Dena-Chef Stephan Kohler
„Ich sehe 16 Energiewenden in Deutschland“

Statt gemeinsam koordiniert vorzugehen, braut jedes Bundesland sein eigenes Süppchen. Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur, fordert ein Gesamtkonzept - und die Abgabe von Kompetenzen.
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Herr Kohler, Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft in dieser Woche die Ministerpräsidenten, um sie auf die Ziele der Energiewende einzuschwören. Sind die Regierungschefs der Länder denn noch nicht auf Kurs?
Im Moment sehe ich 16 verschiedene Energiewenden in Deutschland, weil jedes Bundesland seine eigenen, mitunter sehr ambitionierten Ziele verfolgt. Das geht so nicht weiter. Wir brauchen ein koordiniertes Vorgehen. Daher ist ein Treffen der Länderchefs mit der Kanzlerin dringend erforderlich.

Was spricht gegen ehrgeizige Ziele in den Bundesländern beim Ausbau der erneuerbaren Energien?

Wir stoßen an Grenzen. Nehmen Sie ein Land wie Schleswig-Holstein. Politisches Ziel dort ist es, bis 2020 Windräder an Land mit einer Leistung von 13 000 Megawatt (MW) installiert zu haben. In der Spitze werden in dem Land selbst aber nicht mehr als 2000 MW verbraucht. Der Strom muss also abtransportiert werden. Schleswig-Holstein kann seine Pläne nur umsetzen, wenn gewährleistet ist, dass der Strom auch abtransportiert werden kann. Das ist aber aus heutiger Sicht nicht sichergestellt. Die Erneuerbaren müssen daher in ein Gesamtkonzept integriert werden.

Wo sind die Grenzen des Ausbaus der erneuerbaren Energien?

Wir brauchen objektive energiepolitische Parameter, auf deren Basis wir den Ausbau steuern. Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss an den Ausbau der Infrastruktur angepasst werden. Wenn wir in Zukunft immer häufiger Situationen erleben, in denen der Strom aus Wind oder Sonne nicht mehr in die Netze eingespeist werden kann, weil deren Kapazitäten nicht mehr ausreichen, sinkt die Akzeptanz für die Erneuerbaren in der Bevölkerung. Das müssen wir auf jeden Fall vermeiden. Wenn wir nicht mehr das gesamte System im Blick haben, nicht nur national, sondern auch europäisch, machen wir uns zu Totengräbern der Energiewende.

Diese Erkenntnis dürfte auch den Ministerpräsidenten zu vermitteln sein…

Da habe ich manchmal meine Zweifel. Für mich ist beispielsweise völlig unverständlich, dass die thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht die wichtige Stromtrasse durch den Thüringer Wald wieder in Frage stellt. Sie begründet das mit dem Hinweis, in Süddeutschland entstünden ja mittelfristig ausreichend Stromerzeugungskapazitäten, da sei es nicht mehr erforderlich, den Strom von Nord nach Süd zu transportieren. Dahinter steckt die Überlegung, es könne Energieautarkie in den einzelnen Bundesländern geben. Das ist ein Irrweg. Energiewirtschaftlich sinnvoll kann nur der Verbund der Länder sein, eingebunden in einen europäischen Strommarkt. 

Kommentare zu " Dena-Chef Stephan Kohler: „Ich sehe 16 Energiewenden in Deutschland“"

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  • Ich glaube, es sit Zeit, dass wir nicht nur Stromleitungen erneuern, sodnern vor allem Politiker.
    Deutschland wird offenbar nur noch von Laiendartellern und Dilettanten regiert.
    So was ist auf Sicht gefährlich, denn so etwas bringt dann meist einen starken Mann hervor.
    Hatten wir doch alles schon mal

  • Wenn sich die Bundesregierung in Länderregierungen auflöst, brauchen wir sie dann noch? Brauchen wir dann noch einen Umweltminister?

    Ist Altmaier schon ein Auslaufmodell bevor er im Amt ist?

    Mal wieder eine gute Arbeit der Lobbyverbände. Wie hoch ist die Spende und an wen geht sie?

    Langsam müssen wir eine Diskussion über die Effizienz führen. Ist es effzienter viele Wahlbürger Parteien wählen zu lassen oder es ist effizienter, die "richtigen" mit den "richtigen" Mitteln zu bearbeiten.

  • ...und nicht zu vergessen die ganzen Lehrer und Juristen (die immer alles besser wissen wollen).

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