Demoskopie
SPD stürzt in Umfrage auf 20 Prozent ab

Die SPD ist in der Wählergunst auf den schlechtesten Wert seit August 2008 abgestürzt – auf nur noch 20 Prozent. Doch für Parteichef Franz Müntefering zeichnet die Umfrage "kein realistisches Bild" von der aktuelle Stimmungslage in der Bevölkerung.

HB HAMBURG. "Wenn vom 27. bis 31. Juli Bundestagswahl gewesen wäre, hätte laut Forsa Schwarz-Gelb eine Mehrheit von 51 Prozent gehabt. Mag sein. Andere haben deutlich andere Zahlen", sagte Müntefering am Mittwoch der Deutschen-Presse- Agentur. Nun habe aber der Wahlkampf begonnen. "Die Temperatur steigt. Die Stimmung für die SPD auch", zeigte sich Müntefering überzeugt. Bis zum 27. September gebe es noch "53 Tage, die es in sich haben".

Laut der jüngsten Forsa-Umfrage ist die SPD in der Wählergunst mit nur noch 20 Prozent auf den schlechtesten Wert in diesem Jahr abgestürzt. So schlecht schnitt die SPD in der wöchentlichen Umfrage für das Magazins "Stern" und den Fernsehsender RTL zuletzt im August 2008 ab, kurz vor dem Sturz des damaligen Parteichefs Kurt Beck.

Zugleich vergrößerte sich der Rückstand der SPD zur Union: Zwar fielen CDU/CSU um einen Punkt auf 37 Prozent. Doch mit nunmehr 17 Punkten ist der Abstand zwischen den beiden Volksparteien so groß wie noch nie in diesem Jahr. Die kleinen Parteien profitierten von den Verlusten der großen: Die FDP stieg um einen Punkt auf 14 Prozent. Auch die Grünen gewannen einen Punkt, sie kletterten auf 13 Prozent. Die Linke verbesserte sich um zwei Punkte auf elf Prozent. Für "sonstige Parteien" würden wie in den Wochen zuvor 5 Prozent der Wähler stimmen. Der Vorsprung von Union und FDP ist trotz der Verschiebungen unverändert geblieben: Gemeinsam kommen sie erneut auf 51 Prozent und liegen damit zum zweiten Mal in Folge sieben Punkte vor SPD, Grünen und Linkspartei (zusammen 44 Prozent).

Schuld am neuerlichen Umfrage-Desaster der SPD ist die Frage, ob es korrekt war, dass die Sozialdemokratin Schmidt ihren Dienstwagen samt Chauffeur in ihren Spanienurlaub mitnahm. Auf dem Höhepunkt der Affäre, am vergangenen Mittwoch, erreichte die SPD im Tageswert sogar nur eine Zustimmung von 16 Prozent. Manfred Güllner, Chef des Forsa-Instituts, sagte "Stern.de": "Die Affäre hat alles aufgewühlt, was an Vorbehalten gegenüber der SPD schon da war: Unfähigkeit, weit weg von den Leuten, selbst die Gesundheitsreform war plötzlich wieder ein Thema und wurde negativ gesehen. Was wir bei solchen Irritationen verzeichnen, ist eine Wählerwanderung: Menschen, die eigentlich gewillt sind, SPD zu wählen, wechseln ins Lager der Unentschlossenen."

Dass SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier schließlich entschied, die Gesundheitsministerin vorerst nicht in sein Kompetenzteam aufzunehmen, halten zwar knapp zwei Drittel der Deutschen (65 Prozent) für richtig. In das Team selbst setzen sie allerdings nur sehr geringe Hoffnungen: Gerade einmal 14 Prozent der Bürger glauben, dass die SPD mit diesem Schattenkabinett aus ihrem Tief kommt.

Forsa hatte vom 27. bis 31 Juli rund 2.500 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger befragt.

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