Den neuen SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter hatte keiner auf der Rechnung
Benni, der brave Bürgerschreck

Er ist ein alter Kumpel des Kanzlers aus Juso-Tagen und schlägt dem Regierungschef beim gelegentlichen Tennis-Match auch heute noch die Bälle um die Ohren. Doch das weiß kaum jemand, denn um Klaus Uwe Benneter war es in den vergangenen Jahren still geworden. Umso größer fiel deshalb die Überraschung aus, als am Wochenende die Berufung des Berliner Bundestagsabgeordneten zum neuen SPD-Generalsekretär bekannt wurde.

BERLIN. Auch ohne das neue Amt könnte der 56-jährige Rechtsanwalt und Notar bereits auf ein bewegtes politisches Leben zurückblicken. Bundesweit bekannt wurde „Benni“, wie der in Karlsruhe geborene Politiker bis heute in Genossenkreisen genannt wird, als radikaler Juso-Vorsitzender und Verfechter eines stramm linken „staatsmonopolistischen Kapitalismus“. Seine wilden Stamokap- Thesen begründeten in den siebziger Jahren nicht nur den Ruf als „Bürgerschreck“, wenngleich dieses Image damals leichter zu erwerben war als heute. Benneters provozierende Nähe zum kommunistischen Gedankengut führte 1977 auch zum spektakulären Parteiausschluss – wenige Monate nach seiner Wahl zum Juso-Vorsitzenden. Erst 1983 wurde er wieder in die SPD aufgenommen: auf Drängen und mit Unterstützung von Gerhard Schröder.

Befürworter des Rauswurfs übrigens war der damalige SPD-Bundesgeschäftsführer Karl Egon Bahr. Heute, 27 Jahre später, folgt Benneter seinem damaligen Widersacher Bahr im Parteiamt nach – Ironie des Schicksals. Benneters neue Aufgabe: Die Welle der Parteiaustritte stoppen und die SPD auf jene 14 Wahlgänge vorbereiten, die im Laufe des Jahres zu bestehen sind.

An seine politischen Jugendsünden wird Benneter nur ungerne erinnert. Im Stillen hält er heute wohl vieles für Unsinn, was damals mit Verve vertreten wurde. Inzwischen zählt er sich zu den Modernisierern im Spektrum der Sozialdemokratie. Den Reformkurs des Kanzlers („Wir haben schon immer auf gleicher Wellenlänge agiert“) hat der künftige Generalsekretär stets unterstützt – aus Überzeugung und lange bevor er überhaupt an einen Ruf ins Willy-Brandt-Haus denken konnte. Inzwischen aber muss Benneter mit Sorge feststellen, dass viele Bürger „nur noch mit Verachtung über die Regierung“ sprechen.

Parteiinterne Kritiker wie den SPD-Linken Ottmar Schreiner mag er der alten Zeiten willen zwar persönlich. Aber wenn er „den Ottmar so reden höre“, seufzte Benneter noch vor wenigen Monaten, „dann fühle ich mich 25 Jahre zurückversetzt“. Politik- oder gar Juso-Romantik ist seine Sache nicht, wie bereits die Homepage des SPD-Bundestagsabgeordneten zeigt: „Wer nur von alten Zeiten träumt,“ so ist dort nachzulesen, „wird keine besseren erleben.“

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