Demoskopen
TV-Duell: Knappe Umfragen steigern Spannung

Die nach neuen Umfragen unsichere Mehrheit für eine schwarz-gelbe Bundesregierung steigert die Spannung vor dem „TV- Duell“ zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer Frank-Walter Steinmeier (SPD). Demoskopen und die Sender gehen davon aus, dass noch unentschlossene Wähler ihr Votum bei der Bundestagswahl am 27. September vom Verlauf der Debatte am Sonntagabend (Beginn 20.30 Uhr) abhängig machen könnten.

HB BERLIN. Nach Ansicht des Medienberaters Michael Spreng ist die von ARD, ZDF, RTL und SAT.1 übertragene Sendung für Steinmeier die letzte Möglichkeit, den Trend zugunsten der SPD zu wenden. FDP-Chef Westerwelle verlangte die Absetzung des Redewettstreits.

Nach Aussage von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender werden bei der 90-Minuten-Sendung bis zu 20 Mio. Zuschauer erwartet. Es soll versucht werden, die Unterschiede zwischen Merkel und Steinmeier herauszuarbeiten. Die Frage laute: „Wo gibt es Auseinandersetzungen in der Führung der Demokratie, die bisher nicht so deutlich geworden sind?“, sagte Brender am Freitag in Berlin. Themen sollen unter anderem die Bewältigung der Wirtschaftskrise, die Lage auf dem Arbeitsmarkt, die Steuerpolitik, der Klimaschutz sowie die Bildungs- und Außenpolitik sein. Duell kann Wechselwähler beeinflussen Die Sendung wird von Maybrit Illner (ZDF), Frank Plasberg (ARD), Peter Kloeppel (RTL) und Peter Limbourg (SAT.1) moderiert. Kloeppel meinte, die „Superperformance“ eines der beiden Politikern wäre schon geeignet, Wähler ins eine oder andere Lager rüberzuziehen. Davon waren in den vergangenen Tagen auch verschiedene Demoskopen wie die von der Forschungsgruppe Wahlen ausgegangen. Nach deren neuester Umfrage haben Union und FDP zuletzt mit 36 und 14 Prozent Zustimmung leichte Einbußen in der Sonntagsfrage hinnehmen müssen, kämen aber immer noch gegenüber der SPD, den Grüne und der Linken auf eine ausreichende Mehrheit. Laut ZDF-Politbarometer verharren die Sozialdemokraten weiter auf 23 Prozent. Die Abstände sind aber in den vergangenen Wochen in jedem Fall leicht geschrumpft.

Spreng maß dem TV-Duell insbesondere für Steinmeier eine enorm wichtige Bedeutung zu. „Das ist Steinmeiers letzte Chance“, sagte Spreng in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Dazu müsste Steinmeier aber angreifen und versuchen, Frau Merkel seine Themen aufzuzwingen. Er müsste eine Formel finden, mit der er diesen Vermeidungs-Wahlkampf von Frau Merkel entlarvt.“ Steinmeier sei nach seiner Einschätzung aber kein guter Wahlkämpfer.

SAT.1-Chefredakteur Limbourg rechnet aber dennoch mit einer spannenden Auseinandersetzung. „Ich gehe schon davon aus, dass sie schon ihre Punkte herausarbeiten.“ Plasberg meinte unter Hinweis auf den bislang eher ruhig verlaufenen Wahlkampf in Richtung der Kandidaten: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“. Sender weisen Westerwelles Kritik zurück

Westerwelle, der bei diesem insgesamt vierten TV-Duell von Spitzenkandidaten in der deutschen Fernsehgeschichte wieder nicht eingeladen worden war, sah die Sendung als rechtswidrig an. „Das TV- Duell am Sonntag darf so nicht stattfinden“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ (Freitag). „Es muss in eine Sendung mit allen Spitzenkandidaten umgewidmet werden. Das würde dem Geist unserer Verfassung und dem Prinzip der Gleichbehandlung entsprechen.“

ARD-Chefredakteur Thomas Baumann wies dies zurück. Es müsse den Sendern schon erlaubt sein, sich einmal in vielen Wahlkampfsendungen auf die Kanzlerin und ihren Herausforderer zu konzentrieren. Limbourg meinte: „Es sind nun einmal die Kanzlerkandidaten.“ Laut Baumann ist nach wie vor möglich, dass Merkel an einer ARD-Runde aller Spitzenkandidaten am 21. September teilnimmt. Es gebe hier bislang keine Zusage Merkels, aber auch keine Absage. Brender bedauerte, dass Merkel zu einer entsprechenden Sendung im ZDF hingegen keine Zeit finde.

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