Deutsch-Türken Sie wählen ihre Heimat, nicht Erdogan

Viele Deutsch-Türken haben mit der Politik Erdogans nicht viel am Hut. Dennoch unterstützen sie den türkischen Präsidenten und seine Partei AKP. Erdogan gibt ihnen ein Gefühl, das sie lange vermisst haben.
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Für viele Deutsch-Türken ist die Unterstützung Erdogans Ausdruck ihrer Heimatverbundenheit. Quelle: dpa
Demo von Erdogan-Anhängern in Köln (im Juli 2016)

Für viele Deutsch-Türken ist die Unterstützung Erdogans Ausdruck ihrer Heimatverbundenheit.

(Foto: dpa)

ZürichTausende Deutsch-Türken kommen in deutschen Arenen oder Stadthallen zusammen, wenn der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan dort auftritt. Im Februar 2014 waren es 4000, im Mai 2014 sogar knapp 16.000. Und selbst wenn eher unbekannte Regierungsmitglieder wie der türkische Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci in einem kleinen Hotelsaal in Köln das Wort an ihre Landsleute richten wollen, strömen die Anhänger der Regierungspartei AKP zu den Kundgebungen und schwenken türkische Flaggen.

In Deutschland ist eine Debatte darüber entstanden, ob der türkische Präsident und seine Minister überhaupt noch in Deutschland auftreten dürfen, um für eine umstrittene Verfassungsänderung im eigenen Land zu werben. Lange hatte sich kaum ein türkischer Politiker für die Mitbürger in der deutschen Diaspora interessiert. Unter Erdogan hat sich das aber geändert: Er umgarnt erfolgreich die Auslandstürken in Europa. Die Zustimmung zu seiner Politik ist unter den in Deutschland lebenden Türken höher als in der Heimat.

Die Gründe dafür liegen in den Anfängen der türkischen Zuwanderung nach Deutschland. Ab dem Jahr 1961 kamen aufgrund des Anwerbeabkommens mit der Türkei rund 900.000 Menschen nach Deutschland, deren Arbeitskraft hier benötigt wurde. Viele von ihnen kamen aus dem hinteren Anatolien. Sie brachten ihre konservativen und religiös orientierten Weltbilder aus der Provinz mit nach Deutschland. Und während sich ihre alte Heimat modernisierte und alte Rollenbilder längst ablegte, lebten die alten Traditionen und Weltanschauungen in den Köpfen der Deutsch-Türken fort.

Heute leben gut drei Millionen Menschen mit türkischem Hintergrund in der Bundesrepublik. 1,4 Millionen von ihnen sind in ihrer alten Heimat wahlberechtigt. Weil die damaligen Bundesregierungen davon ausgingen, die Türken kämen nur zum Arbeiten und würden bald wieder zurückgehen, gab es nie ein Konzept, um diese große Gruppe Ausländer zu integrieren.

Die Folgen können in jeder sozialwissenschaftlichen Studie zu dem Thema nachgelesen werden: Türkischstämmige in Deutschland sind durchschnittlich schlechter gebildet, werden schlechter bezahlt und sind häufiger arbeitslos. Ihr Armutsrisiko ist größer als das von Deutschen ohne Migrationshintergrund, der durchschnittliche Nettolohn eines Haushalts von Deutsch-Türken ist rund ein Drittel niedriger. „Die Deutschen haben nur wenig Hoffnung in die Türken gesetzt“, erklärte Detlef Pollack, Professor für Religionssoziologie an der Universität Münster, in einem Interview mit der Wochenzeitung „Das Parlament“.

Noch schlimmer aber: Ihnen fehlten wegen der sozialen Abgrenzung die Vorbilder, um aufzusteigen, schreibt der Jurist und Kolumnist Mehmet Daimagüler in seinem 2011 erschienenen Buch „Kein schönes Land in dieser Zeit“. Sowohl was ihre neue als auch ihre alte Heimat anging, hätten viele Deutsch-Türken das Gefühl gehabt, dass niemand an ihrem Weiterkommen interessiert gewesen sei. Zwar geben laut einer Umfrage unter Türkeistämmigen in Deutschland 90 Prozent der Befragten an, mit ihrem Leben in der Bundesrepublik zufrieden zu sein. Trotzdem lautete Daimagülers trostloses Fazit: „Wir bleiben die Kanaken, egal, was wir tun.“

Erdogan erkannte diese Wunde und wusste, den Schmerz zu seinen Gunsten umzuleiten. In seiner Rede 2008 in der Kölner Lanxess-Arena warnte appellierte er an den Nationalstolz der Auslandstürken. „Assimilierung ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, klagte er vor etwa 16.000 Anhängern. Sie jubelten ihm zu.

„Durchtrennt nicht Eure Bande zur Türkei“
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  • <<Was bleibt, ist die AfD.>>

    Das finde ich auch. Ich verstehe in dem Zusammenhang bloß nicht, dass hier so viele, die sonst immer sehr kritisch mit unseren Medien umgehen, plötzlich deren Lied singen.

    Wenn ich mir eine Merkel anschaue und im Vergleich dazu einen Erdogan, dann weiß ich, wer hier keine öffentlichen Auftritte haben sollte! Es ist mir ein Rätsel, wie die größte Feindin Deutschlands hier überhaupt noch auf die Straße gehen kann.

