Viele Ihrer Unionskollegen sehen die Ganztagsschule aber noch lange nicht als Wunsch-Norm.
Zöllner: Am Anfang waren manche auch gegen Bildungsstandards für Kindergärten. Das ist heute unumstritten.
Hüther: Wenn wir Prioritäten setzen, müssen wir auch die Bildungspolitik richtig justieren: Dann müsste es auch möglich sein, hier ein paar Milliarden mehr reinzugeben. Bei Hartz IV haben wir sechs bis sieben Mrd. Euro mehr ins System gegeben. Aber so weit reicht es immer noch nicht.
Zöllner: Also gut. Ich könnte auch drei Mrd. mehr gut brauchen. Die entscheidende Frage ist aber nicht das „G8“, sondern die Schulstruktur: Wie machen wir gegliederte und integrative Modelle kompatibel?
Wie denn?
Zöllner: Chancengleichheit lässt sich leichter organisieren, wenn man lange gemeinsam unterrichtet. Es geht auch im gegliederten System, ist aber schwieriger. Andererseits muss man akzeptieren, dass man Kinder besser fördern kann, wenn eher theoretisch begabte in einer anderen Gruppe lernen als die, die eher praktisch veranlagt und nicht daran interessiert sind, Aristoteles im Original zu lesen. Also brauchen wir ein gemeinsames Grundgerüst, das die Feindschaft zwischen beiden Lagern durchbricht.
Also neun Jahre Gemeinschaftsschule mit verschiedenen Zügen und danach Gymnasium?
Zöllner: Das werde ich Ihnen heute nicht sagen, obwohl ich natürlich weiß, was ich will. Ich bin froh, dass sich die Struktur, die uns 20 Jahre lang gelähmt hat, entkrampft hat. Vor fünf Jahren hätte niemand gedacht, dass eine CDU-Regierung in Hamburg die Stadtteilschule, also eine Art Gemeinschaftsschule, anstrebt.
Hüther: Nach Pisa ist unstrittig, dass wir die Kinder zu früh sortieren. Ansonsten wird sich das schon wegen der Demografie annähern. Sachsen und Thüringen haben die Regelschule für alle, weil die Demografie das erzwingt. Und warum sollen wir im hessischen Hintertaunus aus den gleichen Gründen nicht die Regelschule einführen und im Rhein-Main-Gebiet bei der Dreigliedrigkeit bleiben? Bei verbindlichen Bildungsstandards geht das.
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