Der neue Bundespräsident
Politik und Science-Fiction

Horst Köhler erzählt, dass er gerne Science-Fiction liest. Orwell und Huxley habe er geradezu verschlungen. Ansonsten geht der neue Bundespräsident gerne in die Oper, sammelt moderne Kunst und will auch weiterhin zwei Mal die Woche joggen.Die Finanzen ist in der Familie übernimmt weiterhin Frau Eva , die künftige „First Lady“ - dabei ist eigentlich ihr Mann der Experte.

HB BERLIN. Allerdings hat der Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds seit seiner Nominierung zum Nachfolger von Johannes Rau Anfang März einiges getan, um das Image des reinen Finanzfachmanns abzulegen. Wenn er am 1. Juli in der gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat die Hand zur Vereidigung auf die Originalausgabe des Grundgesetzes legt, wird wohl keiner mehr fragen: „Horst wer?“. Dabei hat sich Köhler in den Wochen seit seiner Wahl am 23. Mai politisch weitgehend zurückgehalten, mit ersten Personalentscheidungen aber aufmerken lassen. Chef des Präsidialamts wird Michael Jansen, der bislang die Stiftung zur Entschädigung der Zwangsarbeiter führte - ein Diplomat mit hoher Wirtschaftskompetenz. Als politische Spitzenbeamtin holte Köhler aus dem grün geführten Umweltministerium die international anerkannte Umweltexpertin Cornelia Quennet-Thielen. Sein Mann für die Medien wird der bisherige Pressesprecher der FDP, Martin Kothé.

Köhler setzt auf Kompetenz, weniger auf das vertraute persönliche Umfeld, das Spitzenpolitiker gerne mitnehmen, wenn sie in neue Ämter wechseln. Ein Drängender im höchsten Staatsamt will der 61-Jährige sein. Viele Sätze aus seiner ersten Rede nach der Wahl zeugen davon: „Deutschland ist mir zu langsam“, „Deutschland muss sich verändern“, „Deutschland, ein Land der Ideen“. Davon hat Köhler offensichtlich mehr als genug. Und er dringt darauf, sie unter die Leute zu bringen. „Ich werde nicht locker lassen bei den Themen, die mir wichtig sind“, versichert er. Und er überlege, dazu auch verstärkt die Medien, vor allem das Fernsehen, zu nutzen. Neben dem „Medien-Kanzler“ nun ein „Medien-Bundespräsident“? Nach sechs Jahren im Ausland und beruflichen Stationen in Kiel, Bonn, London und Washington muss sich Köhler „jetzt erst organisieren“, wie er sagt. „Ein fertiges Rezept habe ich noch nicht.“ Er tritt das Amt in einer krisenhaften innenpolitischen Situation an mit hohem Bedarf an politischer Orientierung. Dazu will er einen Beitrag leisten.

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