Alle 17 deutschen Wissenschaftler, die derzeit mit embryonalen Stammzellen arbeiten, sprachen sich in einer Umfrage des „Kölner Stadtanzeigers“ für eine Reform des Gesetzes aus. Noch könnten sie mit den zugelassenen veralteten Zelllinien arbeiten. Doch sehen Forscher wie der Kölner Biologe Jürgen Hescheler die Gefahr, dass ausländische Wissenschaftlergruppen „nicht mehr mit uns zusammenarbeiten wollen, weil wir nur mit alten Linien arbeiten“.
Der Bonner Stammzellforscher Oliver Brüstle kritisierte die Stichtagsregelung als „Hauptbremsklotz seiner Arbeit“. Die Bewertungen der Qualität der internationalen Zusammenarbeit durch die 17 Forscher reichten von „besser als so mancher denkt“ bis „international nicht konkurrenzfähig“ und „miserabel“.
Der Bundestag beriet am Donnerstag in erster Lesung ohne Fraktionszwang über vier Anträge, die von einem totalen Verbot bis zu einer Abschaffung der geltenden Stichtagsregelung reichen. Einig sind sich alle Parteien, die Strafandrohung für deutsche Forscher, die sich an internationalen Kooperationen mit neuen Zelllinien beteiligen, abzuschaffen.
Bei der Grundsatzfrage, ob neue Zelllinien importiert werden dürfen, geht dagegen eine tiefe Kluft quer durch alle Fraktionen. Die größte Unterstützung hat bislang der Antrag des SPD-Politikers René Röspel, den Stichtag auf den 1. Mai 2007 zu verschieben. Dagegen gelten Anträge, den Stichtag abzuschaffen oder den Stammzellimport generell zu verbieten, bislang als aussichtslos. Anfang März will der Bundestag Experten anhören und dann bis Mitte März abschließend über eine Reform entscheiden.


