Der Fall Amri
Vertuschungsversuch der Polizei – was bislang bekannt ist

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Wie es weitergeht

Was könnte zu der Manipulation geführt haben?

Nach dem Anschlag könnte es den für Amri zuständigen Staatsschützern mulmig geworden sein. Womöglich wollte jemand die Akte so gestalten, dass er im Nachhinein fehlerfrei dastand.

Das ist umso wahrscheinlicher, weil zu dieser Zeit schon hart über andere Fehler diskutiert und geurteilt wurde. Zum Beispiel darüber, dass die Berliner Kriminalpolizei die Observation Amris Mitte Juni 2016 beendet hatte - und nicht wieder aufnahm, obwohl sich der Tunesier konspirativ verhielt und häufiger radikale Islamisten traf.

Haben die Polizisten tatsächlich einen Fehler gemacht, indem sie Amri - mit dem damaligen Wissen – wegen Drogengeschäften nicht festnahmen?

Das ist umstritten. In Großstädten wie Berlin laufen zahlreiche Dealer frei herum. Oft gehe es darum, an die Hintermänner zu kommen, sagt Benjamin Jendro von der Berliner Gewerkschaft der Polizei. Außerdem habe es keine Garantie gegeben, dass ein Gericht auch tatsächlich einen Haftbefehl ausgesprochen hätte. In ähnlichen Fällen sei das nicht immer passiert.

Brisant ist in diesem Fall allerdings, dass Amri als potenzieller Islamist beobachtet wurde. Zwar erschien er der Polizei im Herbst 2016 nicht mehr als allzu gefährlich. Doch eine Verhaftung als Drogenhändler und eine Abschiebung nach Tunesien wäre auch mit damaligem Wissen eine elegante Lösung gewesen, ihn loszuwerden.

Hätte sich der Anschlag so verhindern lassen?

Im November 2016 wusste niemand, was am 19. Dezember folgen würde. Jendro ist sicher: „Den Anschlag auf dem Breitscheidplatz hätten wir mit einer Festnahme nicht einhundertprozentig verhindern können.“ Es ist nicht auszuschließen, dass Amri nach einigen Wochen Untersuchungshaft wieder freigekommen wäre – und seine Pläne weiter verfolgt hätte.

Wie geht es jetzt weiter?

Aus Nordrhein-Westfalen, wo am Donnerstag ein Untersuchungsausschuss zu Amri vorerst zu Ende ging, kommt die Forderung nach einem Untersuchungsausschuss im Bundestag. Auch in NRW wird der Ausschuss nach der Konstituierung des neuen Landtages voraussichtlich neu aufgelegt.

In Berlin werden die verdächtigten Polizisten zunächst angehört. Innensenator Andreas Geisel (SPD) versprach eine „rückhaltlose Aufklärung“ und kündigte Konsequenzen an. Das könnte eine Suspendierung bedeuten. Das Parlament will am kommenden Montag über weitere Schritte diskutieren. Vor allem aber: Sonderermittler Jost arbeitet weiter. Man müsse damit rechnen, dass dies nicht der letzte Skandal war, den der Ermittler im Fall Amri aufdecke, sagt Geisel.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Der Fall Amri: Vertuschungsversuch der Polizei – was bislang bekannt ist"

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  • Alle wissen doch bis ein Täter wirklich im Gefängnis landet in Deutschland, muss er
    50 bis 70 Straftaten hinter sich haben. Wegen Terrorgefahr geht überhaupt niemand ins Gefängnis ,man geht mit ihm spazieren. Wegen Drogen und Einbruch will eigentlich kein Polizist aktiv werden, während er noch den Bericht schreibt, bricht der Täter schon wieder ein.

    Was aber besonders Zynisch von Politikern wie Oppermann ist, der ja furchtbar entsetzt war über diese Geschichte müsste doch den Ablauf vor Gericht
    kennen.

    Denkt denn niemand an die Familien der Opfer und an die Opfer wenn politische Stümper Amri und CO immer wieder frei lassen ,in der Hoffnung das er von allein abhaut. Widerwärtig was sich hier abspielt und vergessen sind die Opfer in Berlin
    schon Tage danach. Zur Wahl holt man die Opfer wieder an die Oberfläche um die
    Bürger mit neuen Lügen über Sicherheit bei Laune zu halten.

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