Deutsch-französische Beziehung
„Wir sind ein harmonisches Paar“

Die ruppigen Monate des Streits zwischen Paris und Berlin könnten bald überstanden sein. Bei der Karlspreisverleihung nutzten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französisiche Staatspräsident Nicolas Sarkozy die Gunst der Stunde, um die deutsch-französische Achse wieder zu betonen. Allen Harmoniebeteuerungen zum Trotz - ernste Differenzen können auch sie nicht verdecken.

BERLIN/PARIS. Der Auftritt ist ganz nach dem Geschmack der Bundeskanzlerin. Im alten Aachener Rathaus sitzt sie als Ehrengast im Zentrum. Vorn am Podium lobt sie gerade ein wild gestikulierender Nicolas Sarkozy als würdige 50. Preisträgerin des internationalen Karlspreises. Ausgerechnet Frankreichs Präsident adelt sie damit als Führungsfigur im Kreis der 27 EU-Staats- und Regierungschefs. Dabei würde er sich gerne selbst in dieser Position sehen, weil Frankreich am 1. Juli den EU-Ratsvorsitz übernimmt.

Doch nach ruppigen Monaten des Streits zwischen Paris und Berlin ist Sarkozy wie schon beim Treffen in Hannover im März darauf aus, wieder eine belastungsfähige deutsch-französische Achse zu schmieden. Die Gelegenheit ist ideal. Denn Merkel erhält den Karlspreis für ihre Verdienste um die europäische Integration. Das Karlspreis-Direktorium würdigte vor allem ihren „herausragenden Beitrag“ zur Überwindung der EU-Verfassungskrise. Das schafft Platz für Symbolik.

„Wir sind ein harmonisches Paar“, betont Frankreichs Präsident deshalb mehrfach in einer mit persönlichen Anspielungen gespickten Rede. Er überschlägt sich mit Sympathiebeweisen. „Glauben Sie den Berichten nicht, Professor Sauer“, spricht er Merkels Ehemann direkt an. Er „liebe“ dessen Frau, habe viel von ihr gelernt. Merkel grinst und bedankt sich für so viel Courtoisie mit einem Satz auf französisch.

Schwerer als die persönlichen Freundlichkeiten wiegen jedoch die politischen Signale. Ausdrücklich betont Sarkozy seine Verantwortung für Europa und verspricht: „Frankreich wird den EU-Vorsitz nicht nutzen, um eigene Interessen auszuleben.“ Im Gegenzug erklärt Merkel: „Deutschland wird Frankreichs Präsidentschaft zum Wohl Europas aus ganzem Herzen unterstützen.“ Die Achse der beiden wichtigsten EU-Staaten soll also wieder stehen.

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