Demografie-Experte
„Wir müssen bis 75 arbeiten“

Die deutschen Politiker haben sich den Kampf gegen den Kinderschwund in Deutschland auf die Fahnen geschrieben. Doch einer der führenden Bevölkerungswissenschaftler glaubt nicht mehr daran, dass sich die niedrige Geburtenrate hierzulande wieder deutlich verbessern wird. Daraus ergäbe sich eine schwerwiegende Konsequenz für alle Berufstätigen.

HB BERLIN. Die niedrige Geburtenrate werde dazu führen, dass die Menschen in Deutschland in rund 40 Jahren sogar bis 75 arbeiten müssten, um das Verhältnis von Arbeitenden und Rentnern zu halten, sagte Herwig Birg der "Wirtschaftswoche". Auch Zuwanderung werde in Deutschland nicht verhindern, dass der Anteil der arbeitenden Bevölkerung immer geringer wird. „Das Problem ist, dass die Zugewanderten nicht automatisch erwerbstätig sind. Überwiegend verrichten sie nur einfache Tätigkeiten. Und die Kinder der Zugewanderten schaffen zu 60 Prozent nur einen Hauptschul- oder gar keinen Abschluss, nur vier Prozent gehen auf Hochschulen.“

Wolle Deutschland das Verhältnis von Rentnern und Arbeitnehmern stabil halten, bliebe nichts anderes übrig, als die Lebensarbeitszeit erheblich zu verlängern. „Dazu müsste der Ruhestandsbeginn bis zur Jahrhundertmitte schrittweise auf 75 Jahre angehoben werden. Dann würde die Altenlast für die aktive Bevölkerung in etwa konstant bleiben.“

„Wir wären nicht die erste Hochkultur, die sich auflöst", sagte Birg. „Die griechische ging an der Demografie zu Grunde, die römische ebenfalls. Warum soll es uns besser ergehen?“ Selbst Frankreich, dass erheblich mehr für Familien tue und Reformen bereits umgesetzt hat, über die in Deutschland noch diskutiert werde, habe keine wirklich hohe Geburtenrate erreicht. „Die Franzosen haben das, wovon wir erst reden, schon lange umgesetzt. Dennoch hat die nicht zugewanderte Französin heute im Schnitt nur 1,7 Kinder – zu wenig, um den Bestand zu halten.“

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