Demographie
Kinderfreundliche Großstädter

Von wegen, in der Großstadt bleiben die Paare kinderlos – eine neue Studie hat ergeben, dass junge Frauen lieber ein Familienleben in der Stadt als in einem Vorort wollen. An der Spitze liegen zwei Städte, denen bislang ein ganz anderer Ruf vorauseilte.

HB FRANKFURT/WIESBADEN. Ausgerechnet die Beamtenstadt Wiesbaden und die Single-Hochburg Frankfurt gelten plötzlich als die geburtenfreudigsten Großstädte Deutschlands. Bei der hessischen Landeshauptstadt dachten viele bislang eher an Rentner oder Kur und bei der hektischen Bankenstadt eher an Kriminalität als an Familienfreundlichkeit. Auch der „Familienatlas 2005“ des Bundesfamilienministeriums und der Prognos AG stuft die beiden Städte noch als Orte ein, in denen sich junge Menschen ausbilden lassen, ihre Familien aber meist woanders gründen. Als Hauptursache der für Viele überraschenden Geburtenfreudigkeit der Großstädter nennen Fachleute die Wirtschaftskraft der Region.

Die Geburten-Hitliste der 50 größten Städte Deutschlands für das Jahr 2005 geht auf eine Umfrage des Hamburger Männermagazins „Men's Health“ in den Kommunen zurück. Danach hat Wiesbaden mit 10,46 Kindern pro 1 000 Einwohner die Nase vorn, gefolgt von Frankfurt mit 10,22 und Bonn (10,12). Am Ende rangieren Magdeburg (6,91) und Chemnitz (7,2), Mülheim/Ruhr (7,52) und Gelsenkirchen (7,55). Die Standesämter in Frankfurt und Wiesbaden wollten diese Zahlen jedoch nicht bestätigen, weil noch nicht alle Geburten beurkundet seien. In Frankfurt kamen 2004 nach Angaben des Statistischen Landesamtes 10,5 Geburten auf 1 000 Einwohner – 0,9 mehr als 2 000 und 2,0 mehr als im Bundesdurchschnitt. In Wiesbaden erblickten in beiden Jahren 10,2 Babys je 1 000 Einwohner das Licht der Welt.

Trendforscher Matthias Horx, der von einem Anstieg der Geburtenrate in Deutschland in den nächsten Jahren ausgeht, meint, gerade viele junge Frauen wollten lieber ein Familienleben in der Stadt als in einem Vorort. Sie bevorzugten eine Lebensweise, bei der sie ihr „studentisch geprägtes Leben, ihre Cliquen und sozialen Netzwerke auch nach der Familiengründung weiter leben können. In diesen kinderreichen urbanen Milieus kann man die Kinder einfach ins Café, in den Buchladen, zunehmend auch mal ins Büro mitnehmen.“

Ausschlaggebend ist nicht nur die ökonomische Anziehungskraft der Rhein-Main-Region. Es gebe einen generellen Trend, in die Städte zu ziehen, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychologen Hessen, Hans Bauer aus Wiesbaden. Viele junge Leute suchten zudem wieder stärker nach einer Sinnhaftigkeit in ihrem Leben und entschieden sich daher eher für Kinder.

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