Der Forschung fehlt nicht nur Geld
„Wenn die Struktur nicht stimmt, verpufft viel Geld“

Der Forschungsstandort Deutschland ist gut, deutsche Wissenschaftler dringen aber laut Bundesforschungsbericht zu selten an die Weltspitze vor. Ein Grund dafür hat sich herumgesprochen: Deutschland steckt deutlich weniger Geld in die Forschung als andere Nationen. Dazu kommen strukturelle Defizite der Forschungsförderung, für die Bund und Länder ohne Hochschulen jährlich immerhin gut 13 Mrd. Euro ausgeben.

BERLIN. In unmissverständlicher Klarheit hat der Wissenschaftsrat, der Bund und Länder berät, vor Jahresfrist Mängel in „Organisation und Verfahren“ der Forschungsförderung diagnostiziert. Und „wenn die Struktur nicht stimmt, verpufft viel Geld“, konstatiert Hariolf Grupp, Koordinator des jährlichen „Berichts zur technologischen Leistungsfähigkeit“ des Bundes und Vize-Chef des Fraunhofer-Instituts für Innovationsforschung in Karlsruhe.

Die wunden Punkte sind schnell genannt: Die Forscher in Universitäten und „außeruniversitären Forschungsorganisationen“ – Max-Planck-Gesellschaft (Grundlagenforschung), Fraunhofer-Gesellschaft (angewandte Forschung), Helmholtz-Gemeinschaft (Großforschungseinrichtungen) und LeibnizGemeinschaft – arbeiten zu oft nebeneinander her. Vor allem aber fehle es an einer gemeinsamen Strategie. Nur durch „aktives Zusammenwirken“ aller – Forscher, Bund und Länder – könne es gelingen, internationale Top-Positionen in einzelnen Disziplinen „zu erringen und zu behaupten“. Noch gebe es etwa „keine Verfahren, um systematisch Lücken im Förderangebot aufzuspüren“. Zugleich werde man sich nur selten einig, welche Forschung denn nachrangig sei.

Wilhelm Krull, Generalsekretär der VW-Stiftung und international renommierter Experte, fügt ein weiteres Minus hinzu: „Die Forschungsförderung ist viel zu kurzatmig“, viele Projekte liefen nach zwei, drei Jahren aus, übrig blieben halbfertige Ergebnisse. Gerade Spitzenwissenschaftler könne man nur gewinnen, „wenn man sie langfristig arbeiten lässt“, sagte er dem Handelsblatt.

Die gute Nachricht: Der Kampf gegen die Defizite hat begonnen. So hat die „Allianz“ der großen Forschungsorganisationen ein „Pilotprojekt“ zur besseren Koordinierung der Forschungsförderung gestartet, berichtet der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Peter Gruss. Ratschläge an die Politik seien jedoch „frühestens in einem Jahr“ zu erwarten. Als vorbildlich gilt das vom Bund angestoßene Verfahren der Helmholtz-Gemeinschaft, das Gelder nicht mehr einzelnen Instituten zuweist, sondern mit Hilfe externer Experten nach einem Programmwettbewerb vergibt. Lob zollt Grupp Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) dafür, dass „Verbundforschung“, die Kooperation von Forschern und Unternehmen zur Bedingung macht, „heute die Regel ist“. Das sorge dafür, dass „Steuergelder vorrangig dort ausgegeben werden, wo Erfolg am Markt winkt“.

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