Delegierte missbilligen Vorstoß
Hück will „Rechte der Betriebsräte stärken“

Porsche-Betriebsratsvorsitzender Uwe Hück (41) will mit seiner angekündigten Kandidatur gegen Jürgen Peters als IG Metall-Chef „die Rechte der Betriebsräte innerhalb der IG Metall- Satzung stärken“. Hück sagte am Dienstag in einem dpa-Gespräch in Stuttgart: „Wir brauchen Strukturveränderungen in diese Richtung.“

HB/dpa STUTTGART. Wenn der Vorstand über Tarifpolitik entscheide, dann müsse künftig ein Gremium von Betriebsräten mehr mitentscheiden können oder sogar ein Vetorecht erhalten. Ob der 41-Jährige am Wochenende auf dem Gewerkschaftstag in Frankfurt/Main wirklich antritt, will er an diesem Mittwoch bekannt geben.

Unterdessen reagierte die Mehrheit der Stuttgarter Delegierten für den Gewerkschaftstag am Wochenende ablehnend auf Hücks Vorstoß. Nach einer Umfrage der Verwaltungsstelle Stuttgart stellen sich zwölf von 18 Delegierten gegen die von Hück - der zweifacher Europameister im Thai-Boxen ist - erwogene Kampfkandidatur. Der Rest war nach den Worten von Sprecher Manfred Dautel nicht erreichbar. Auf Unverständnis stoße, dass die Bewerbung weder mit der Bezirksleitung noch mit dem Ortsvorstand, dessen Mitglied Hück ist, abgesprochen worden sei. „Wir haben davon aus den Medien erfahren“, kritisierte Dautel. Der Südwesten schickt insgesamt 106 Delegierte zum Gewerkschaftstag. Auch der nordrhein-westfälische Bezirksleiter Peter Gasse erteilte Hück eine Absage. Dagegen erhielt der Stuttgarter Rückendeckung vom Konzernbetriebsratschef des Stahlriesen Thyssen Krupp, Thomas Schlenz.

Die Position Baden-Württembergs werde geschwächt, weil der Eindruck entstehen könne, der Bezirk wolle auf Biegen und Brechen zwei Spitzenkandidaten durchsetzen, meinte Dautel. Bezirksleiter Berthold Huber bewirbt sich bereits um den Stellvertreterposten. Die Gewerkschaft habe kein Problem mit mehreren Kandidaten, die Kritik richte sich auf die Art und Weise und den Zeitpunkt der Ankündigung Hücks.

In der Vergangenheit war die Führung der weltgrößten Industriegewerkschaft durch zwei Baden-Württemberger keine Seltenheit - so standen etwa Franz Steinkühler und Klaus Zwickel als erster und zweiter Vorsitzender an der Spitze, danach war Zwickel Chef und Walter Riester, ebenfalls ein Schwabe, sein Stellvertreter.

Nach den Worten Hücks entscheidet laut Satzung heute der Vorstand über die Tarifpolitik und den Streik. Künftig sollte es ein zweites Gremium aus Betriebsräten geben, das bei wichtigen Entscheidungen wie Tarifpolitik oder Streik ein Mitspracherecht habe. Der gelernte Lackierer verwies auf den verlorenen Streik im Osten Deutschlands: Als der Vorstand gemerkt habe, dass das schlecht laufe, habe er plötzlich die Betriebsräte zusammengerufen. Dagegen erinnerte Dautel daran, dass die mit Betriebsräten und Vertrauensleuten besetzten Großen Tarifkommissionen in den Bezirken die Tarifforderungen aufstellen und das Scheitern von Verhandlungen erklären. „Im Entscheidungsprozess sind die Betriebsräte voll eingebunden“, meinte Dautel.

Hück sagte, wenn Huber in Frankfurt gegen Peters kandidiere, werde er seine Bewerbung zurückziehen. Aber es sei für ihn klar, „dass der Berthold dies nicht macht“. Huber habe ihm abgeraten, zu kandidieren. „Eine Freundschaft muss das aushalten“, fügte Hück hinzu. Die Frage, ob er Huber nicht schade, weil er dann als zweiter Baden- Württemberger an die Spitze strebe, ließ der 41-Jährige offen. Der Betriebsratschef räumte ein: „Wenn der Erste gewählt wurde, dann drückt man den Delegierten nicht den Zweiten aufs Auge.“ Hück wollte am späten Dienstagnachmittag in Stuttgart mit Huber über seine Forderungen sprechen.

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