Debatte über Nachtflugverbot
Berliner Chaos-Flughafen droht neues Ungemach

Geplatzte Starts, explodierende Kosten – vieles ist schief gelaufen am künftigen Hauptstadtflughafen. Nun hat ein Gericht den Planern einen weiteren Strich durch die Rechnung gemacht – zur Freude einiger Politiker.
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BerlinDer Berliner Flughafen droht in schwere Turbulenzen zu geraten - nicht nur wegen eines sich zuspitzenden Machtkampfs innerhalb der Flughafengesellschaft, sondern auch, weil Spitzenpolitiker von Grünen und Linken ein strengeres Nachtflugverbot für den neuen Großflughafen BER fordern. Hintergrund ist eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg. Die Richter sperrten einen weiteren Abschnitt des mühsam ausgehandelten Flugroutensystems für den Hauptstadtflughafen. Maschinen dürfen demnach in der Zeit von 22 Uhr bis 6 Uhr nicht über Blankenfelde-Mahlow hinweg starten.

Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Anton Hofreiter (Grüne), plädierte dafür, die Entscheidung in eine generelle Regelung münden zu lassen. „Ein striktes Nachtflugverbot von 22 Uhr bis 6 Uhr ist aus Gründen des Gesundheitsschutzes angebracht. Fluglärm macht krank, nächtlicher Fluglärm ist besonders schädlich“, sagte Hofreiter Handelsblatt Online. Die Lärmwirkungsforschung habe das inzwischen überzeugend belegt. „Die Menschen haben einen Anspruch auf gesicherte Nachtruhe und gesunden Schlaf.“

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, unterstrich, dass die Richter „völlig zu Recht“ entschieden hätten, dass die Gesundheit der Menschen nach Art. 1 und 2 des Grundgesetzes Vorrang vor der Wirtschaftlichkeit des Betreibens eines Flughafens habe. Letztere sei kein Grundrecht, sagte Gysi Handelsblatt Online. „Was für Blankenfelde-Mahlow gilt, muss nun auch für die Menschen in den anderen Gemeinden gelten, die in der Nähe des Flughafens liegen.“ Denn dort seien zwar andere, aber nicht weniger Menschen vom Nachtfluglärm betroffen. „Endlich besteht die Chance, dass sich das Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr gegen den Willen der Bundesregierung und des Senats von Berlin durchsetzt“, sagte Gysi.

Der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann hält die bisherigen Nachtflugregeln für ausreichend. Ein Nachtflugverbot werde es zwischen 0 Uhr und 5 Uhr „in jedem Fall“ geben, sagte Wellmann Handelsblatt Online. Flüge zwischen 23 und 0 Uhr sollen zudem die Ausnahme sein und vor allem Landungen betreffen. Überdies, so Wellmann weiter, könnten durch die Einschränkung auf die Südbahn Lärmbelästigungen reduziert werden.

Kommentare zu " Debatte über Nachtflugverbot: Berliner Chaos-Flughafen droht neues Ungemach"

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  • DagmarK
    Das haben Sie bestens gesagt.
    Dem stimme ich absolut zu

  • @Allace64
    Berlin ist nicht Deutschland, sondern irgendwo zwischen Deutschland und Griechenland, so in der Gegend von Süditalien würde ich sagen :-)

  • Also, sollten von diesem Flcuhafen aus jemals Maschinen starten, werden wir ihn dauerhaft alimentieren müssen. Der kann niemals Kosten deckend betrieben werden.

    Zieht ein Zaun drum herum, setzt ihn unter Starkstrom und siedelt die Angehörigen des (aktuellen) deutschen Bundestags dorthin um. Das kann unserem Land nur gut tun. Ein paar Pflegekräfte werden sich ja wohl noch auftreiben lassen.

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