sei "gegen die These, dass man zwingend arm sein muss, um linke Politik machen zu dürfen". Er sei vielmehr dafür, "dass sich auch Besserverdienende für eine solidarische und sozial gerechte Politik einsetzen".

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