Auf Steinbrück warten schwere Wochen. Wenigstens kann sich der Finanzminister auf den Rückhalt der Bundeskanzlerin verlassen. Angela Merkel ist zwar auch alles andere als begeistert gewesen über den öffentlich geführten Haushaltsstreit. Doch in der Sache steht sie „voll und ganz“ hinter dem Finanzminister, heißt es.
Nur deshalb pokert Steinbrück im Haushaltsstreit so hoch. Konflikte zwischen Finanzministern und Regierungschefs gab es immer wieder. Einige Minister schmollten frustriert, andere zogen die Notbremse und traten gar zurück. So zum Beispiel Alexander Möller, der 1971 an den wachsenden Begehrlichkeiten und mangelnder Unterstützung durch Kanzler Willy Brandt scheiterte. Möllers Nachfolger, Ökonomieprofessor Karl Schiller, schmiss hin, weil er keine Politik nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“ mittragen wollte. Auf dieser Liste möchte Peer Steinbrück seinen Namen nicht stehen sehen.
Zudem klebt er nach eigener Aussage nicht an seinem Ministeramt wie andere Politiker vor ihm, sagt Steinbrück selbst. Doch genauso wenig will Steinbrück als gescheiterter Finanzminister sein Amt verlassen.
Im Grunde treibt Steinbrück vor allem die Angst vor einer Niederlage. Dass er nicht gerne verliert, hat schon sein jüngerer Bruder Birger ausgeplaudert: „Peer wollte unbedingt immer gewinnen.“
So ist es auch jetzt. Die Niederlage bei der Landtagswahl 2005 in Nordrhein-Westfalen steckt Steinbrück immer noch schmerzlich in den Knochen. Vor allem ärgert es ihn, dass man selbst in Unionskreisen noch darüber flachst, wie Steinbrück gegen den CDU-Mann Jürgen Rüttgers verlieren konnte. Nichts sei furchtbarer, als wenn einer nicht mit Anstand verlieren kann, hat Steinbrück selbst einmal zugegeben.
Als abschreckendes Beispiel hat er vor allem seinen Vorgänger Hans Eichel im Auge, der sich vom Kanzler Gerhard Schröder die Hoheit über den Bundeshaushalt entziehen ließ („Lass mal, Hans“) und keinen Widerstand leistete. Doch Steinbrück ist nicht Eichel. Er sammelt keine Sparschweine. In seinem Büro stehen keine kleinen Tiere, bei Steinbrück stehen Rhinozerosse.
In der SPD vermutet man gar, dass Steinbrück den Haushaltsstreit nur deshalb so medienwirksam führt, um sich als möglicher Kanzlerkandidat zu empfehlen. Doch der Schachspieler Steinbrück ist schlau genug, um zu wissen, dass er 2009 gegen Merkel keine Chance hätte. Ganz zu schweigen von der mangelnden Popularität in der eigenen Partei.
Was ihn nicht davon abhalten wird, immer wieder die martialische Politgeste zu suchen. In Steinbrücks Büro steht auch eine Skulptur: der dritte Band von Karl Marx' „Das Kapital“, der gerade von einem Wiegemesser durchtrennt wird.
Der Name des Künstlers? Peer Steinbrück.

