Desertec
Deutschland bei Wüstenstromprojekt im Vorteil

Es ist ein gigantisches Projekt, und es soll helfen, die Energieprobleme Europas zu lösen: Mit Desertec soll in der afrikanischen Wüste umweltfreundlicher Strom aus Solarenergie hergestellt werden. Die Idee des am Montag besiegelten Programms heimst derzeit viel Lob ein. Auch wenn die Realisierung noch Jahre dauern dürfte, steht ein Profiteur des Vorhabens wohl schon fest - die deutsche Wirtschaft.

DÜSSELDORF. Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, glaubt, dass deutsche Firmen gute Chancen haben, beim Desertec-Projekt zur Förderung von Solarenergie in der Sahara zum Zuge zu kommen und damit auch die deutsche Volkswirtschaft davon profitiert. "Die deutschen Unternehmen werden hier einen Wettbewerbsvorteil haben, denn sie haben das Know-how, um die entsprechenden Kraftwerke, aber auch die Infrastruktur, die dafür notwendig ist, bauen zu können", heißt es in einer Handelsblatt.com vorliegenden Stellungnahme Kemferts im jüngsten Wochenbericht des DIW, der am morgigen Mittwoch offiziell erscheint.

Das geplante weltgrößte Solarstrom-Projekt in der afrikanischen Wüste soll schon in wenigen Jahren Energie liefern. Das hatten die an der Initiative Desertec beteiligten Unternehmen am Montag in München betont. In den nächsten drei Jahren soll sich zunächst eine Planungsgesellschaft mit Fragen der Finanzierung, der technischen Machbarkeit und den politischen Weichenstellungen beschäftigen. Danach wollen die Unternehmen, darunter Siemens, Eon, RWE und MAN, schnell erste Anlagen in Angriff nehmen. Ziel ist es, in den Wüstenregionen Nordafrikas sowie des Nahen und Mittleren Ostens bis 2050 rund 15 Prozent des in Europa benötigten Stroms in solarthermischen Kraftwerken zu produzieren. Die Energieversorger mischen nicht nur bei Strom aus Afrikas Wüsten mit. Die Branche ist auch auf anderen Feldern in Bewegung und steht vor gewaltigen Investitionen.

Kemfert hält Desertec für "das richtige Projekt zur richtigen Zeit". Man müsse aus der Finanzkrise herauskommen und zugleich die drohende Energiekrise in den Griff bekommen. "Insofern ist es völlig richtig, dass man auf solches ein Projekt setzt, um auch Arbeitsplätze zu schaffen." Skeptisch äußert sich Kemfert allerdings zu der Frage, ob auch Deutschland von Solarstrom aus der Sahara profitieren könnte. Sie glaube vielmehr, "dass wir zukünftig in der Speicherung große technologische Fortschritte machen werden und mit einer dezentralen Energieversorgung direkt vor Ort nicht so lange Wege nutzen müssen, um Energie zu transportieren". In der Zwischenzeit sei Desertec dennoch "ein sehr wichtiges Projekt, insbesondere weil man auch vor Ort in Nordafrika die Energieversorgung sicherstellen kann", so Kemfert. Zudem sei ein solches "Riesenprojekt" gerade für Südeuropa interessant, um dort die Energieversorgung sicherzustellen. Sie fügte allerdings hinzu: "Ich glaube nicht, dass damit unser ökologisches und ökonomisches Problem vollständig gelöst ist, aber es ist ein wichtiger Baustein."

Auf Unwägbarkeiten bei der Realisierung des Wüstenstromprojekts weist auch der Experte für Energiewirtschaft des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), Hermann-Josef Wagner, hin. Allein aus rechtlichen Bedingungen sei es nördlich des Mittelmeers einfacher, solarthermische Kraftwerke zu bauen, da die Unternehmen innerhalb der Europäischen Union agierten, sagt der Professor an der Ruhr Universität Bochum am Dienstag im Gespräch mit Handelsblatt.com. In afrikanischen Ländern wie Algerien, Marokko, Libyen sehe das anders aus. "Und mit dem libyschen Staatschef Gaddafi etwa einen verlässlichen Rechtsrahmen zu schaffen, dürfte nicht ganz einfach sein", gibt Wagner zu bedenken. "Auch die Baukosten am Rande der Sahara mit geringer Infrastruktur müssen erst noch ausgetestet werden."

DIW-Expertin Kemfert sieht ebenfalls in der Finanzierbarkeit eines der größten Hindernisse für das Projekt. Viele Ingenieure und sogar Nobelpreisträger hätten schon seit Jahrzehnten die Nutzung der Sonnenenergie in einem solchen Konzept vorgeschlagen und sich gewundert, dass es nicht gekommen sei. "Es kam nicht, weil es schlicht teuer ist", betont Kemfert. Dennoch sieht sie gute Chancen für Desertec: Sonnenenergie werde natürlich billiger, je höher die Preise für fossile Energieträger seien, erklärt Kemfert und fügt hinzu: "Mittlerweile werden weltweit immer mehr erneuerbare Energien genutzt, damit werden sie auch preisgünstiger und damit lohnt sich auch ein solches Projekt."

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