Dehoga-Geschäftsführerin Ingrid Hartges über das Urteil aus Karlsruhe zum Rauchverbot
„Diskussion ums Rauchen geht jetzt erst richtig los“

In kleinen Kneipen darf nach dem heutigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts zumindest vorerst wieder geraucht werden. Die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel-und Gaststättenverbandes (Dehoga), Ingrid Hartges, erklärt im Handelsblatt-Interview, warum die politische Debatte über ein komplettes Rauchverbot nun erst richtig losgehen wird.

Handelt es sich bei dem Karlsruher Urteil nicht um einen Pyrrhussieg für die Gastronomie?

Von einem Pyrrhussieg gehe ich gerade am heutigen Tag nicht aus. Das Bundesverfassungsgericht hat ja sehr sorgfältig alle Aspekte des Nichtraucherschutzes und der Berufsfreiheit von Gastronomen gewürdigt – und in erfreulicher Klarheit aufgezeigt, wie ein Nichtraucherschutzgesetz verfassungskonform gestaltet werden kann.

Allerdings halten die Richter auch ein Rauchverbot ohne jede Ausnahme für vereinbar mit dem Grundgesetz. Droht ein solches Verbot den Wirten nun ab 2010?

Das glaube ich nicht. Sonst hätte der Erste Senat doch nicht die einschlägigen Landesgesetze von Baden-Württemberg und Berlin als grundgesetzwidrig aufgehoben. Ich mache mir jedoch keine Illusionen: Die politische Diskussion über ein komplettes Rauchverbot in Hotels, Restaurants und Gaststätten wird jetzt erst richtig losgehen.

Wäre ein striktes Rauchverbot das Ende der deutschen Kneipenkultur?

Darüber möchte ich jetzt nicht spekulieren. Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass ein solches Verbot gerade für Einraumkneipen gravierende negative Folgen hätte. Ich werbe für eine Lösung mit Augenmaß – und befinde mich da in bester Gesellschaft mit dem Bundesverfassungsgericht. Aus meiner Sicht kommt es nun vor allem darauf an, das Karlsruher Urteil in allen Bundesländern – und nicht nur in Baden-Württemberg und Berlin – rasch umzusetzen. Derzeit gibt es in Deutschland in puncto Nichtraucherschutz ja einen geradezu absurden Flickenteppich unterschiedlichster Regelungen.

Erwarten Sie, dass Eckkneipenwirte Umsatz- und Gewinneinbußen, die mit dem Rauchverbot zusammenhängen, nun rasch wieder kompensieren können?

Die Einbußen bewegen sich bei vielen Einraumkneipen tatsächlich im zweistelligen Bereich. Sollte es rasch eine einheitliche Regelung in Deutschland geben, bin ich zuversichtlich, dass die Wirte sich bald wieder über ein deutlich besseres Geschäft freuen können.

Die Fragen stellte Michael Brackmann.

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