0 Bewertungen
11.04.2008 
Libyen-Affäre

Deutsche haben auch Gaddafis Geheimpolizei geschult

Nach neuen Erkenntnissen haben deutsche Polizisten in Libyen auch die Geheimpolizei des Diktators Muammar el Gaddafi geschult – offenbar unter widrigen Umstäden.

Der libysche Diktator Muammar el Gaddafi hat offenbar auch seine Geheimpolizei von Deutschen schulen lassen. Foto: apLupe

Der libysche Diktator Muammar el Gaddafi hat offenbar auch seine Geheimpolizei von Deutschen schulen lassen. Foto: ap

HB BERLIN. In der Libyen-Affäre deutscher Antiterrorspezialisten ist ein Bericht bekannt geworden, wonach deutsche Polizisten neben libyschen Spezialeinheiten auch 30 Beamte der Geheimpolizei von Revolutionsführer Muammar el Gaddafi geschult haben sollen. Das „Westfalen-Blatt“ berichtete über einen ehemaligen Beamten, der an den Schulungen teilgenommen habe. Demnach sei die Ausrüstung der Polizei katastrophal gewesen.

„Wir haben aus 30 Pistolen sieben funktionierende zusammengebaut.“ Im Gegensatz zu den „Grünen“, wie man die Geheimpolizei genannt habe, hätten die gewöhnlichen Spezialeinheiten nicht genug Munition gehabt: „Beim Schießtraining bekam jeder nur drei Patronen.“ Präzisionsschießen habe aus Mangel an Langwaffen nicht geübt werden können. Nach den Aussagen des zitierten Beamten hätten sich Ausbilder in Tripolis die Aufgaben geteilt, berichtete das Blatt. Die 150 Spezialeinsatzkräfte seien vom Stammpersonal der Sicherheitsfirma BDB Protection GmbH geschult worden. Um die „Grünen“ hätten sich der BDB-Geschäftsführer sowie aus Deutschland eingeflogene Polizisten und Feldjäger gekümmert.

Die Libyen-Affäre hat unterdessen eine neue Verbotsdebatte ausgelöst. Die Gewerkschaft der Polizei forderte ein Exportverbot für Kenntnisse und Fähigkeiten des Abwehrkampfes. Vorsitzender Konrad Freiberg sagte am Freitag im WDR: „Ich halte hier Einschränkungen für angebracht.“

Freiberg verglich seine Vorstellungen für das Verbot mit den Exportkontrollen für Rüstungsgüter. „Unser Wissen über Sicherheit, über Terrorbekämpfung darf nicht exportiert werden, darf nicht bei solchen Leuten landen“. Gegenwärtig sei es so: „Eine Privatfirma kann heutzutage überall in der Welt Wissen, Know-how weitergeben, auch aus dem polizeilichen Bereich. Und deswegen sind wir auch gern gesehen, weil wir hochprofessionell sind in diesem Bereich.“ Außerdem sei nicht genehmigte Ausbildung in der Freizeit für aktive Polizisten ein Dienstvergehen, das Konsequenzen habe. Für ehemalige Polizisten gelte dies nicht, allerdings seien auch sie weiterhin an die Pflicht gebunden, Dienstgeheimnisse nicht weiterzugeben. Bei der Festsetzung der Strafe bei Regelverstößen spiele auch eine Rolle, ob die ungenehmigte Nebentätigkeit einem Unrechtsregime nutze oder einem Land mit westeuropäischen Standards.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Der glücklose Beck – Chro...

    Der glücklose Beck – Chronik eines Abstiegs

    Kurt Beck gibt auf. Nach immer neuen Tiefschlägen ist er vom SPD-Parteivorsitz zurückgetreten. Die Negativ-Schlagzeilen, denen er sich seit Sommer 2007 ausgesetzt sah, ließen die Popularitätswerte der SPD auf Bundesebene und zuletzt sogar in Becks Heimatland sinken. Di...Bildergalerie 

  • Steinmeiers Freunde und F...

    Steinmeiers Freunde und Feinde

    Frank-Walter Steinmeier führt die SPD bei der Wahl 2009 an. Doch nicht alle führenden Genossen sind ihm wohl gesonnen. Wie jeder Politiker hat auch Steinmeier parteiinterne Gegner und Unterstützer. Seine Freunde und Feinde im Überblick.Bildergalerie 

  • Müntefering ist wieder ga...

    Müntefering ist wieder ganz oben

    Franz Müntefering soll Kurt Beck als SPD-Vorsitzenden ablösen. Damit übernimmt der Sauerländer einen Posten, den er schon einmal hatte – und zwar von März 2004 bis November 2005. Er legte damals das Amt nieder, weil er seinen Wunschkandidaten im Parteivorstand nicht al...Bildergalerie 

  • „Datendieben den Garaus m...

    „Datendieben den Garaus machen“

    Auf einem Gipfeltreffen, das heute in Berlin stattfindet, suchen die Bundesregierung und Verbraucherverbände Wege, den illegalen Handel mit Kundendaten einzudämmen. Unternehmen fürchten das Verbot und warnen vor zu viel Regulierung. Einen Kompromiss zu finden könnte sc...Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kommentar: Überfällige Konsequenz  Artikel in Merkliste

07.09.2008 von Daniel Goffart

Mit Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering hat die SPD wieder eine starke Führung. Sie muss aber erst noch zeigen, ob sie die lähmenden Flügelkkämpfe überwinden kann. Kommentar