Demenzforschung

Bundestag verabschiedet Neuregelung

Für viele Betroffene und Angehörige ist die Demenz-Diagnose ein Schock. Die Zahl der Erkrankten nimmt in Deutschland zu. Die Forschung wird darum immer wichtiger. In Deutschland ist sie aber ein sensibles Thema.
An Demenzkranke kann künftig leichter geforscht werden. Den Betroffenen wird das selber nicht mehr helfen, anderen Menschen schon. Quelle: dpa
Demenz

An Demenzkranke kann künftig leichter geforscht werden. Den Betroffenen wird das selber nicht mehr helfen, anderen Menschen schon.

(Foto: dpa)

BerlinForschung an Demenzkranken wird künftig unter bestimmten Voraussetzungen erleichtert. Der Bundestag verabschiedete am Freitag eine Neuregelung des Arzneimittelrechts, die auch umstrittene Medikamententests an Demenzkranken enthält. In der namentlichen Abstimmung votierten am Freitag 357 der 542 teilnehmenden Abgeordneten mit ja und 164 mit nein. 21 Abgeordnete enthielten sich.
Derartige sogenannte gruppennützige Forschungen an Demenzkranken sollen in Deutschland künftig grundsätzlich möglich sein, auch wenn nur eine Gruppe von Patienten, nicht aber der betroffene davon einen eigenen Nutzen hat. Das war bisher in Deutschland verboten. Allerdings muss der Patient zuvor im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte und nach einer verpflichtenden ärztlichen Beratung schriftlich einwilligen.

Warum die Diagnose für uns wichtig ist
Angst vor Krankheit
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In einer von Millward Brown durchgeführten Umfrage im Auftrag von GE sind 10.000 Personen aus zehn Ländern befragt worden. Dabei ist herausgekommen, dass 74 Prozent der Menschen es wissen wollen, wenn sie an einer neurologischen Krankheit leiden – selbst, wenn keine Chance auf Heilung besteht. Die Gründe dafür sind vielfältig.

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Kein Kopfkino  
Rund 36 Prozent der Befragten geben an, dass eine Diagnose ihnen endlich Gewissheit über ihren Zustand geben würde. Das Kopfzerbrechen über eine mögliche Krankheit ist damit beendet. Die Ungewissheit ist vorbei, da der Befund vorliegt.

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Die verbleibende Zeit nutzen
Selbst wenn sie eine unheilbare neurologische Krankheit hätten, wäre es 36 Prozent der Umfrageteilnehmer wichtig den Befund zu kennen, damit sie ihre persönlichen Ziele so weit wie möglich noch erreichen können.

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Zeit mit der Familie genießen
48 Prozent der Befragten geben an, dass sie ihre Diagnose kennen wollen, damit sie mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen können. So können sie so viele gemeinsame Stunden wie möglich im Kreise ihrer Liebsten verbringen.

Testament
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Persönliche Dinge regeln
Egal, ob Testament oder Patientenverfügung: Rund 49 Prozent der Umfrageteilnehmer möchten die Zeit nutzen, um im Vorfeld ihre persönlichen und finanziellen Angelegenheiten selbst zu regeln.

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Die richtigen Entscheidungen treffen

Welche Behandlung passt zum Betroffenen? 62 Prozent der Befragten wollen ihre Diagnose kennen, damit sie ausreichend Zeit haben, sich über die Therapiemöglichkeiten ausführlich informieren zu können. So hoffen sie, eine qualifiziertere Entscheidung bezüglich ihrer Heilmethode zu treffen.

Rauchen
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Den Lebensstil ändern
Starker Raucher, Junk-Food-Liebhaber oder Sportmuffel: 66 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, dass sie eine Diagnose als Anlass nehmen würden, ihren Lebensstil zu ändern. So besteht außerdem die Chance, den Verlauf der Krankheit zu beeinflussen.

Über die Zulassung solcher Tests hatte der Bundestag bereits am Mittwoch ohne den sogenannten Fraktionszwang separat abgestimmt. Dabei traten erhebliche Bedenken zu Tage. In Deutschland leben 1,5 bis 1,6 Millionen Demenzkranke - Tendenz steigend. Die Erforschung der Erkrankung ist wichtig. Doch Forschung an nichteinwilligungsfähigen Menschen ist gerade in Deutschland ein sensibles Thema. Der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller äußerte sich sehr zurückhaltend. „Für uns ändert sich jetzt erstmal nichts. Das bleibt auch absehbar so“, hieß es bei dem Verband und: „Wir haben keine Ändeurngen des Arzeinmittelrechts gefordert.“
Mit dem Gesetz werden von der EU geforderte Anpassungen im Arzneimittelgesetz (AMG) vorgenommen. Nach den Worten von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) werden damit in Deutschland weit strengere Regelungen für gruppennützige klinische Prüfungen erlassen, als es die bereits erheblichen Voraussetzungen des europäischen Rechts vorgeben.

Gröhe erläuterte: „Hochwertige klinische Prüfungen sind eine Voraussetzung für einen schnellen und sicheren Zugang zu neuen Arzneimitteln.“ Daher sind auch gruppennützige klinische Prüfungen, an denen zum Beispiel ein Patient mit einer fortgeschrittenen Demenz teilnimmt, erforderlich, um etwa die Behandlung von Demenzkranken weiter zu verbessern. „Hierbei stehen der Wille und der Schutz des Einzelnen zu jedem Zeitpunkt an erster Stelle. Gleichzeitig müssen zu jedem Zeitpunkt die hohen Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden.“
Die Neuregelung soll es zudem ermöglichen, schärfer gegen Arzneimittelfälschungen vorzugehen. „Es wird klargestellt, dass ein begründeter Verdacht auf Arzneimittelfälschungen ein Grund für einen möglichen Arzneimittelrückruf der Bundesoberbehörden ist“, erläuterte das Gesundheitsministerium.

Deutschland gehört nach den Worten der Linken-Abgeordneten Birgit Wöllert zu den Spitzenreitern bei Klinischen Studien. Die Grünen-Abgeordnete Kordula Schulz-Asche kritisierte, dass Ärzte trotz erheblicher Kritik immer noch durch sogenannte Anwendungsbeobachtungen, bei denen Wirkungen von Arzneimitteln in der Praxis beobachtet werden, massiv Geld verdienen können. Kritiker sagen, das sei legale Korruption.

  • dpa
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