Deutsch-polnische Verhältnisse
Umdenken an der Weichsel – und an der Spree

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SPD-Chef Sigmar Gabriel schlug zudem gestern einen noch weiteren Bogen: "Wie sehr sich die Welt seit 1970 verändert hat, kann man auch daran erkennen, dass der Weg zu einem besseren Verhältnis zu Moskau und ganz Osteuropa heute über Warschau führt", sagte Gabriel zur Bedeutung von Brandts Kniefall für die heutige Politik. "War der Motor der europäischen Einigung über Jahrzehnte das Verhältnis von Deutschland und Frankreich, so ist europäischer Fortschritt nur mit Polen zu erreichen", sagte Gabriel.

Tatsächlich nähern sich auch Polen und Russland wieder deutlich an. Nach jahrelangem erbitterten Streit zwischen beiden Ländern herrscht nun Tauwetter: Präsident Medwedjew kam gestern als erstes russisches Staatsoberhaupt seit acht Jahren nach Warschau. Dabei sagte er eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen zu.

Medwedjew nennt Kritik "Nonsens"

Zugleich nannte der Kremlchef die bisherigen polnischen Sorgen vor der Ostsee-Pipeline und vor Russlands angeblichem Einsetzen von Energielieferungen als außenpolitische Waffe schlicht "absoluten Nonsens".

Medwedjew schlug sogar vor, dass einer der beiden staatlichen russischen Energieversorger Gazprom oder Rosneft sich mit 53 Prozent am polnischen Ölkonzern Lotos beteiligen könnte. Der russische Präsident wollte diesen Vorschlag ausdrücklich als eine Geste guten Willens verstanden wissen.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

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