Demografie
Die Zeitbombe tickt immer lauter

Mehr Rentner, weniger Erwerbsfähige, kaum Nachwuchs – das Statistische Bundesamt zeichnet eine schwierige Zukunft für Deutschland. Abgesehen von den Herstellern von Produkten für Senioren dürften sich die Deutschen über die Bevölkerungsentwicklung wenig freuen.
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BERLIN. Die Betreiber von Altenheimen und Hersteller von Treppenliften können sich über die Berechnungen des Statistischen Bundesamtes freuen: Die deutsche Bevölkerung wird immer älter. 2060 wird es fast so viele über 80-Jährige geben wie unter 20-Jährige. Über ein Drittel der Bevölkerung wird 65 Jahre und älter sein, heute liegt dieser Anteil bei 20 Prozent.

Außer den Herstellern von Produkten für Senioren dürften sich die Deutschen über die Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland wenig freuen. Besonders die Belastung der Arbeitnehmer durch die Rentenzahlungen wird weiter zunehmen.

Der Anteil der Deutschen im erwerbsfähigen Alter wird von aktuell 61 Prozent auf gerade einmal 50 Prozent im Jahr 2060 zurückgehen. Der sogenannte Altenquotient, also das Verhältnis der Personen im Rentenalter zu 100 Personen im erwerbsfähigen Alter, wird steigen. Aktuell kommen auf 100 Personen im Erwerbsalter 34 Rentner. Im Jahr 2060 werden auf 100 potenziell Erwerbstätige fast doppelt so viele Rentner kommen, nämlich 56 bis 59. Die eine Hälfte der Bevölkerung, die Erbwerbsfähigen, muss zukünftig die andere Hälfte der Bevölkerung – Jugendliche, Kinder und Rentner – mit ihren Einkommen unterstützen.

Gegen diese Überlastung hilft auch die geplante Rente mit 67 wenig. Zwar wäre der Altenquotient mit früherem Renteneintrittsalter noch höher, in absoluten Zahlen betrachtet macht die Erhöhung des Renteneintrittalters allerdings wenig aus. „Eine Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre bedeutet für das Jahr 2060 eine um maximal zwei Millionen höhere Bevölkerung im Erwerbsalter“, sagt Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes. Laut den Berechnungen müsste das Rentenalter auf Mitte 70 hochgesetzt werden, damit ein annähernd ähnliches Verhältnis von Rentnern zu Erwerbsfähigen besteht wie heute.

Auch Arbeitgeber werden Probleme haben. Der Wettbewerb, gerade um junge Arbeitskräfte, wird steigen. „Eine besonders einschneidende Veränderung der Altersstruktur erwartet die deutsche Wirtschaft zum ersten Mal bereits in zehn Jahren, zwischen 2017 und 2024“, so Egeler. In diesem Zeitraum werde die Gruppe der Menschen im erwerbsfähigen Alter jeweils zu 40 Prozent aus 30- bis unter 50-Jährigen und aus 50- bis 65-Jährigen bestehen. Zur Zeit gehören noch fast die Hälfte der Erwerbsfähigen zu den 30- bis unter 50-Jährigen und weniger als ein Drittel zu den 50- bis unter 65-Jährigen.

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