Deutsche Bahn
Mehdorn-Nachfolger schon diese Woche?

Die Bundesregierung wird nach Angaben von Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) möglichst noch in dieser Woche einen Nachfolger für den scheidenden Bahnchef Hartmut Mehdorn vorschlagen. Wie Steinmeier am Montag nach Beratungen der SPD-Spitzen in Berlin mitteilte, werden sich die zuständigen Ministerien noch in der ersten Wochenhälfte zusammensetzen.

HB BERLIN. Er sei zuversichtlich, dass man anschließend einen „hochkompetenten, engagierten“ Nachfolger präsentieren könne. Dieser brauche sicher nicht aus den „klassischen“ Parteischienen kommen. Er sei optimistisch, dass eine Einigung mit der Union in dieser Personalie gelinge.

Derweil wurde in Regierungskreisen ein Medienbericht als „Unsinn“ zurückgewiesen, wonach der Chef des Flugzeugherstellers Airbus, Thomas Enders, neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn werden solle. Auch ein Sprecher des Airbus-Mutterkonzerns EADS sagte: „Da ist nichts dran.“

Nach den Worten Steinmeiers kam der Rückzug Mehdorns wegen des Vorlaufs und der Schlagzeilen vom letzten Wochenende „zum richtigen Zeitpunkt“. Mehdorns Verdienste um den Konzern blieben unvergessen. Auch unter einem Nachfolger müsse die Deutsche Bahn international ein „wichtiger Player“ bleiben.

Steinmeier signalisierte weiter, dass die SPD von der geplanten Teilprivatisierung der Bahn vorerst abrückt. Diese Frage habe angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise an Aktualität verloren. Es sei deshalb unwahrscheinlich, dass ein solcher Börsengang auch in der nächsten Wahlperiode zustande komme.

Derweil gaben sich Koalitionspolitiker voll des Lobes über Mehdorn. Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte dessen Verdienste für die Sanierung des Konzerns. Sie begegne dem Rücktrittsangebot „mit Respekt“. Dem scheidenden Manager gebühre herzlicher Dank. „Er hat das Unternehmen wirtschaftlich saniert. Er hat es zu einem weltoffenen Logistikunternehmen gemacht“, sagte Merkel in Rostock. Sie hoffe auch im Interesse der Beschäftigten, „dass dieser Kurs fortgesetzt werden kann“, sagte die Kanzlerin in einer kurzen Stellungnahme am Rande einer Veranstaltung. Auf die Nachfolgefrage ging Merkel nicht ein.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee reagierte „mit großem Respekt“ auf das Rücktrittsangebot von Mehdorn. Der SPD-Politiker dankte Mehdorn dafür, dass er in den vergangenen Jahren die Bahn zu einem modernen Dienstleister gemacht hat. Dies sei eine „enorme Leistung“ gewesen.

Auch Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) erklärte: „Für die harte Sanierungsarbeit der letzten Jahre gebührt Herrn Mehdorn nachhaltige Anerkennung.“ Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) würdigte Mehdorns Wirken in den zehn Jahren seiner Amtszeit: „Wir sollten jetzt nicht wegreden, was in mehr als zehn Jahren geschehen ist. Das sind Entwicklungen, die sich nicht nur in den Bilanzen zum Ausdruck bringen, sondern auch in der Qualität der Personenbeförderung, die viele ja auch nutzen“, sagte der Außenminister.

Die CDU-Spitze hält Mehdorns Rücktrittsangebot für die richtige Entscheidung. „Dieser Schritt verdient unseren Respekt“, sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla nach einer Sitzung der Parteispitze. Damit wolle Mehdorn „natürlich auch öffentlich einen Schaden von der Bahn abwenden“. Der scheidende Bahnchef habe in den vergangenen Jahren „Enormes“ geleistet und mit dem Umbau des Konzerns die Voraussetzungen für eine Privatisierung geschaffen. Nun gehe es darum, die Verantwortlichen für die Datenaffäre zu suchen und zur Rechenschaft zu ziehen.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hatte zuvor betont, nach dem Aktienrecht sei es Aufgabe des Aufsichtsrats der Bahn, den Nachfolger zu bestimmen. Zugleich verwies er auf Mehdorns Leistung als Manager. Der Bahnchef habe in rund neun Jahren an der Spitze der Bahn das Unternehmen erfolgreich umgebaut und es „zusammen mit den Mitarbeitern zu einem wirtschaftlich starken international führenden Schienenverkehrs- und Logistikdienstleister geformt“. Der wirtschaftliche Erfolg der vergangenen Jahre und die Sicherung von 220.000 Arbeitsplätzen seien „eindeutig auch mit dem hohen persönlichen Engagement und dem unternehmerischen Können von Herrn Mehdorn verbunden“.

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