  • Summa summarum: Was bleibt, ist die AfD. Es kann nicht schlimmer kommen.

  • Gabriel eiert feige herum. Der Türke gebietet uns, wie üblich, mit übertrieben vornehm gestelztem Gehabe, was wir nicht tun dürfen. So sind früher die Herren in ihren Kolonien aufgetreten. Es tut weh, wenn unsere Politiker ihr eigenes Land demütigen. So weit hat unsere Politik uns schon gebracht.

  • Warum soll Deutschland es dulden, dass Erdogan in unserem Land einen Wahlkampf betreibt, dessen geplante Verfassungsreform ihren Namen nicht verdient und in Wirklichkeit die Installierung einer Diktatur in der Türkei bedeutet?

    Das wäre in etwa so als wenn AH Wahlkampf in der UdSSR betrieben hätte.

  • Die Deutschen :

    1. Der Wohlstand in Deutschland kommt durch die deutsche Industrie und wird zum guten Teil in Ländern erwirtschaftet, wo die Arbeitskräfte gerade mal ein Drittel kosten und zum Teil in Ländern, wo die Arbeitskräfte nicht mehr sind als bezahlte Sklaven, die Abends lieber in der Fabrik schlafen würden als zurück in den Slum zu gehen.
    Dabei benimmt sich der Deutsche hierbei oftmals noch am sozialsten.

    2. Dies steht im krassen Gegensatz zu unserem innenpolitischen Gutmenschentum, wo man so tut, als ob man jedem helfen müsste oder sollte.

    Früher konnten sich Deutsche ein Haus erarbeiten. Heute darf man als Deutscher mehr Miete bezahlen. Dafür muss man sich keine Sorgen um Eigentum und eigene Kinder machen.

    Fazit: Leistung ist out. Sozial ist In. Das kostet eben etwas.

    3. Deshalb sollen die Deutschen froh sein, wenn sie im 4.0 Industrialisierungsland einen bezahlbaren Wohnraum haben, in dem sie ihre 1,3 Kinder unterbringen können.

    Ja, der dumme Michel hat lieber ein und 1/3 Kind ohne Hund, Der schlaue Michel hätte in den letzten 30 Jahren Frauen importiert. Aber das wäre sexistisch gewesen.
    Heute brauchen wir die Ausländer zum Kindermachen, damit wir nicht aussterben. Dafür müssen diese kein Deutsch können, Kinder macht man nicht im Deutschunterricht..

    Aber vielleicht ist das Kindermachen an sich in Deutschland schon frauenfeindlich und sexistisch, zumindest für die Deutschen..

    Bei 2,5 Kindern pro Familie können zumindest unsere Türken und Türkischstämmigen in zwanzig Jahren auch ohne weitere Zuwanderung mit 10 Millionen Türken in Deutschland rechnen.

    Das schafft Ihr schon....

    4. Ich liebe Kebap

  • Herr Neumann.

    Das ist kein Politikversagen.net sondern nur und ausschliesslich kulturelle Bereicherung. :-()

  • Wieder sieht man, was für ein Schwachsinn der Doppelpass ist - der ja auf dem letzten Parteitag noch von Mutti verteidigt würde. Hätten sich die Türken für die ausschliessliche deutsche -oder türkische- Staatsbürgerschaft entscheiden müssen, wäre der Schlamassel heute nur halb so groß. Der Doppelpass ist -neben der Vollkörpervermummung- das Integrationshindernis Nr.1.

  • @Herr Hans Klahrin

    Lesen Sie zum morgendlichen Wachwerden und Klardenken mal
    politikversagen.net
    Es gibt noch viele, viele andere adäquate seriöse Seiten!

  • Na hören Sie mal, Herr Klahrin!
    Wollen Sie uns hier erzählen, die Türkei hätte es je zugelassen, dass sich auf ihrem Staatsgebiet 3 Millionen Deutsche aufhalten, die keine Touristen sind? Sondern die stattdessen vom türkischen Staat leben wollen? Von "rauswerfen" wollen wir hier gar nicht erst anfangen! Eine deutsche Massenmigration ist für die Türkei absolut undenkbar, und das zu Recht! Nur die Deutschen waren und sind so blöd, Arbeitslose aus fremde Kulturen massenhaft anzulocken.

  • @Hans Klahrin
    Wir sind hier in Deutschland und nicht der Türkei! Hier wird Deutsche Poltiik gemacht und in der Türkei wird türkische Politik gemacht. Die Doppelpassregelung und Wahlkampfauftritte von ausländischen Staaten in Detuschland abschaffen und es wäre Ruhe im Karton!
    Als nächstes haben wir in Deutschland dann noch Marrokanische, Lybische oder sonstige Ausländische Wahlkampfveranstaltungen abzuhalten....was soll das?
    Ist Deutschland jetzt das Aufmarschgebeit von Völkern aus aller Welt, die sich hier austoben dürfen, wie sie wollen und sich an unseren Steuer- und Abgabentöpfen dann noch bedienen (Polizeieinsatz, öffentliche Infrastruktur usw.)?

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