Debatte um seine Zukunft
Stoiber verbittet sich Abschiebung auf Ruhepöstchen

Gut fünf Monate vor dem geplanten Stabswechsel gibt es zwischen CSU-Chef Edmund Stoiber und seinem möglichen Erben Erwin Huber Knatsch: Stoiber ist sauer auf seinen einstigen Ziehsohn, weil der ihn auf den Posten des Chefs der parteinahen Hanns-Seidel-Stiftung setzen will. Das Pöstchen ist Stoiber ein wenig zu klein.

HB MÜNCHEN. Dem scheidenden Vollblutpolitiker, der seit seiner Rücktrittsankündigung Mitte Januar tatkräftiger denn je auftritt, missfiel die Idee offensichtlich so sehr, dass er Huber scharf zur Räson rief. „Dieser Eindruck von Kungeln und Posten verteilen ist nicht besonders vorteilhaft, weder für unsere Partei noch für Bewerber, die nach Höherem streben“, ließ Stoiber erklären.

Hubers Interviewäußerungen seien „nicht unbedingt die Champions League, in die die CSU gehört und wo sie auch weiter spielen muss“. An diesem Maßstab müssten sich „alle orientieren, die Verantwortung tragen oder übernehmen wollen“. Huber hatte am Vortag erklärt, er könne sich eine führende Position Stoibers bei der Stiftung sehr gut vorstellen, „damit all das, was bei ihm an Kraft und Ideen da ist, künftig auch seinen Nachfolgern zur Verfügung steht“. Wörtlich sprach Huber von einem „Austragstüberl“ für Stoiber - was selbst wohlmeinende Zeitgenossen kaum anders verstehen dürften als einen angenehmen Posten für Politrentner.

Stoibers Schelte war wohl auch die Retourkutsche für Wildbad Kreuth, wo Huber und Innenminister Günther Beckstein sich auf die Aufteilung von Stoibers Erbe geeinigt und den Regierungschef vor quasi vollendete Tatsachen gestellt hatten. Auch Beckstein hat sich bereits einen Rüffel seines Chefs eingehandelt, als er darüber sinnierte, ob Stoiber seine Rücktrittsankündigung vielleicht bereue.

Wohin es Stoiber aber in der Zukunft ziehen könnte, darüber macht man sich in der CSU schon Sorgen. Einige in der Parteiführung fürchten bereits eine „falsche Legendenbildung“. Die derzeitige Sympathie für Stoiber sei letztlich damit verbunden, dass er seinen Stuhl räume, wird betont. Verhindern will man in der CSU aber auf jeden Fall, dass Stoiber im Groll geht. Denn seine Anhängerschaft in der Partei ist groß, und Bruchlinien könnten den Verlust von Stimmen für die wichtigen Kommunal- und Landtagswahlen 2008 bedeuten.

Stoiber hält sich zu seinen persönlichen Zukunftsplänen bislang bedeckt. Ein Wechsel zur Hanns-Seidel-Stiftung macht als Spekulation seit längerem die Runde. Problem ist allerdings, dass der derzeitige Stiftungsvorsitzende, der ehemalige Kultusminister Hans Zehetmair, bis 2010 gewählt ist und bis dahin auch Chef von rund 270 Mitarbeitern bleiben will.

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