Designierte EZB-Direktorin
Lautenschläger stellt sich Stresstest in Straßburg

Bundesbank-Vize Sabine Lautenschläger steht vor einem Wechsel zur EZB. Die Juristin soll auf Jörg Asmussen folgen. Europas Notenbanker heißen sie willkommen – doch zuvor wartet auf Lautenschläger noch eine Anhörung.
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Frankfurt/MainDer Wechsel von Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger in das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte schneller erfolgen als erwartet: Bereits am Montagabend findet vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments in Straßburg eine Anhörung statt – der ein positives Votum folgen dürfte.

Die Anhörung dürfte für Lautenschläger dennoch keine leichte Aufgabe werden: Die Parlamentarier haben ihr vorab eine Liste mit 45 Fragen geschickt, deren Beantwortung sie noch vor der Anhörung erwarten. Der komplexe Fragenkatalog liegt dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe) vor. Ein überzeugendes Auftreten ist für Lautenschläger wichtiger als für frühere Anwärter auf einen Posten im EZB-Direktorium: Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass sie Vizechefin der Bankenaufsicht werden soll – wofür die Zustimmung des Parlaments erforderlich ist.

Schon gebilligt hat der Rat der EZB die Berufung der Bundesbank-Vizepräsidentin in das EZB-Direktorium. Es gebe keine Einwände gegen die Personalie, hieß es in einer kurzen Mitteilung der Notenbank vom Donnerstag. Lautenschläger soll Nachfolgerin von Jörg Asmussen werden, der die Zentralbank verlassen hatte, um Staatssekretär im Berliner Arbeits- und Sozialministerium zu werden.

Der finanz- und wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament, Sven Giegold, rechnet fest damit, „dass das Parlament Sabine Lautenschläger akzeptieren wird“. Sie könne zwar vor der Anhörung nicht über Kandidaten spekulieren, sagte die Vorsitzende des Ausschusses Sharon Bowles dem Handelsblatt. Aber es würde „allen gefallen, wenn Frauen nicht länger übersehen würden“.

Ihre Kollegen und sie hätten immer gewusst, dass es eine Fülle von Frauen mit Talent und Erfahrung gebe. „Ich bin zuversichtlich, dass sich das am Montag zeigen wird“, sagte sie. Und der CDU-Europaparlamentarier Burkhard Balz hat ein „Wohlwollen quer durch die Fraktionen ausgemacht, weil hier eine sehr qualifizierte Frau vorgeschlagen wird“.

Bereits am Dienstag hatten die EU-Finanzminister die 49-jährige formal vorgeschlagen. Entschieden wird abschließend von den Staats- und Regierungschefs. EZB-Direktoren amtieren acht Jahre lang – ohne Möglichkeit einer Verlängerung. Vor Asmussen hatte Deutschland mit Jürgen Stark den Chefvolkswirt der EZB gestellt. Er hatte 2011 im Streit um die Euro-Rettungspolitik seinen Hut genommen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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