Der Fall Welteke: Wie ein Bundesbanker zurückgetreten wurde

Der Fall Welteke
Wie ein Bundesbanker zurückgetreten wurde

Die Bundesbank möchte sich von ihrem Enfant terrible Thilo Sarrazin trennen. Unklar ist jedoch, wie das rechtlich sauber gehen soll. Bei einem freiwilligen Ausscheiden des streitbaren Bankers wäre ein Amtsenthebungsverfahren denkbar, wie der Fall des ehemaligen Bundesbankvorstandes Ernst Welteke aus dem Jahr 2004 zeigt.
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FRANKFURT. Am 16. April 2004 ersuchte der damalige Bundesbank-Präsident, Ernst Welteke, den Vorstand in einer persönlichen Erklärung um seine Entlassung. Er bat, sein „Ausscheiden aus dem Amt des Präsidenten der Bundesbank vor Ablauf der Amtszeit zu billigen und dem Bundespräsidenten zu empfehlen, mich aus meinem Amt zu entlassen“ – Parallelen zum aktuellen Fall Thilo Sarrazin ließen sich freilich nur ziehen, wenn Sarrazin als Konsequenz aus den vergangenen Tagen ebenfalls freiwillig aus seinem Amt als Bundesbankvorstand ausscheiden würde. Doch darauf deutet zur Zeit nichts hin.

Welteke, der von 1999 bis Mitte April 2004 an der Spitze der Bundesbank stand, wurde zum Verhängnis, dass er sich und seine Familie zum Jahreswechsel 2001/2002, dem Datum der Euro-Einführung, von der Dresdner Bank in das Berliner Luxushotel Adlon hatte einladen lassen – Kostenpunkt: 7 661, 20 Euro.

Durch mehrere anonyme Schreiben an das Bundesfinanzministerium, die den „Spiegel“ schließlich bekannt machte, geriet der Banker in Erklärungsnot und verscherzte sich mit einem patzigen Kommentar auch die letzten Sympathien: „Soll ich das selber bezahlen?“ sagte er damals.

CDU-Generalsekretär Markus Söder forderte ihn darauf hin auf, sein Amt ruhen zu lassen. Und der Chef des Bundestags-Wirtschaftsausschusses, Rainer Wend (SPD), kritisierte Welteke als „instinktlos“.

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