Deutsche Familienplanung
Der Aufschwung sorgt für Kindersegen

Die Trendwende nach der tiefen Wirtschaftskrise kam unerwartet rasch: Genauso wie das Bruttoinlandsprodukt ziehen in Deutschland nun auch die Geburtenziffern wieder kräftig an. Bleibt der Trend stabil, dürfte die Zahl der Neugeborenen bereits 2011 wieder das Vorkrisenniveau erreichen.
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BERLIN. Nach vorläufigen Erhebungen des Statistischen Bundesamts kamen hierzulande von Januar bis September 509 535 Kinder zur Welt. Das sind 3,6 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Krisenjahres 2009. Damals hatte die Geburtenzahl einen historischen Tiefstand von 491 611 erreicht, was einem Minus von fünf Prozent entsprach.

Die Veränderungsraten in der Geburtenstatistik laufen damit erstaunlich parallel zur Konjunktur. Dies ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen kein Zufall. "Bereits in der Vergangenheit setzten Menschen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verstärkt ihre Familienplanung aus", stellten Experten des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung und des Vienna Institute of Demography kürzlich in einem Forschungsbericht fest.

Umgekehrt lasse sich für die Jahre vor der Krise europaweit belegen: "Positives Wirtschaftswachstum und sinkende Arbeitslosenraten trugen - wenn auch von Land zu Land in unterschiedlichem Maße - dazu bei, dass mehr Kinder zur Welt kamen", so das Forscherteam. Demnach dürfte der Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt bald noch mehr Paare ermutigen, Kinderwünsche zu realisieren.

Diese Erkenntnisse relativieren die regelmäßig aufflammende Debatte über die Effekte der Familienpolitik: Noch im Sommer hatten viele Politiker aus dem starken Geburtenrückgang im Krisenjahr 2009 gefolgert, das zuvor eingeführte Elterngeld sei ein Misserfolg. "Kinder kann man sich nicht kaufen", verwarf damals Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) die 2007 von ihrer CDU-Kollegin Ursula von der Leyen durchgesetzte Leistung. Das Elterngeld sei "offensichtlich kein Anreiz, mehr Kinder zu bekommen", sagte damals auch die Grünen-Demografieexpertin Tabea Rößner.

Verhaltene Freude bei Schröder

Um die Effekte des Elterngelds genau zu ermitteln, müsste man indes den Konjunktureinfluss herausrechnen können - was sehr schwierig ist. Insofern wäre es nun auch voreilig, den jüngsten Geburtenanstieg als familienpolitischen Erfolg zu werten.

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) reagierte am Mittwoch zurückhaltend auf die neuen Geburtenzahlen, da diese noch vorläufigen Status hätten. "Wenn sich alles bewahrheitet, dann freut sich unser Haus natürlich", sagte ihre Sprecherin. Doch in jedem Fall sei man familienpolitisch mit dem Elterngeld und dem Ausbau von Kinderkrippen auf dem richtigen Weg. Die endgültige Geburtenstatistik für das Gesamtjahr 2010 soll im kommenden Sommer fertig sein.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Das ist doch nur die übliche Trickserei-Nummer. Von der Leyen liefert - wie schon in den Vorjahren - die noch nicht ausgewerteten Neun-Monats-Rohzahlen. Sie sagen, wie es das bundesamt für Statistik selber betont, überhaupt keine brauchbaren informationen über den Anteil "deutscher Qualtitäts-babys" - sprich - die Kopftuch-babys machen wie jedes Jahre einen erheblichen Anteil aus.

    Um hier echte Zahlen zu erhalten, wird sich die Regierung wieder - wie schon für 2009 - satte 11 Monate Zeit lassen, mit der ernüchternden Wahrheit ans Tageslicht zu rücken, um anschließend sofort die getricksten Zahlen fürs laufende Jahr hinterherzuschieben. So wird die Presse still gehalten und die Realitätsferne der blaublütigen Ministerin kaschiert.

    2009 gab es nämlich einen satten Geburtenrückgang. Somit entpuppt sich das von-der-Leyensche Elterngeld als ein 15-Milliarden-Grab, weswegen die Zahlen für 2010 schon Ende Dezember nachgeschoben wurden - natürlich nur die getricksten 9-Monats-Zahlen, s.o.

    So schließt sich der Kreis, die Nummer wartet darauf nächstes Jahr wiederholt zu werden.

  • @[27]island
    Sie wieder da? Und wieder nationalistisches Gedankengut!
    Nazi raus! aber schnell

  • An (10)Dieterich + (9)Gregor

    Niemand zwingt Sie in meinen Land zu leben, sie können jederzeit gehen
    oder warten sie, bis sie ausgewiesen werden???

    Sie sollten nicht immer „dumpfe Linke“ Sprüche nachsprechen, besonders wenn Sie die bedeutung der Worte nicht begreifen.

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