Der ewige Wowereit
Arm, aber gar nicht mehr sexy

Die SPD ist zufrieden, die CDU auch und Klaus Wowereit sowieso: Zwei Parteitage machen heute den Weg für seine vierte Amtszeit frei. Doch was gut für Wowi ist, ist noch lange nicht gut für Berlin.
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Klaus Wowereit ist ein Freund flotter Sprüche. „Das Werk ist vollbracht“, frohlockte Berlins Regierender Bürgermeister, als nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon die Koalitionsvereinbarung für sein rot-schwarzes Regierungsbündnis endlich feststand. Dass sich sein Koalitionspartner Frank Henkel von der CDU der Euphorie nicht anschließen wollte und ganz unpathetisch von einem „guten Ergebnis für beide Parteien“ sprach, kümmerte Wowereit wenig. Und so legte er vor der Hauptstadtpresse gleich noch einmal nach: „Wir wollen, dass Berlin reicher wird und sexy bleibt.“

„Arm aber sexy“ – mit dieser legendären Formulierung hatte Wowereit einst die Hauptstadt charakterisiert – und dem Kult um das hippe, lässige und immer fröhliche Berlin ein sprachliches Denkmal gesetzt. 2003 war das, und damals hatte Wowereit die Schmunzler auf seiner Seite – nicht zuletzt weil man ihm wohlwollend unterstellte, dass Einsicht der erste Schritt zur Besserung ist.

Acht Jahre sind seither vergangen. Eine Menge Zeit, die der Regierende Bürgermeister hätte nutzen können, um etwas an der wirtschaftliche Misere der Hauptstadt zu ändern. Aus seiner Sicht hat er das auch getan: „Wir sind stolz auf das, was seit der Wiedervereinigung gelungen ist“, heißt es in der Koalitionsvereinbarung, die heute bei zwei Sonderparteitagen von der Basis von SPD und CDU abgenickt werden soll. „Die Wirtschaft wächst. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse steigt“, klopft sich Wowereit in dem 98-seitigen Dokument selbstgefällig auf die Schulter.

Wahr ist aber auch: Mit einer Arbeitslosenquote von 12,5 Prozent ist Berlin noch immer trauriger Rekordhalter unter den deutschen Ländern. Bundesweit liegt die Quote bei gerade einmal 6,5 Prozent. In keiner deutschen Stadt ist das Armutsrisiko größer als in Berlin, knapp 20 Prozent der Hauptstädter sind auf staatliche Transferleistungen wie das Arbeitslosengeld II oder die Grundsicherung im Alter angewiesen. Und der Berliner Haushalt ist trotz immer wieder verkündeter Sparanstrengungen weit davon entfernt, ausgeglichen zu sein. Hinzu kommt der riesige Schuldenberg, den das Land aufgetürmt hat. Mehr als 18 000 Euro Schulden werden am Ende des Jahres auf jeden Berliner entfallen – im Bundesdurchschnitt sind es weniger als 7000 Euro.

Kommentare zu " Der ewige Wowereit: Arm, aber gar nicht mehr sexy"

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  • Und ich dachte immer die Politiker setzten sich nur für die Bürger bzw. Länder komplett ein und wenden jeden Schaden ab. Wieder habe ich mich getäuscht. Von den Politikern kann man nur das Schlechteste erwarten. Ich denke da an die Wasserverträge für Berlin. Teil der Gewinne auf die Privatkonten der Politiker???

  • Äh? Da hat aber der Schäferhund von meinem Nachbarn mehr.

  • Die durchschnittlichen Kosten von 26,8 Millionen Euro pro Autobahnkilometer zuzüglich Bunga-Bunga-Verschwendung betragen in Berlin schlappe 130 Millionen Euro.
    Da hätte die Kühnast für eine Bunga-Bunga-Schönheitsoperation mitmachen sollen.

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