Details aus Binalshibh-Geständnis
US-Staatsanwalt: Atta hatte freie Hand

In seiner Aussage erklärt der US-Staatsanwalts Dietrich Snell, wie die Hamburger Terrorzelle organisiert war: Atta konnte die Anschläge eigenständig planen und durchführen. Zwischenzeitlich hatte er erwogen, ein amerikanisches Kernkraftwerk bei New York anzugreifen.

HB DÜSSELDORF. Der Hamburger Todespilot vom 11. September 2001, Mohammed Atta, hat nach Angaben eines Zeugen freie Hand für die letzte Planung der Terrorattacken in den USA gehabt. Osama bin Laden habe Atta die Verantwortung für die Auswahl der Ziele und das Datum der Angriffe übertragen, sagte Dietrich Snell, Mitglied der US- Untersuchungskommission zu den Anschlägen, am Mittwoch vor dem Hamburger Oberlandesgericht.

„Alles Ermessen in taktischen Dingen und in der zeitlichen Planung lag bei Atta“, führte der US-Staatsanwalt aus. Der Ägypter war zur Vorbereitung der Attacken erstmals im Frühsommer 2000 in die USA eingereist.

„Niemand wäre auf die Idee gekommen, Attas Autorität anzuzweifeln“, sagte Snell. Er berief sich bei seinen Angaben auf Berichte über Aussagen der mutmaßlichen Chefplaner der Anschläge, Ramzi Binalshibh und Chalid Scheich Mohammed.

Beide werden von den USA an einem geheimen Ort festgehalten und gelten als zentrale Zeugen für den Hamburger Prozess gegen den mutmaßlichen Terrorhelfer Mounir El Motassadeq. Die „9/11-Kommission“ in den USA hatte allerdings nie direkten Kontakt zu ihnen.

Atta habe sich für das World Trade Center in New York als wirtschaftliches Ziel, das Kapitol in Washington als politisches Symbol der Demokratie sowie das US-Verteidigungsministerium Pentagon als militärisches Ziel entschieden, sagte Snell.

Auch das Weiße Haus stand auf der Liste von Zielen

Nach Erkenntnissen der „9/11-Kommission“ hatte der Ägypter, der selber ein Flugzeug in den Nordturm des World Trade Centers gesteuert hatte, auch über einen Angriff auf ein Atomkraftwerk in der Nähe New Yorks nachgedacht. Doch hätten ihn die anderen Todespiloten mit dem Hinweis auf den stark gesicherten Luftraum rund um ein Atomkraftwerk von der Idee abgebracht.

Atta habe diesen Vorschlag auch nie Osama bin Laden oder anderen El Kaida-Führern unterbreitet. Bin Ladens Überlegung, das Weiße Haus in Washington anzugreifen, habe Atta für nicht realisierbar gehalten.

Atta war nach Ansicht der Staatsanwaltschaft der Kopf einer Hamburger Terrorzelle, zu der weitere Todespiloten sowie auch der Angeklagte Motassadeq zählen sollen. Dem Marokkaner werden Beihilfe zum Mord sowie Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung zur Last gelegt.

In einem ersten Prozess war er zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil jedoch aufgehoben, weil möglicherweise entlastende Aussagen von Terrorverdächtigen von den USA gesperrt worden waren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%