Debatte um Managervergütung
Kritik an „ziemlich ignoranten“ Top-Managern

Die Wirtschaft hat mit ihrem Protest gegen die geplanten härteren Regeln für die Managervergütung die Union gegen sich aufgebracht. Der CDU-Wirtschaftsrat forderte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), bei dem Thema hart zu bleiben. Auch die Grünen mahnten ein härteres Durchgreifen an. Den Widerstand der Manager wiesen sie als "ziemlich ignorant" zurück.

BERLIN/DÜSSELDORF. Vor allem müsse die geplante zweijährige Karenzzeit beim Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat dringend in das neue Gesetz, verlangte der Präsident des CDU-Wirtschaftsrats Kurt Lauk. „Der Wirtschaftsrat fordert mit Nachdruck, dass die Aufgaben der Unternehmensleitungen und deren Aufsicht konsequenter getrennt werden.“ Es sei wenig vertrauensbildend, wenn ehemalige Vorstände als Aufsichtsräte ihre eigenen früheren operativen Entscheidungen kontrollierten.

Der Wirtschaftsrat wies damit in ungewöhnlich klaren Worten einen Protestbrief von zwölf Aufsichtsratsvorsitzenden – darunter Gerhard Cromme (Thyssen-Krupp und Siemens), Ulrich Hartmann (Eon) und Manfred Schneider (Bayer, Linde und RWE) – gegen die Karenzzeit zurück. Die Aufsichtsratsvorsitzenden, die mehrheitlich selbst direkt aus dem Vorstand in das Kontrollgremium gewechselt sind, hatten geltend gemacht, dass die Erfahrung nicht verloren gehen sollte.

Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Christine Scheel, wies den Protest der Wirtschaft gegen die geplanten härteren Regeln für die Managervergütung ebenfalls zurück. "Die Unternehmenslenker halten sich eben nicht freiwillig an die Regeln für gute Unternehmensführung, zumindest nicht überwiegend", sagte Scheel am Dienstag im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Deshalb ist eine gesetzliche Regelung richtig, die für alle gilt."

Scheel kritisierte, dass beispielsweise kurzfristige Boni zu kurzfristigem Erfolgsdenken der Führungsebene führten, aber nicht im langfristigen Unternehmensinteresse seien. "Trotzdem waren 2008 über 40 Prozent der Vorstandsvergütungen in den Dax-30-Konzernen kurzfristig ausgerichtet", klagte die Grünen-Politikerin. Sie sieht daher den Gesetzgeber in der Pflicht, solche Entwicklungen zu unterbinden.

Wichtig ist aus Sicht Scheels auch "eine Abkühlphase zwischen Vorstand und Aufsichtsrat", damit der Aufsichtsrat unabhängig kontrollieren könne. Gleichwohl ist die Grünen-Politikerin der Überzeugung, dass bessere Regeln für gute Unternehmensführung, dem sogenannten Corporate-Governance-Kodex, nicht ohne Druck des Gesetzgebers erreicht werden können. Denn, so Scheel: "Die Erfahrung zeigt hier, dass die Empfehlungen des freiwilligen Unternehmensführungs-Kodex immer wieder umgangen wurden."

In einer Bundestagsanhörung gestern kritisierte dagegen der Vorsitzende der Corporate Governance Kommission, Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, die härteren Vorschriften und warb dafür, bei freiwilligen Grundsätzen zu bleiben. Der Industrieverband BDI wandte sich gegen jede Verschärfung. „Ich finde es schon erstaunlich, wie viele Leute aus der Wirtschaft noch immer meinen, dass man nichts verändern muss“, ärgerte sich CDU-Finanzexperte Otto Bernhardt. Am Freitag soll es vor der Bundestagsabstimmung eine letzte Koalitionsrunde geben. Weder bei SPD noch Union wurde mit einer Rücknahme der Gesetzespläne gerechnet.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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