Debatte um Hitler–Hetzschrift
Kampf um „Mein Kampf“

Dass 70 Jahre nach Hitlers Tod dessen Machwerk „Mein Kampf“ neu aufgelegt wird, hat eine heftige Debatte entfacht. Gestritten wird darüber, ob die Hetzschrift auch im Schulunterricht eingesetzt werden soll.

BerlinMehr als zwölf Millionen Mal wurde Adolf Hitlers Propagandaschrift „Mein Kampf“ bis 1945 gedruckt und unters Volk gebracht. Seither war jegliche Neuauflage des Buches, das Hitler in den 1920er Jahren als Häftling in der Festung Landsberg geschrieben hatte, untersagt.

Das bayerische Finanzministerium verhinderte Nachdrucke mithilfe der Urheberrechte, die beim Freistaat Bayern liegen. Das bekam auch der Verleger Peter McGee zu spüren, als der Freistaat dessen historische Zeitschrift „Zeitungszeugen“ verbot, weil darin Ausschnitte aus „Mein Kampf“ enthalten waren. Im nachfolgenden Rechtsstreit unterlag der Verleger.

Vom Jahresende an ist nun alles anders. Denn Hitler ist seit 70 Jahren tot, und damit laufen die Urheberrechte an allem, was er jemals zu Papier gebracht hat, aus – auch an „Mein Kampf“. Um allen den Wind aus den Segeln zu nehmen, die auf die Idee kommen, das Buch nun wieder auf den Markt zu bringen, hat das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) drei Jahre lang an einer wissenschaftlich kommentierten Ausgabe gearbeitet, die pünktlich zum Auslaufen der Urheberrechte auf den Markt kommen soll. Am 8. Januar soll das Buch in München präsentiert werden. Das Projekt macht weltweit Schlagzeilen – und hat nun auch in Deutschland eine Debatte entfacht.

Gestritten wird darüber, ob das Buch auch bundesweit in Schulen zum Einsatz kommen soll. Der Lehrerverband ist dafür, die jüdische Gemeinschaft in Deutschland dagegen. „Solange das Judentum als Religion sowie das blühende jüdische Leben in Deutschland vor 1933 und die Errungenschaften, die unser Land jüdischen Menschen verdankt, im Schulunterricht wenn überhaupt nur stiefmütterlich aufgegriffen werden – solange also deutsche Schüler kaum etwas über Juden wissen, das nicht mit dem Holocaust konnotiert ist – solange halte ich es für unverantwortlich ausgerechnet die zutiefst antijüdische Schmähschrift „Mein Kampf“ im Unterricht zu behandeln“, argumentiert die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch.

Sie ist überzeugt, dass eine „erkenntnisorientierte Aufarbeitung mit dem Holocaust und der NS-Zeit, mit dem Ziel, Schüler zu mündigen, geschichts- und verantwortungsbewussten Menschen zu machen und zum Schutz der freiheitlich-demokratischen Werte zu animieren“, sehr gut auch ohne die Lektüre von „Mein Kampf“ denkbar sei.

Lehrerverbands-Präsident Josef Kraus ist hingegen der Ansicht, dass die wissenschaftlich edierte und kommentierte Ausgabe den Schulen zur Verfügung stehen müsse. „Im Interesse einer Einheitlichkeit beim schulischen Umgang mit „Mein Kampf“ sollte die Kultusministerkonferenz diesbezüglich zu didaktisch-methodischen Rahmenempfehlungen finden“, sagte Kraus dem Handelsblatt. „Eine professionelle Behandlung von Textauszügen im Unterricht kann ein wichtiger Beitrag zur Immunisierung Heranwachsender gegen politischen Extremismus sein.“

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