Debatte um Multifunktionäre
Linkspartei-Abgeordneter hält Doppelrolle für legitim

Klaus Ernst, der als WASG-Mitglied für die Linkspartei im Bundestag sitzt und gleichzeitig IG-Metall-Bevollmächtigter in Schweinfurt ist, hat eine eigenwillige Sichtweise seiner Doppelrolle: Gewerkschaften seien keine Lobby, deswegen könne er guten Gewissens Parlamentarier und Funktionär sein.

HB BERLIN. „Ich setze mich innerhalb der Gewerkschaften für die Interessen der Arbeitnehmer, der Arbeitslosen, der Rentner ein. Das mache ich auch mit der WASG in der Linksfraktion im Bundestag“, sagte Ernst am Dienstag im Deutschlandradio Kultur.

Er verstehe Gewerkschaften „nicht als Lobby“. „Das ist schon der wesentliche Unterschied. Die Mehrheit der Bürger verdient ihr Geld nicht mit Aktienbesitz oder Arbeitgeberfunktionen, sondern indem sie abhängig beschäftigt ist. Die Leute, die sich für diese Gruppe stark macht, als Lobby zu bezeichnen, geht an der Realität vorbei“, sagte der Gewerkschafter. Lobbyisten seien für ihn Interessenvertreter von Minderheitsinteressen. Er vertrete die Mehrheit der Bevölkerung, und damit habe er gar kein Problem, betonte Ernst.

Die Doppelfunktion des CDU-Abgeordneten Reinhard Göhner, der zugleich Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgebervereinigungen (BDA) ist, hält Ernst dagegen für problematisch: „Es ist insofern anrüchig, weil es sich um Minderheiteninteressen handelt, die, wie sich jetzt herausstellt, zwar irgendwo bekannt sind, aber dem Bürger so nicht geläufig sind.“ Man müsse schon genau hinschauen, um welche Interessen es gehe und ob es Minderheiten oder Mehrheiten betreffe.

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