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06.09.2007 

Beim Thema „Werte“ wird die Spannung dieses Wirtschaftssystems zu jahrtausendealten Lebensformen besonders wirksam. Seine Grundbegriffe wie Gewinn, Streben nach Erfolg und Zinsen haben keinen guten Ruf im Rahmen der überlieferten Wertvorstellungen. Zinsen zu nehmen war im Christentum wie im Islam immer anstößig – im Islam sogar zunehmend, wie der Aufschwung des zinslosen „Islamic Bankings“ zeigt. Auch Aristoteles hat die Zinsnehmer hart kritisiert. Jesus hat gefordert, sich zwischen Gott und dem Mammon zu entscheiden. Seine berühmte Formulierung, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in den Himmel komme, klingt durch die Jahrhunderte. Auch Aristoteles verstand unter der hochgelobten „Ökonomie“ die Kunst, sparsam zu wirtschaften. Die „Chrematistik“, die Lehre des Gelderwerbs, fand er dagegen widernatürlich; ganz so, wie es der kleinbürgerlichen Moral entspricht, die im 20. Jahrhundert von Links- wie Rechtsradikalen gleichermaßen ausgebeutet wurde. Außerhalb Europas sieht es nicht anders aus: Gier ist laut Buddhismus neben Hass und Unwissenheit eines der Grundübel der Menschheit.

Gerade deswegen brauchen wir aber eine neue Debatte: Welche Werte gelten heute noch, und wie müssen wir sie neu definieren? Es ist aber immer noch schwierig, über dieses Thema zu reden, ohne in ideologische Sackgassen zu geraten. Einen Irrweg beschreiten diejenigen, die einen zentralen Wert wie „soziale Gerechtigkeit“ am liebsten wegrationalisieren würden. Auf der anderen Seite gibt es die Betonköpfe, die den Kapitalismus als Feindbild brauchen.

Zum Teil berufen sich die vermeintlichen Freunde des Marktes auf Friedrich August von Hayek – und beziehen sich damit auf die wahrscheinlich dümmsten Ansichten dieses durchaus interessanten Theoretikers: Wer glaubt, irgendeine Gesellschaft könne auf Dauer bestehen, ohne sich immer wieder neu darüber zu streiten und zu verständigen, was Gerechtigkeit heißt, dem fehlen grundlegende politische Instinkte. Wer aber jeden Abbau von Besitzständen, überhaupt schon jede Veränderung reflexartig als „Sozialabbau“ brandmarkt – jetzt haben diese Leute ja sogar eine eigene Partei –, verhindert ebenfalls die Diskussion, statt sie zu führen.

Was wir brauchen, ist eine intelligente und realistische Wertediskussion zwischen diesen Extremen. Und zwar geleitet von grundlegenden Erkenntnissen wie der, dass die Armut der Armen das Problem ist und nicht der Reichtum der Reichen. Das schließt harte Kritik bei Missständen, etwa Zulieferern in Schwellenländern, nicht aus. Im Gegenteil: Nur wenn unsauber arbeitende Betriebe Probleme bekommen, haben sauber arbeitende eine Chance. Und bei der Bezahlung von Topmanagern kommt es manchmal zu Marktversagen, das nur durch stärkeren Einfluss der Eigentümer korrigiert werden kann.

Eine intelligente, aufrichtige Diskussion ist gefordert. Wie es in der Bibel heißt: Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.

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