Debatte um Euro-Ausschluss
Merkel will Pleite-Griechen im Euro halten

Merkel kann der Idee eines Rauswurfs Griechenlands aus der Euro-Zone nicht viel abgewinnen. Diese klare Haltung gefällt nicht nur der Brüsseler EU-Spitze, auch Merkels Vorgänger Schröder stützt die Kanzlerin
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BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und EU-Ratspräsident Herman van Rompuy haben Forderungen nach einem Ausschluss Griechenlands aus der Euro-Zone klar zurückgewiesen. „Ich glaube, dass wir damit einen Domino-Effekt einleiten könnten, der außerordentlich gefährlich für unser Währungssystem ist“, sagte Merkel am Montag in Berlin.

Noch drastischer stellte sich der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder gegen die Griechenland-Kritiker in Union und FDP: Rausschmiss-Forderungen bezeichnete er als „Quatsch“ und „Populismus“. „Wo endet das? Das endet in der Zerstörung der Gemeinschaftswährung“, sagte er am Montag am Rande einer Veranstaltung des Nicolas Berggruen Instituts in Brüssel.

Auch der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) wandte sich gegen einen Ausschluss Griechenlands aus der Euro-Zone. Griechenland müsse unter dem Rettungsschirm bleiben, sagte Steinbrück bei einem Vortrag in Essen. Erneut sprach sich der SPD-Politiker für einen Schuldenschnitt aus. „Griechenland ist pleite. Es ist langsam Zeit, sich das einzugestehen„, sagte Steinbrück, der als Kanzlerkandidat seiner Partei gehandelt wird. Ein Rettungsschirm nach dem anderen helfe allein nicht weiter. Bei einem Schuldenschnitt müssten den Banken, die Griechenland-Anleihen hielten, Möglichkeiten zur Rekapitalisierung eröffnet werden. Griechenland brauche aber nicht nur Hilfen, um seine Schulden bedienen zu können. Die Europäer müssten der griechischen Wirtschaft helfen, „wieder Wind unter die Flügel zu bekommen“.

Die Europäische Zentralbank müsse von den Staatsanleihen befreit werden, die sie in den vergangenen Monaten aufgekauft habe, sagte Steinbrück weiter. Sie sollte die Anleihen an den europäischen Stabilitätsfonds abgeben, um wieder in eine neutrale Position zu kommen.

Altkanzler Schröder äußerte sich zuversichtlich, dass die derzeitige deutsche Regierung sich mit der Idee der sogenannten Euro-Bonds letztlich doch noch anfreunden werde. Er sei zuversichtlich, dass hier der „gleiche Lerneffekt“ möglich sei, der bereits in die Befürwortung einer Wirtschaftsregierung gemündet habe, betonte er. „Das dauert gelegentlich“, sagte er. Aber damit, dass manche Sachen etwas länger dauerten, habe er ja Erfahrung.

Merkel betonte, es sei wichtig, dass Griechenland seine Zusagen umsetze und einhalte. Vor der Unionsfraktion sagte die CDU-Vorsitzende am Abend laut Teilnehmern, wenn Griechenland nicht das tue, was die Prüfer der „Troika“ aus EU, EZB und IWF wollen, werde es keine neuen Mittel geben - weder aus dem laufenden noch aus einem neuen Hilfspaket.

Wachsenden Unmut im schwarz-gelben Regierungslager gibt es aber nicht nur über die schleppenden Reformfortschritte in Athen, sondern auch über die jüngsten Abstriche am Sparprogramm der italienischen Regierung.

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  • Die Firma BRD ist in Liquidation. Und die bündnisfanatische CDU-Merkel stellt hunderte Milliarden schwere Wechsel aus mit Unterstützung der FDP-Luschen, der Großmaul-SPD und der Multikulti-Grünen als Euro-Rettungspakete. Diese Wechsel werden gezogen werden! Lösung: Wir deutsche Bürger müssen uns an Europa anpassen! Arbeiten nur noch halbtags von 8 bis 12 Uhr. Am Nachmittag machen wir gar nichts oder arbeiten schwarz! Wenn wir keine Steuern mehr zahlen, ist der Spuk unserer Horrorpolitiker im Nu vorbei, und sie fallen aus ihrer Wolke in der Kuppel des Bundestages auf den Boden der Tatsachen.

  • Ausgerechnet Gazprom-Schröder muss in diesem Zusammenhang große Töne spucken, prima! Wer war noch mal gleich Bundeskanzler-Darsteller, als man sich beim Beitritt Griechenlands sehenden Auges grandios über den tisch ziehen ließ? Das ist ja widerlich!

  • @ Regulator:

    Ich habe nicht "erkennen" im Zusammenhang mit einer Wissenschaft gemeint ... Die Ökonomie hat damit nämlich vor Jahrzehnten schon aufgehört, habe ich erkannt.

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