Debatte um Krisenbank
HRE wollte deutlich mehr Boni zahlen

Die umstrittene Millionenprämie für Mitarbeiter der verstaatlichen Krisenbank Hypo Real Estate (HRE) bringt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in Bedrängnis. Dabei hat sein Ministerium nach Informationen des Handelsblatt noch Schlimmeres bei den Zahlungen verhindert. Auch die HRE-Chefin Manuela Better gerät unter Druck. Die SPD will sie im Finanzausschuss des Bundestages in die Zange nehmen.
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BERLIN. Die Bundesregierung hat höhere Sonderprämien an Mitarbeiter der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE) verhindert. Nach Informationen des Handelsblatts (Dienstagausgabe) aus HRE-Kreisen hatte sich die Bundesregierung zusammen mit dem Bankenrettungsfonds Soffin für eine Kappung der ursprünglich geplanten Bonuszahlungen auf 25 Mio. Euro eingesetzt. Das Bundesfinanzministerium wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Die ersten Bonuspläne des HRE-Vorstands lagen demnach deutlich über den genehmigten 25 Mio. Euro. In Kreisen der Bank hieß es, dass zunächst Sonderprämien im Umfang von 35 Mio. Euro im Gespräch waren. Bund und Soffin hätten in internen Verhandlungen allerdings auf eine Reduzierung der Bonuszahlungen hingewirkt, erfuhr das Handelsblatt. Nach mehreren Gesprächen habe man sich schließlich „auf ein Minimum an Sonderzahlungen“ verständigt.

Politiker der Koalition und Opposition hatten massive Kritik daran geübt, dass die Bonuszahlungen ausgerechnet für das vergangene Jahr genehmigt wurden, in dem die Bank einen Verlust von 2,2 Mrd. Euro vor Steuern verbuchte. Die Bonuszahlungen waren im Aufsichtsrat einem Insider zufolge unumstritten. „Der Aufsichtsrat hat sich sehr nachhaltig dafür verwendet“, hieß es. Bereits im Juni habe es grundsätzlich grünes Licht gegeben, die Auszahlung sei dann mit den August-Gehältern erfolgt. Das Vorhaben sei sehr intensiv dem Soffin kommuniziert worden. Es sei auch jederzeit klar gewesen, dass man die Einmalzahlungen werde „sehr gut begründen“ müssen.

Nach Informationen des Handelsblatts hatte die Bank vor allem den Abgang von Spitzenkräften im USA-Geschäft befürchtet. „Der Bund muss größtes Interesse daran haben, dass die Reprivatisierung mit einer Kernmannschaft in Angriff genommen werden kann“, sagte ein HRE-Manager.

Die umstrittene Millionenprämie für HRE-Mitarbeiter hat nunmehr auch ein parlamentarisches Nachspiel. Die SPD-Bundestagfraktion hat nach Informationen von Handelsblatt Online für die nächste Sitzung des Bundestags-Finanzausschusses am kommenden Mittwoch den Tagesordnungspunkt "Bericht zur aktuellen Situation bei der HRE" beim Ausschussvorsitzenden Volker Wissing (FDP) beantragt. Themen der Sitzung seien insbesondere die zusätzlichen Garantien des Bundes für die Bank sowie die Bonuszahlungen an Mitarbeiter der HRE, hieß es aus Fraktionskreisen. Außerdem bittet die SPD-Fraktion um Teilnahme von HRE-Chefin Manuela Better an der Sitzung. Better kann jedoch nicht zur Anwesenheit gezwungen werden, da sie nicht der Bundesregierung bzw. ihrem Verwaltungsunterbau angehört.

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  • Was braucht es noch mehr an beweisen?

    Der Fisch stinkt vom Kopf her!

    Diesen Charakter- und skrupellosen Gierhälsen muss das Handwerk gelegt werden.

    Oder glaubt wirklich jemand, dass diese Parasiten sich selbst den sprudelnden Geldhahn abdrehen.

    Perversion und Kriminelle aus der sogenannten Elite haben heute in DE Narrenfreiheit, - weil der bürger keine Zivilcourage mehr hat und sich wehrt!

  • Diese verdammten Politiker aller Parteien füllen sich und den bankern die Taschen, dem bürger wird schamlos alles genommen. Dabei verstoßen Sie auch bewußt gegen die Verfassung und mißachten bewußt ein Urteil des bundesverfassungsgerichts (http://www.swr.de/report/presse/-/id=1197424/nid=1197424/did=6917580/kky1q2/index.html). Das Volk sollte diese Verbrecher mit Gewalt wegfegen!

  • Aha. Wir lesen, daß die boni unabdingbar waren, um eine Abwanderung der Spitzenkräfte gen Amerika zu verhindern. Wenn es dieselben Spitzenkräfte waren, die derzeitige Situation der HRE mitzuverantworten haben, sollte man diese gerade NiCHT an einer Abwanderung hindern.
    Diese Zahlungen bleiben m.E. weiterhin nicht gerechtfertigt.

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