„Der hat keinen Fehler gemacht“
Rückendeckung für Oettinger

Filbinger sei ein Gegner des Nationalsozialismus gewesen, hatte Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger in der Trauerrede für seinen verstorbenen Vorgänger gesagt – und dafür harsche Kritik geerntet. Jetzt gab es Rückendeckung von Parteikollegen. Auch DFB-Chef Gerhard Mayer Vorfelder stellte sich hinter Oettinger.

HB BERLIN. Baden-Württembergische CDU-Politiker haben Ministerpräsident Günther Oettinger gegen Kritik wegen der Würdigung seines Amtsvorgängers Hans Filbinger verteidigt. „Der hat keinen Fehler gemacht“, sagte Landesfinanzminister Gerhard Stratthaus am Freitag im Deutschlandfunk mit Blick auf Äußerungen Oettingers, Filbinger sei ein Gegner des Nationalsozialismus gewesen.

Filbinger war in der Nazi-Zeit Marine-Richter. Im wird vorgeworfen, sich an Todesurteilen beteiligt zu haben, obwohl andere Richter in ähnlichen Situationen dies vermieden hätten. Filbinger selbst hatte es abgelehnt, sein damaliges Handeln zu bedauern. „Filbinger war in Baden-Württemberg ein anerkannter Mann und es ist äußerst schade, dass jetzt wieder Diskussionen losgehen, von denen ich geglaubt habe, dass sie erledigt seien“, sagte Stratthaus. Oettinger habe vielen Menschen in Baden-Württemberg aus dem Herzen gesprochen.

Der frühere CDU-Landesminister und jetzige Chef des Deutschen Fußball-Bundes, Gerhard Mayer Vorfelder, sagte „Spiegel-Online“, die Trauerrede Oettinger sei ausgewogen gewesen, die Kritik sei nicht nachvollziehbar.

Oettinger selbst hatte sich am Donnerstag geweigert, von seiner Rede etwas zurückzunehmen. Er hatte erklärt, der Anfang April gestorbene Filbinger habe sich wie Millionen anderer nicht den Zwängen des Nazi-Regimes entziehen können. Es gebe kein Urteil von Filbinger, durch das ein Mensch getötet worden sei.

Die Journalistin und Kämpferin für die Aufklärung von Nazi-Verbrechen, Beate Klarsfeld, forderte ein klärendes Wort von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie sei nicht nur als CDU-Chefin, sondern auch als amtierende Präsidentin des EU-Rats zu einer Richtigstellung der Nazi-Vergangenheit Filbingers verpflichtet, sagte sie der Chemnitzer „Freien Presse“.

Der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Fritz Kuhn, forderte in der „Berliner Zeitung“ wie zuvor andere Politiker von SPD und Grünen, Oettinger müsse die Rede zurücknehmen. Der Schriftsteller Rolf Hochhuth, der mit Veröffentlichungen 1978 maßgeblich zum Rücktritt Filbingers beigetragen hatte, schrieb in der „Süddeutschen Zeitung“, der ehemalige Marine-Richter sei ein „sadistischer Nazi“ gewesen. Oettingers Bemerkung, durch Filbinger habe kein Mensch sein Leben verloren, sei allenfalls dadurch zu erklären, dass Filbinger einst auch seine engsten Mitarbeiter belogen habe.

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