Der VW Touareg dient Ifo-Chef Sinn als Beispiel
Made in Germany? Eine Sinn-Krise

Hans-Werner Sinn dreht den Zündschlüssel. Es dauert eine Schrecksekunde, dann schnurrt der Diesel mit seinen drei Litern Hubraum und den sechs Zylindern wie ein kleines Perserkätzchen auf dem heimischen Ledersofa, kaum zu hören und trotzdem angenehm präsent. Zum ersten Mal sitzt der Chef des Ifo-Instituts am Münchener Flughafen hinter dem Steuer eines VW-Touareg, eines dieser Luxus-Geländewagen. Auf einer Fahrt durch Bayern testet Sinn seine These von der „Basarökonomie".

HB MÜNCHEN. Spät ist VW in dieses Segment gestartet, jetzt ist der Touareg der meistverkaufte Jeep in Deutschland. Sinn, der Professor mit dem Seemannsbart und den meerblauen Augen, ist gut gelaunt wie auf einer Jungfernfahrt. „Ich liebe die großen, etwas klobigen Autos“, sagt der Volkswirt aus Bielefeld und legt den ersten Gang ein.

Sinn und der Touareg, das ist eine besondere Geschichte. Denn der oberste Ifo-Forscher nennt Deutschland seit einiger Zeit „Basarökonomie“. Und hat damit viel Wirbel erzeugt. Weil die Löhne hier zu Lande viel zu starr und vor allem zu hoch seien, finde ein zu hoher und wachsender Teil der industriellen Wertschöpfung deutscher Unternehmen dort statt, wo die Löhne billig und die Qualität der Arbeit trotzdem hoch ist: in den neuen Mitgliedsländern der EU, in Ländern wie Ungarn, Tschechien und der Slowakei, sagt Sinn. Deutschland verkaufe diese Produkte dann nur ins Ausland, werde so zum Basar.

Der Professor hat dafür immer den Porsche Cayenne als Beispiel genannt, der bei VW in Bratislava fast vollständig zusammengebaut und in Leipzig nur noch Motor und Antriebsstrang verpasst bekommt. Der Touareg ist die Steigerungsform des Gelände-Porsches, er wird komplett in Bratislava gebaut.

Mit dem Porsche und dem VW aus der Slowakei, sagt Sinn, lässt sich auch erklären, warum trotz der großen Exporterfolge deutscher Unternehmen die Arbeitslosigkeit hier zu Lande weiter zunimmt: Der Anteil deutscher Produktion an den Produkten, die „Made in Germany“ zu sein scheinen, nimmt kontinuierlich ab. Und vor allem: Der Prozess verläuft schneller als in anderen Ländern. Während die deutsche Industrie in den vergangenen Jahren Hunderttausende Jobs in den neuen EU-Ländern geschaffen hat, schrumpft hier die Beschäftigung, erreicht die Arbeitslosigkeit neue Höchstmarken. In der Slowakei hat allein der Volkswagenkonzern weit über eine Milliarde Euro investiert und gut 8 200 Jobs geschaffen – von den Zulieferern gar nicht zu reden.

„Die meisten Autos sind heute ja übermotorisiert“, sagt der Professor, als er auf die A9 vom Münchener Flughafen Richtung Innenstadt abbiegt. Für den Touareg will das der Herr Professor aber nicht gelten lassen. Für die zweieinhalb Tonnen Volkswagen sei der Drei-Liter-Diesel „angemessen“.

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