Der Präsident und die Frauen: Wilde Debatte über Gaucks „wilde Ehe“

Der Präsident und die Frauen
Wilde Debatte über Gaucks „wilde Ehe“

Ein CSU-Politiker fordert den designierten Bundespräsidenten Joachim Gauck auf, vor dem Einzug in Bellevue sein Privatleben zu ordnen. Damit löst er einen Sturm der Entrüstung aus. Nur Gauck selbst sagt nichts.
  • 61

BerlinNorbert Geis hat es geschafft: Der CSU-Hinterbänkler und Familienpolitiker ist in aller Munde. Der Außenminister wirft ihm Stillosigkeit vor, der Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion attestierte ihm mangelnden Respekt, und ein alter Freund fordert ihn öffentlich auf, den Mund zu halten.

Was ist passiert?

Geis, 73, hatte den künftigen Bundespräsidenten Joachim Gauck in einem Interview aufgefordert, er solle doch mal heiraten. Die „Passauer Neue Presse“ zitierte Geis mit den Worten: „Es dürfte wohl im Interesse des Herrn Gauck selbst sein, seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen, damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird.“

Der 72-Jährige Joachim Gauck ist seit 1959 verheiratet und hat vier Kinder. Von seiner Frau lebt er aber seit 1991 getrennt. Seit 2000 ist er mit der Journalistin Daniela Schadt liiert, die ihn im Falle seiner Wahl zum Bundespräsidenten am 18. März als First Lady ins Schloss Bellevue begleiten würde. Vor seiner Kandidatur 2010 hatte Gauck versichert, seine Lebensgefährtin heiraten zu wollen, wenn er Präsident werde. Die Ehe mit seiner ersten Frau ist aber noch nicht geschieden.

Die Forderung von Geis, Gauk solle sein Privatleben „ordnen“, löste empörte Reaktionen aus.

Außenminister Guido Westerwelle nannte die Debatte über Gaucks persönliche Verhältnisse unsäglich. „Die Kritik an den persönlichen Lebensverhältnissen des nominierten Bundespräsidenten ist stillos“, sagte der FDP-Politiker der „Rheinischen Post“. Deutschland sei schließlich ein „modernes Land“.

Seite 1:

Wilde Debatte über Gaucks „wilde Ehe“

Seite 2:

„Halt den Mund!“

Kommentare zu " Der Präsident und die Frauen: Wilde Debatte über Gaucks „wilde Ehe“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn wir christliche Werte vermitteln wollen oder dafür sind, dass die Ehe in unserem Land etwas ist das besonders zu schützen ist, ein Lebensmodell das durch Gesetze gefördert wird.
    Dann kann man es nicht hinnehmen, dass der erste Mann im Staat lebt wie ein steinzeitlicher Häuptling in einem noch nicht kultivierten Flecken von Afrika.

    Wenn man will, dass unsere Politiker noch ein bisschen etwas von Anstand in ihrer Vorbildfunktion ab geben, dann geht das nicht, dass der erste Mann im Staat, ein Präsident der uns als Bürger repräsentiert, lebt wie ein Moslem im tiefsten Saudi-Arabien oder wie ein Moslem in Afghanistan.
    Wir müssen uns das mal geben, da ist ein Mann der sich Christ schimpft, dazu Evangelischer Pfarrer ist, an der Spitze eines kultivierten, der Einehe verpflichtetem Staatswesen.
    Da kann man doch nicht mit einer Konkubine zusammen leben.
    Zu Staatsbesuchen und anderen öffentlichen Veranstaltungen mit ihr gehen.
    Wo bleibt hier der Aufschrei der Kirchen.
    Dann können wir gleich sagen, lebt wie es euch gefällt und schlaft mit wem ihr wollt.
    Haltet euch Mätressen und Konkubinen und lasst Moral, Moral sein, kümmert euch nicht darum was andere anständige Menschen dazu sagen.

  • Gauck wird mit seiner Konkubine einziehen. In Afrika hat auch jeder Politiker seine Nebenfrauen, in Arabien sowieso. Deutschland muss auch hier toleranter werden. Andere Länder machen es uns vor. Gegen den Kleingeist!

  • War für eine altertümliche Sichtweise! Wollen wir ein modernes Europa oder für welche Ansichten stehen wir eigentlich? Warum können wir es nicht jedem selbst überlassen, wie er denn leben möchte?
    Ich bin sehr dafür, traditionelle Werte nicht einfach über Bord zu schmeißen, aber das muss wirklich jeder für sich selbst entscheiden. Nicht umsonst zeigen die Umfragen, dass eine breite Mehrheit der Bevölkerung kein Problem damit hat!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%