"Der Patient hat gewonnen" - Police wird rund 8,50 Euro kosten
Kassen und Ärzte einigen sich auf Zahnersatz-Regelung

Krankenkassen und Zahnärzte haben sich auf neue Festzuschüsse für Zahnersatz verständigt. Sie sollen von 2005 an die bisher prozentuale Erstattung ersetzen. Wichtigste Nachricht für alle Kassenpatienten: Sie müssen für Standard-Zahnersatz nicht tiefer in die Tasche als bisher greifen.

HB BERLIN. Die von den Krankenkassen dafür künftig bezahlten Festzuschüsse entsprechen nach Angaben der Zahnärzte in 90 bis 95 % der Fälle mindestens der aktuellen prozentualen Beteiligung der Kassen. „Der Patient hat gewonnen“, sagte dazu der Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), Jürgen Fedderwitz, am Donnerstag in Berlin.

Weitestgehend verständigt haben sich beide Seiten nach KZBV-Darstellung über die Befunde - etwa die Größe von Zahnlücken - und die davon abhängige Regelversorgung. Diese werde, wie bisher, ungefähr zur Hälfte von den Kassen bezahlt. Fehlen einem Patienten mehr als vier Zähne, bezahlt die Kasse einen Festzuschuss für eine herausnehmbare Prothese, nicht aber für die teurere Brücke.

Ein rund 1 600 € teures Implantat zur Schließung einer Zahnlücke bezahlte der Patient bislang alleine, künftig gibt es einen Festzuschuss von 350 €. Wer eine „schönere“ als die von der Kasse bezuschusste Zahnersatzvariante will, muss draufzahlen. „Die meisten Patienten fragen den gut aussehenden Zahnersatz nach“, räumte Fedderwitz ein.

Die KZBV hatte sich mit den Gesetzlichen Krankenkassen nach heftigem Streit auf die von der Gesundheitsreform vorgegebene neue Regelung für Zahnersatz verständigt. AOK-Sprecher Udo Barske sagte dazu, offiziell beschlossen werden solle das Konzept am 14. Juli. Beide Seiten seien sich einig, dass das bisherige Leistungsniveau für die Patienten gesichert sei. Durch Härtefallregelungen sollen Sozialhilfeempfänger keine Zuzahlungen leisten müssen.

Die gut 50 Mill. Mitglieder der Gesetzlichen Kassen müssen für Zahnersatz von 2005 an eine Zusatzversicherung abschließen und diese aus eigener Tasche bezahlen. Dafür waren bislang monatlich sechs bis acht Euro im Gespräch. Für Zahnersatz geben die Kassen jährlich weit mehr als 3 Mrd. € aus. Ihre Spitzenverbände warfen den Zahnärzten vor, sie versuchten, die Umstellung auf Festzuschüsse zu nutzen, um das Versorgungsniveau zu senken und bei den Patienten abzukassieren. Fedderwitz wies dies zurück. Die Vereinbarungen zeigten: „Diese Regelung ist keine Lizenz zum Gelddrucken für die Zahnärzte.“

Die Kassen zeigten sich zufrieden mit der Lösung. Man habe erreicht, dass ein Großteil der Patienten von Zusatzbelastungen verschont bleibe, sagte der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes der Innungskrankenkassen, Rolf Stuppardt. Teurer werde es nur für wenige Versicherte. „Wir gehen davon aus, dass es absolute Ausnahmefälle sind.“ Ähnlich äußerte sich das Bundessozialministerium. „Im Regelfall werden die Versicherten nicht höher belastet“, sagte Ministeriumssprecher Klaus Vater.

Stuppardt machte aber deutlich, dass ein Preis von rund sechs Euro für die Zahn-Sonderpolice mit der Vereinbarung nicht zu halten sein wird. Er rechne nun mit acht Euro oder 8,50 Euro. Diese Zahl nannte auch der Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Jürgen Fedderwitz. Sechs Euro hätten nur dann erreicht werden können, wenn die Kassen auf ihre Forderung nach einer umfangreicheren Regelversorgung der Patienten verzichtet hätten, sagte Fedderwitz. Eine endgültige Entscheidung über den Preis der Sonderpolice werden die Spitzenverbände der Krankenkassen in den kommenden Wochen fällen.

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